Zahl der Downhill-Fahrer steigt
Eine Szene bahnt sich ihren Weg

Lienen/Bad Iburg -

Rund 230 illegale Strecken für Mountainbike-Abfahrten soll es zwischen Hüggel, Holperdorp und Hilter geben. An drei Strecken auf niedersächsischer Seite haben die Ordnungsbehörden kürzlich Kontrollen durchgeführt und mehrere Abfahrer angehalten. Ihnen drohen Bußgelder. Weitere sogenannte Downhiller wurden gesichtet.

Mittwoch, 07.06.2017, 17:30 Uhr

Ertappt abseits der öffentlichen Wege: Auf niedersächsischer Seite kostet das jetzt 100 Euro Bußgeld. Foto: Frank Murscheid

„Es war viel los“, so Hartmut Escher, Fachdienstleiter Umwelt des Landkreises Osnabrück. Er kündigte weitere unregelmäßige Kontrollen an, wolle aber auch mit Waldbesitzern und den Downhill-Fahrern die Entwicklung legaler Strecken voranbringen. Diese erste Kontrolle sei als Botschaft an die Downhill-Szene gedacht, um deutlich zu machen, dass regelmäßig gegen Waldgesetz, Naturschutzgesetz und Landschaftsschutz verstoßen werde.

Auch von Lienener Seite wird die Downhill-Problematik verfolgt. Wenn gleich die Welle noch nicht rübergeschwappt ist. Bürgermeister Arne Strietelmeier: „Bei uns gab es bislang es nur ganz vereinzelt Beschwerden. Aber wir sind im Bilde und beobachten das Geschehen sehr genau.“ Zu konkreten Maßnahmen bestehe aktuell kein Anlass, auch wenn an Randbereichen in Holperdorp hin und wieder Downhill-Fahrer auftauchten.

Das umstrittene Hobby bleibt für Flora und Fauna nicht ohne Folgen: Offenliegende Wurzeln können beschädigt werden, Faulpilze gelangen in die Bäume und führen zur Verrottung des Holzes. Der Boden an den Strecken erodiert stärker, das Wild kann sich nicht mehr ungestört in betroffene Jungbaumbestände, zugleich deren Kinderstube, zurückziehen. Und nicht zuletzt erleiden die Waldbauern dadurch wirtschaftliche Schäden.

Bei ihren Kontrollen hatten die Ordnungshüter drei besonders häufig befahrene Routen, an denen es gut sichtbare Verbotsschilder gibt, ausgewählt. Während Landkreis, Polizei und Förster ein positives Fazit der Aktion zogen, waren die ertappten Biker weniger erfreut: Eine Vierergruppe aus dem Münsterland habe den Polizeiausweis verlangt und von „Schikane“ gesprochen, während sich zwei Meller am Nordhang gesprächsoffen zeigten, als Ralph Gras, Leiter Einsatz und Streifendienst in Georgsmarienhütte, bei seiner ersten Kontrolle im Wald die Personalien aufnahm. „Wir sind hier als Kind schon gefahren, die normalen Strecken werden immer langweiliger“, sagte einer der Biker. Diese Strecke sei ihnen seit 20 Jahren bekannt. Einer würde eine legale Strecke begrüßen: „Hier könnte ich mir ein komplettes Trail-Center vorstellen, wie wir es in Winterberg oder Willingen haben. Wenn zwei, drei Strecken befahren und ausgebaut werden, finde ich das vollkommen in Ordnung. Die müssen dann natürlich auch interessant gehalten werden.“

Zu den bestehenden illegale Strecken kommen nach Aussage der Experten ständig neue dazu, Routen verlagerten sich dynamisch, sagte Bezirksförster Friedrich Gleissner. An schönen Wochenenden seien Hunderte Downhiller unterwegs. Der Sport etabliere sich zunehmend, beobachtet auch Johannes Meyer zum Alten Borgloh, Vorsitzender der Waldgenossenschaft Osnabrück-Süd mit rund 1900 Mitgliedern, die 9200 Hektar Wald bewirtschaften. Doch er Wald könne keine „Arena für Randsportarten“ sein, und es sei Aufgabe der Radfahrer, eine legale Strecke zu organisieren. „Dass wir dazu bereit sind, haben wir mehrfach gesagt.“ Der Betreiber müsse garantieren, „dass in den Nachbarwaldstücken das Fahren unterbleibt“. Nach seiner Einschätzung wäre das „eine Herkulesaufgabe“. Ein weiteres Problem nach Auskunft der Experten: Bislang habe sich niemand gefunden, der bereit sei, die Haftung für eine legale Strecke zu übernehmen.

Der Vorwurf, dass sich die Waldbesitzer Gesprächen entziehen und „fadenscheinige Argumente“ vorbringen, ist laut Karl-Heinz Brunemann nicht haltbar. Stattdessen gebe es im Internet von der Gegenseite „zahlreiche Shitstorms“. Er entferne inzwischen regelmäßig Aufbauten, habe mehrfach mit Downhillern gesprochen und seine Kontaktdaten mitgegeben: „Angerufen hat mich nie jemand.“

Zurück zu den Kontrollen: Die hat es nach Auskunft der Kreispolizeibehörde vor einigen Jahren auch schon auf dieser Seite des Teutos gegeben. Aktuell sehe man nicht die Notwendigkeit, sie zu wiederholen. Anders auf niedersächsischer Seite, wo die Szene offenbar ungleich aktiver ist und die Polizei deshalb weitere Kontrollen ankündigt. Die reine Informationsaktion vor einigen Jahren sei wirkungslos gewesen. Man müsse deutlich machen: So geht es nicht weiter. Vorgesehen sei ein Bußgeld in Höhe von 100 Euro.

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