Annette Brandenfels wohnt an der WLE und setzt sich für Personenverkehr ein
„Sinnvoll und richtig“

Albersloh -

Annette Brandenfels lebt mit ihrem Mann im ehemaligen Albersloher Bahnhof direkt an den Schienen. Und das seit 1974. Auch wenn es heute im Haus manchmal mächtig rumpelt, setzt sich die Albersloherin für die Reaktivierung der WLE-Strecke für den Personenverkehr ein. Diese sei „sinnvoll und richtig“ sagt sie.

Donnerstag, 20.04.2017, 06:01 Uhr

Im ehemaligen Albersloher Bahnhof wohnt Annette Brandenfels mit ihrem Mann direkt an den Schienen. Das Gebäude stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1901. Außen ist der Bahnhof seit Jahrzehnten fast unverändert. Foto: Josef Thesing

Bis zur Schiene sind es nur wenige Meter. Durch das Fenster sieht Annette Brandenfels direkt auf die Gleise. Und das seit 1974, nachdem sie und ihr Mann den Albersloher Bahnhof gekauft und mit großem Aufwand für das Wohnen hergerichtet haben. „Wir haben noch ein Jahr regulären Personenverkehr miterlebt“, sagt die 73-Jährige.

Der Bahnhof stammt wahrscheinlich aus dem Jahr 1901. Bei der späteren Renovierung des Bodens ist die Titelseite des „Münsterischen Anzeigers“ aus dem Hause Aschendorff vom 21. November 1901 zum Vorschein gekommen.

Außen ist der Bahnhof fast unverändert, inklusive Bahnsteinkante und Verladerampe. Bahnhof-Fans könnten in Nostalgie verfallen. Doch Annette Brandenfels bremst das Schwelgen in möglichen Erinnerungen ein. „Das soll jetzt aber keine Geschichte über nostalgische Anwohner der Bahnlinie werden“, sagt sie.

Denn die Albersloherin setzt sich aus Gründen der „Mobilität und der ökologischen Vernunft“ gemeinsam mit der Kreisgruppe des BUND, der sie angehört, vehement für die Reaktivierung des Personennahverkehrs auf der WLE-Strecke ein. Und das, obwohl die Züge künftig im 20- bis 40-Minuten-Takt quasi durch ihr Wohnzimmer fahren würden. Und das auch, obwohl es heute  trotz des ein­en Meter dicken Bahnhofsfundamentes „mächtig rumpelt und das Haus zittert“, wenn die derzeit täglich vier Güterzüge vorbeifahren. „Das hat mit der künftigen Realität aber nichts zu tun. Die Achslast ist ja viel geringer“, sagt die Albersloherin.

Die für den Sommer beschlossenen Versuchszüge auf der Strecke seien aber auch nicht das, was bei der möglichen Reaktivierung komme, meint Annette Brandenfels, die für die anstehenden Diskussionen eine Fülle von Daten über die Kosten im Vergleich zum Straßenbau, über den Flächenverbrauch – unter anderem auch in Relation zum Straßenneubau –, über Ausgleichsmaßnahmen und über vieles mehr zusammengetragen hat. „Die Versuchszüge sind ein Ansatz, haben aber mit dem späteren Betrieb nichts zu tun, weil das Gleisbett, die Schienen und auch die Züge anders sein werden.“ Sie sagt: „Wir werden ein Rauschen hören.“ Mehr nicht. Und deshalb will sie vor ihrem Bahnhof auch keine Lärmschutzmauer. „Ich weiß natürlich nicht, wie sich die anderen Anlieger vereinbaren werden“, sagt Brandenfels. „Ich möchte nicht auf eine Mauer blicken. Die Züge werden im Dorf keine 100 Stundenkilometer fahren. Dennoch beschäftigt sie sich mit Schallschutzfenstern für ihren sieben Meter breiten und 21 Meter langen Bahnhof.

Sie weiß aber auch, dass viele der Anlieger der Strecke eine Wiederbelebung für den Personenverkehr „ganz anders sehen“, als sie und ihr Mann das tun. „Sie ist aber sinnvoll und richtig“, sagt sie. Für Annette Brandenfels und ihre Mitstreiter vom BUND geht es bei der Reaktivierung der WLE als einen Baustein der künftigen Mobilität um eine Grundsatzfrage. „Wir müssen heute unseren Verkehr für die nächsten Jahrzehnte neu organisieren“, sagt sie.

Durch die Bahn und deren Nebeneinlagen gebe es nur „einen vergleichsweise kleinen Eingriff“ in die Natur. Sie habe das ausgerechnet. Die gesamte zusätzliche Inanspruchnahme der Fläche inklusive Parallelwegen, Bahnsteigen, zweigleisiger Abschnitte und Nebenflächen liege bei drei bis vier Hektar und kaum zusätzlicher Versiegelung. Für die Ortsumgehung Albersloh würden 5,5 Hektar Land versiegelt und etwa elf in Anspruch genommen.

Auch die Kostendiskussion müsse „ehrlich und nicht einseitig“ geführt werden. „Es ist erstaunlich, dass die Kosten im Gegensatz zur WLE für den Aus- und Neubau der Straßen im Bereich zwischen Sendenhorst und Münster im gesamten Genehmigungsverfahren in der bürgerschaftlichen Diskussion nie eine Rolle spielen und spielten“, sagt Annette Brandenfels. Nach derzeitigem Stand kosteten die Ortsumgehungen Sendenhorst, Albersloh und Wolbeck zusammen etwa 53 Millionen Euro. „Warum werden nur die Ausgaben für die Bahn als Steuerverschwendung angesehen, nicht aber die für den Individualverkehr?“

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