Predigt von Bischof Dr. Felix Genn zum Gründonnerstag
Zeichen der Erinnerung mit viel kritischem Potenzial

Münster -

Als bewusste Erinnerung an die Zeichen, die Jesus Christus beim letzten Mahl vor seiner Kreuzigung seinen Jüngern gegeben hat, hat Bischof Dr. Felix Genn am Gründonnerstag, 13. April, die Heilige Messe vom letzten Abendmahl im St.-Paulus-Dom Münster gefeiert. So berichtet das Bistum Münster über die Predigt:

Donnerstag, 13.04.2017, 19:30 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 13.04.2017, 19:30 Uhr
Foto: Matthias Ahlke

Genn verwies zum einen darauf, wie Jesus seinen Jüngern die Füße gewaschen habe, und zum anderen darauf, dass er sich ihnen selbst als Nahrung gegeben habe. „Heute Abend erinnern wir Christen uns genau an diese Zeichen“, sagte er, „wir erinnern uns sehr intensiv, weil sie in der Gefahr sind, im gewöhnlichen Alltag eines Jahreskreislaufes vergessen, abgenutzt, gewöhnlich zu werden.“

Mit dem, was die Kirche feiere und bekenne, gebe Gott selbst die Antwort auf die Frage, „wo denn Gott sei, ob es ihn überhaupt gibt, woran er zu erkennen ist, ob er vielleicht nur eine Leerformel ist, erst recht die Frage, ob Gott angesichts des vielen Leids, das es in der Welt gibt, eine Größe ist, mit der man sich auseinandersetzen sollte.“ Wo dieser Gott sei, könne nur mit dem Hinweis beantwortet werden, dass er sich „genießbar in Brot und Wein der Eucharistie macht.“

Zum Gedenken an diese Abend gehörten auch die darauf folgenden Leiden Christi. In seiner Ölbergstunde erlebe Jesus: „Die letzte Konsequenz des Wirkens und Tuns zeigt sich darin, dass er selber in die Frage hineingestellt wird, ob Gott denn bei ihm ist und ob das, was er jetzt durchmachen muss, von ihm gewollt ist.“ Auch er durchleide das Gefühl der Gottesferne.

Das Mahl mit den Zeichen der Erinnerung und die Ölbergstunde fügten sich zusammen. Dabei seien die Zeichen – zum einen die Fußwaschung und zum anderen, sich „allen möglichen Leuten, Sündern, so leibhaft zu essen und zu trinken zu geben“ – eigentlich „völlig verrückt“. Sogar Petrus habe sich über die Fußwaschung gewundert. „Es wäre meines Erachtens schon viel gewonnen, wenn wir wie Petrus den Kopf schütteln und uns fragen, was Gott in diesem Jesus alles eingefallen ist, wie er wirklich dazu kam, sich mit uns so gewöhnlich zu machen, wie es einem Gott oder wenigstens der Vorstellung von einem Gott gar nicht entspricht“, sagte Genn, „vielleicht ist es schon viel, wenn wir Ihm erlauben, uns Seine Liebe zu schenken und damit uns einzuladen, mit Ihm Liebende zu werden.“

Gerade von der Geste der Fußwaschung gehe viel „kritisches Potenzial gegenüber all unseren Verhaltensweisen, persönlich, in unseren Gemeinschaften bis hinein in die große Politik“ aus. „Es wäre die Probe für unseren Glauben: Trauen wir der Botschaft, dass in diesem Dienst Gottes für uns und für die Welt der Schlüssel liegt, um wirklich anders zu leben?“, fragte Genn abschließend.

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