Cläre Schmitfranz und Margot Havermeier sind ehrenamtlich aktiv
Tafel-Mitarbeiterinnen mit über 80 Jahren

Lüdinghausen -

„Wir werden doch gebraucht“, sind sich Cläre Schmitfranz und Margot Havermeier einig. Mit ihren 86 beziehungsweise 81 Jahren sind sie die ältesten Mitarbeiterinnen der Lüdinghauser Tafel.

Mittwoch, 19.04.2017, 09:15 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.04.2017, 08:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 19.04.2017, 09:15 Uhr
Sie sind die Seniorinnen bei der Lüdinghauser Tafel: die 86-jährige Cläre Schmitfranz (l.) und Margot Havermeier. Sie ist 81 Jahre alt. Foto: wer

Neun Stück müssen es sein. Margot Havermeier wirft noch einmal einen kontrollierenden Blick in die Plastiktüte, dann macht sie einen Knoten in die Tüte. Auszählen, einsortieren – ob Eier, Zuckerpäckchen oder auch mal Windeln – das ist die Aufgabe, die die 81-Jährige jeden Mittwoch bei der Lüdinghauser Tafel übernimmt. Und das schon seit dem Start im März 2010. Die Lüdinghauserin gehört zu den Helferinnen der ersten Stunde an der Alten Valve. Gemeinsam mit Cläre Schmitfranz stellen sie die absoluten Seniorinnen der 121 ehrenamtlichen Mitarbeiter der Tafel.

Fernsehen gucken und lesen kann ich zu Hause genug. Ich wollte etwas Sinnvolles tun.

Cläre Schmitfranz

„Ich bin seit drei Jahren dabei“, sagt Cläre Schmitfranz. „Fernsehen gucken und lesen kann ich zu Hause genug. Ich wollte etwas Sinnvolles tun“, beschreibt sie ihre Motivation. „Ich habe einfach gefragt, ob sie auch eine Alte wie mich noch nehmen. Und dann war ich dabei“, erzählt sie mit einem Schmunzeln.

Es fing mit einer Spende an

Margot Havermeier wollte damals eigentlich nur Lebensmittel spenden. „Nach dem Tod meines Mannes hatte ich noch so viele Pakete Nudeln im Haus, die wollte ich bei der Tafel abgeben.“ Doch dabei ist es nicht geblieben. Seither gehört sie dazu. Ganz bewusst hat sie sich damals für eine Arbeit eher im Hintergrund entschieden. „Ich wollte nicht bei der Ausgabe mitmachen und möglicherweise Bekannten begegnen, denen das peinlich sein könnte."

„Wir sind wie eine große Familie. Wir fühlen uns hier total wohl“, stellen beide Frauen übereinstimmend fest. Zugleich genießen sie die Gespräche und den Austausch mit den anderen Tafel-Mitarbeitern. Schön sei auch das Gefühl, im Alter noch etwas tun zu können.

Je mehr helfen, desto besser.

Tafel-Vorsitzender Josef Kersting

Jede helfende Hand zählt

„Je mehr helfen, desto besser“, sagt dazu Josef Kersting, der Vorsitzende der Lüdinghauser Tafel. Immerhin versorge der Verein inzwischen 332 Bedarfsgemeinschaften mit insgesamt 759 Menschen. Das sei ein immer größer werdender logistischer Aufwand. „Wir sind wie ein Unternehmen organisiert. Mit dem Unterschied, dass wir montags noch nicht wissen, wie viel Ware wir bekommen und wie viele Mitarbeiter wir haben.“ Daher seien auch die beiden Seniorinnen in der Helferriege unverzichtbar. Und: „Jeder bringt die Zeit und die Kraft mit, die er geben kann. Die Freude, mit der jeder hierher kommt und seine Aufgabe verrichtet, das ist die Motivation.“

Ans Aufhören habe ich nie gedacht. Wir werden doch gebraucht.

Margot Havermeier

So stellt auch Cläre Schmitfranz fest: „Ich mache das, so lange ich kann. Ich möchte auch etwas zurückgeben, von dem, was mir selbst Gutes widerfahren ist.“ Das sieht Margot Havermeier ganz ähnlich. Nachdem sie im vergangenen Winter drei Monate wegen eines Krankenhausaufenthaltes ausgefallen war, ist sie jetzt seit einigen Wochen wieder dabei. „Ans Aufhören habe ich nie gedacht. Wir werden doch gebraucht“, sagt sie entschieden.

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