Der Weg zum Dekohasen ist mit Norbert Niesing laut und lustig
Die Frau und das Holz

Epe -

„Wo ist denn die Möhre?“ Alles lacht. Zeit für einen Ordnungsruf. „Zuhören jetzt“, ruft Norbert Niesing. Allein das Grinsen in seinem Gesicht verrät: Das mit der Disziplin wird erst später wichtig. Dann nämlich, wenn es an die Geräte geht: Stichsäge, Akkubohrer, Klemmzwinge. „Workshop für Sie – selbst ist die Frau“ heißt der Halbtageskurs, mit dem Norbert Niesing Frauen das Nötige beibringt, um selbst Deko, Kunstobjekte und Geschenke aus Holz herzustellen. Thema heute: der Osterhase.

Mittwoch, 19.04.2017, 09:00 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 19.04.2017, 09:00 Uhr
Ihr erstes Mal: Charlotte Plietker arbeitet mit der Stichsäge die Umrisse eines Osterhasen aus dem Brett heraus. Norbert Niesing achtet darauf, dass die Säge richtig aufsitzt und gerade läuft. Foto: Christiane Nitsche

Am Amtsvennweg in Epe hat Norbert Niesing vom Land eine alte Scheune gepachtet. Dort lagert er Holz aller Art – kauft und verkauft es, und bearbeitet es nach Bedarf. Vor der Scheune hat er eine Konstruktion aufgebaut, auf der es die Workshop-Teilnehmer ihm nachtun können: Eine hüfthohe Holzbox, auf der ein Lattengerüst verschraubt wurde. In der Mitte liegen schon die Werkzeuge bereit.

Eigentlich ist Norbert Niesing Drehermeister. In Heek bedient er sonst computergesteuerte Maschinen, füttert sie mit Daten. Ans Holz kam er über den Bau seines Blockbohlenhauses vor über zehn Jahren.

„Das ist mein Ausgleich“, sagt er. Jeden Samstagnachmittag geht auf den Hof am Amtsvennweg. Vor etwa zwei Jahren sei die Idee entstanden, einen speziell für Frauen konzipierten Workshop auszurichten. Immer wieder hätten Kundinnen, die bei ihm Kaminholz kauften, beim Anblick mancher Stücke gesagt: „Ach, da könnte man so etwas Schönes draus machen.“

Niesing greift in eine Gitterbox mit Bongossi-Stücken und stellt zwei nebeneinander auf den Boden. „Ein Haus“, ruft eine der Workshop-Teilnehmerinnen. Er nickt. Mitunter lernt auch er etwas dazu. „Ich hätte das gar nicht gesehen, wenn nicht eine Frau das mal gesagt hätte“, gesteht er ein.

„Frauen werden oft nicht ernst genommen, wenn es ums Handwerk geht“, sagt er. „Männer machen sich oft lustig.“ Auch er habe das leider erst spät begriffen. „Ich mache das heute nicht mehr.“ Stattdessen versuche er, den Frauen in seinen Workshops das fachlich Wichtige und Richtige beizubringen, mit dem sie etwa beim Werkzeugeinkauf bestehen können und langsam die Angst verlieren, wenn es an Säge oder Flex laut und heftig wird.

Sieben Frauen hat er heute versammelt, die sich auf sein besonderes Angebot hin gemeldet haben. Die Resonanz sei verblüffend gewesen, meint er. Es ist bereits der dritte Kurs dieser Art.

„Ich habe bestimmt mit 50 Frauen telefoniert“, lacht der 48-Jährige. Rund 35 hätten sich schließlich angemeldet. Die Stimmung ist aufgeräumt. Es wird gewitzelt. Doch wenn es um die Sicherheit geht, hört der Spaß auf. „Einen geraden Schnitt zu machen ist schwer genug“, warnt er die fidele Frauentruppe.

Vorher gibt es Waren- und Werkzeugkunde: Niesing erklärt, welche Hölzer weich (Douglasie) oder besonders hart (Bongossi) sind, wie das Sägeblatt sauber in der Führung der Säge liegen sollte, wie sich das Futter des Akkubohrers öffnen und schließen lässt, warum sich ein Stahlbohrer lohnt statt eines Holzbohrers, um die Löcher für den Ansatz der Säge zu bohren und warum man besser nicht zu Hause auf dem Esstisch sägt. „Wenn die Säge schwer läuft, könnte es sein, dass ihr im Tisch sägt“, warnt er. Und fügt sofort hinzu: „Aber sowas passiert Männern auch.“

Gleich werden auf den Leisten die Bretter festgeklemmt, aus denen die Frauen Osterhasen heraussägen – im Profil, hockend, mit Puschelschwänzchen und hochstehenden Löffeln. Dass die Möhre fehlt, ist eine Erleichterung, wie sich zeigt.

„Das ist meiner.“ Charlotte Plietker ist sichtlich stolz, als sie ihren mittels Schablone aufgezeichneten Hasen am Ende sauber herausgesägt hat. Es war ihr erstes Mal an der Stichsäge. Drei Stunden später ist sie schon fast ein Profi. Ihr Dekohase hat sauber gefeilte Kanten. Und signiert hat sie ihren Erstling auch – mit gravierten Initialen im Holz. Wie das geht? Mit der Flex, natürlich.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4775788?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F
Radfahrer haben jetzt rote Welle
Die neue Ampel an der Einmündung der Herwarthstraße auf die Von-Steuben-Straße
Nachrichten-Ticker