Die letzten acht Parkuhren in Lengerich
Standzeit abgelaufen

Lengerich -

Erfunden hat sie ein Amerikaner, in den 1950er Jahren sind sie nach Europa gekommen – und gehören jetzt zu einer aussterbenden Spezies: Parkuhren. In Lengerich gibt es noch acht dieser Münzenschlucker. Deren Ende ist absehbar.

Mittwoch, 07.06.2017, 07:08 Uhr

Acht Parkuhren gibt es noch in der Stadt, aber ihre Zeit ist abgelaufen. Foto: Michael Baar

„Groschengrab“, diese Bezeichnung ist für viele ältere Autofahrer untrennbar mit eine Parkuhr verbunden. Der Name leitet sich von der Münze ab, mit der dieser mechanische Parkzeitmesser gefüttert werden wollte. Mit Groschen wurde die Zehn-Pfennig-Münze bezeichnet. Damals, als der Euro noch gar nicht in Sicht war.

Den Tacken (noch ´nen anderes Wort für die Zehn-Pfennig-Münze) in den passenden Schlitz schieben, dann in Pfeilrichtung den Knopf drehen – und schon ist für eine Viertelstunde das Parken an dieser Uhr ordnungsgemäß möglich. Mit 50 Pfennig konnte man früher schon eine Stunde, an manchen Uhren sogar noch länger, seinen Wagen parken.

1935 soll ein Amerikaner namens Carlton Cole Magee die Parkuhr erfunden haben. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die „Groschengräber“ den Weg über den großen Teich nach Europa. Die Schweizer haben als erste fürs Parken kassiert, zwei Jahre später, 1954, folgten die Deutschen.

Wiederum zwei Jahre später war dann gesetzlich geregelt, dass mittels Parkuhren eine Parkgebühr kassiert werden darf. Vorher gab es keine rechtliche Regelung die es erlaubte, Autofahrer zum Bezahlen von Parkgebühren zu zwingen.

Gut 60 Jahre später sind die mechanischen Parkgebühren-Kassierer aus dem Straßenbild verschwunden. Parkscheinautomaten haben sie verdrängt und von einer Gebühr von umgerechnet fünf Cent für eine Viertelstunde Auto abstellen kann man heute nur noch träumen.

Ende ist absehbar

Acht Parkuhren stehen noch in der Stadt. Zwei gegenüber dem Heimathaus an der Bergstraße, ein halbes Dutzend im Bereich Bahnhofstraße/Auf der Laar. Deren Ende ist absehbar. Der Ersatz ist schon eingetroffen. Statt Cent-Münzen einzuwerfen, sollen Autofahrer an diesen acht Parkflächen demnächst eine Parkscheibe auslegen. Eine Stunde lang darf dann dort gestanden werden – kostenlos.

...

Bei aller Nostalgie: Eine Berufsgruppe wird die „Groschengräber“ kaum vermissen. Das sind die städtischen Bediensteten, die für die Überwachung des ruhenden Verkehrs zuständig sind. Früher mussten aus jeder Parkuhr die Münzen geholt werden. Heute spuckt ein Parkscheinautomat gleich die Gebührenquittungen für Dutzende Stellplätze aus. Und die Ausrede „die Parkuhr ist gerade umgesprungen“ zieht auch nicht mehr. Dafür sorgt der gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe abzulegende Beleg aus dem Automaten.

Was mit den verbliebenen Parkuhren geschieht, ist noch nicht endgültig geklärt. „Die werden zunächst eingelagert. Vielleicht gehen sie dann an Liebhaber“, erzählt Martin Pogrifke im Gespräch mit den Westfälischen Nachrichten. Bislang seien die Groschengräber durch das Ausschlachten alter Geräte in Gang gehalten worden. „Aber eigentlich haben die alten Parkuhren mehr Kosten verursacht, als an Gebühren eingenommen worden ist“, zieht der Leiter des Fachdienstes Ordnung und Sicherheit Bilanz.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4909303?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F
Familie kämpft gegen Schimmel in gemietetem Haus
Klaus Baveld von „Menschen in Not“ begutachtet den Schaden.
Nachrichten-Ticker