Schluss mit Busfahren
Berufliche Endstation: Erste Frau am Lenkrad der Busse parkt für immer

Albersloh/Rinkerode -

Wenn man Christine Pufahl sieht, mag man kaum glauben, dass sie vor 45 Jahren bei „Bils“ als Busfahrerin angefangen hat. „Jetzt ist aber Schluss mit Bus“, verkündet die agile Frau, die ihren Beruf, wie sie sagt, geliebt hat. Nette Kollegen, verständige Chefs und fast ausnahmslos freundliche Kunden machen der „Busfahrerin aus Leidenschaft“ den Abschied nicht leicht.

Mittwoch, 19.04.2017, 06:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.04.2017, 06:00 Uhr
Ganz vorne war ihr Platz. So kennen sie ihre Kollegen und Fahrgäste seit 45 Jahren: Hinter dem Lenkrad eines Busses fühlt sich Christine Pufahl pudelwohl. Foto: Christiane Husmann

„Ich bin immer gerne Bus gefahren“, erzählt Christine Pufahl, deren Berufseinstieg eigentlich aus der Not geboren worden war. Früh verstarb ihr Mann, und sie stand mit fünf Kindern alleine da. „Die wollten etwas zu essen haben“, bringt es die in Rinkerode wohnende Frau auf den Punkt.

Damit sie möglichst zeitig bei den Kindern sein konnte, arrangierte sie sich mit unterschiedlichen Schichtdiensten. „Ich muss sagen, dass ich meinem damaligen Chef Heinz Rehbaum viel zu verdanken habe“, resümiert Christine Pufahl und wirft lachend ein: „Mein jetziger Chef ist natürlich auch ein guter Chef.“

Leidenschaftliche Fahrerin

Und der hat für die Mitarbeiterin Blumen besorgt. „Ein Dankeschön für die langjährige gute Zusammenarbeit. Christine Pufahl war für den Betrieb eine echte Bank“, honoriert der Geschäftsführer des Albersloher Unternehmens, Jörg Schuchtmann.

„Das Bus- und Lkw-Fahren liegt unserer Familie im Blut“, erklärt die D-Führerscheininhaberin, die außerdem noch einen Motorradführerschein hat. Ob Reise-, Schul- oder Linienbus: Die leidenschaftliche Fahrerin hat sich hinter jedes Lenkrad geklemmt. „Besonders gerne bin ich Linie in Münster gefahren“, resümiert Christine Pufahl, die nicht nur von netten Fahrgästen, sondern auch von einigen kuriosen Begebenheiten zu erzählen weiß.

Exhibitionisten abblitzen lassen

„An einem eiskalten Wintertag öffnete ich vorm UKM (Universitätsklinikum) einem jungen Mann die Bustür. Ich war schockiert, als der vor der Tür die Hosen fallen ließ“, erinnert sich die Busfahrerin. Heute kann sie darüber lachen. „Mensch, zieh die Hose wieder hoch. Es ist viel zu kalt“, habe sie dem jungen Mann geistesgegenwärtig zugerufen, ihm die Bustür vor seiner Nase verschlossen und die Fahrt fortgesetzt.

Ein anderes Mal fand sie sich nach einem nötigen Toilettengang in einer nicht nur verlassenen, sondern auch verschlossenen Schule wieder. Der Versuch, eines der vielen Fenster zu öffnen, scheiterte zunächst. Erst im dritten Geschoss ließ sich nach langem Suchen eines öffnen. „Zum Glück waren unten noch Bauarbeiter beschäftigt“, erinnert sich Christine Pufahl.

Die Männer stellten kurzerhand eine lange Leiter auf, die bis zum Geschossfenster hoch reichte. Nach einigem Zögern kletterte die beherzte Frau mutig aus schwindelnden Höhen dem sicheren Schulhof entgegen. „Ich hatte noch nie so viel Angst“, räumt die sonst so toughe Busfahrerin ein.

Ein Fahrtalent

Auch nicht, als sie das erste Mal mit dem Reisebus in die österreichischen Berge gefahren sei. An Bord Frauen, die erstaunt fragten: „Können sie das?“ Ja, sie konnte. „Wenn es über Serpentinen ging, habe ich mich ausschließlich auf die Straße konzentriert und nicht nach unten geschaut“, lacht die Rinkeroderin, die ihre Fahrgäste immer sicher ans Ziel bringen konnte.

Das ist wohl zum einen dem Fahrtalent und der Berufserfahrung der Busfahrerin geschuldet. Zum anderen werden sie und ihre Kollegen regelmäßigen Gesundheitschecks unterzogen. Außerdem stehen turnusmäßige Schulungen auf dem Programm, die die Sicherheit der Fahrgäste garantieren sollen.

Und was macht sie nun – ohne Bus? „Mein Lebensgefährte ist gesundheitlich angeschlagen. Ich möchte mich um ihn kümmern.“ Dazu gehören bestimmt viele Ausflüge, bei denen sich die ambitionierte Fahrerin wieder hinter das Lenkrad klemmen kann. 

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