Schwere Körperverletzung
Junges Trio schlägt auf Betrunkenen ein

Lengerich -

Weil er drei Mädchen belästigt hatte, haben im Oktober vergangenen Jahres drei junge Männer auf einen Betrunkenen eingeprügelt und eingetreten. Das Opfer der Attacke wurde dabei schwer verletzt. Nun mussten sich die Angreifer vor Gericht verantworten.

Freitag, 09.06.2017, 16:32 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 08.06.2017, 17:16 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 09.06.2017, 16:32 Uhr
  Foto: dpa

Das „Rettersyndrom“ deutlich übertrieben hätten die heute 16- bis 18-Jährigen, als sie in einer Oktobernacht des vergangenen Jahres auf dem Schulhof der Lengericher Bodelschwingh-Realschule drei Mädchen „helfen“ wollten, die von einem betrunkenen Mann belästigt wurden. So umschrieb der Vorsitzende Richter am Amtsgericht Ibbenbüren in seiner Urteilsbegründung das Geschehen, das die Staatsanwältin zuvor in ihrem Plädoyer als „ziemlich miese Tat“ charakterisiert hatte. Die Angeklagten hatten den Mann aus Paderborn mit Tritten und Schlägen malträtiert.

Vom ursprünglichen Vorwurf, die Attacke sei lebensgefährdend gewesen, nahm die Staatsanwältin im Laufe der Verhandlung Abstand. Das Opfer habe jedoch „ganz erhebliche Verletzungen“ davongetragen, für die das Trio nach Jugendrecht zur Verantwortung gezogen werden müsse.

Vom Jugendschöffengericht erhielten die Schüler die Quittung für die gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung: Ein Antiaggressionstraining, Freizeitarrest, die Weisung, jeweils 500 Euro Schmerzensgeld an den Geschädigten zu zahlen, sowie eine deutliche Ansage des Richters nahmen sich zumindest die beiden 18-Jährigen zu Herzen. Sie entschuldigten sich und sahen ein, dass sie dem Geschädigten, der der Verhandlung unentschuldigt ferngeblieben war, eine Entschädigung zahlen müssen.

Der Jüngste im Bunde hatte den Ernst der Lage noch nicht so recht verstanden, ließ sogar über seinen Dolmetscher fragen, ob er sich die Begründung des gegen ihn und die beiden anderen verhängten Urteils anhören müsse. „Sie sind auf dem Holzweg, wenn sie meinen, dass sie ohne Arbeit und ohne Schule hier ein tolles Leben haben“, wandte sich der Richter an den jungen Rumänen, der erst im vergangenen Jahr nach Deutschland gekommen war und den Schulbesuch verweigert. Er muss das zu zahlende Schmerzensgeld in 100 gemeinnützigen Stunden erarbeiten.

Den beiden anderen Heranwachsenden, ebenfalls mit Migrationshintergrund, riet er, in Zukunft besser darauf zu achten, mit wem sie unterwegs seien. Strafmildernd wertete das Gericht, dass die Angeklagten die Vorwürfe eingeräumt hatten und „relativ unbescholten“ seien. Eine Standpauke bekamen auch die drei jungen Zeuginnen, die wegen einer zwischen Staatsanwaltschaft, Jugendschöffengericht, Jugendgerichtshilfe und Verteidigern geschlossenen Verfahrensabsprache nicht mehr gehört werden mussten. Sie hatten sich bei mehreren polizeilichen Aussagen in Widersprüche verwickelt. „Sie sollten ihre Zeugenpflicht ernst nehmen, das Nachbessern von Aussagen ist für das Verfahren und für sie selber schlecht“, erklärte ihnen der Vorsitzende Richter. Positiv stellte er heraus, dass sie den Rettungswagen gerufen hatten, sodass dem Verletzten, der intensivmedizinisch behandelt werden musste, noch rechtzeitig geholfen werden konnte.

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