Wilfried Sellmann stellt bei Fallnit aus
Feng Shui am Fahrrad

Greven -

Feng Shui ist eine chinesische Harmonielehre, die gerne auf Inneneinrichtung angewandt wird. Der Grevener Wilfried Sellmann hat jetzt fünf Leezen danach gebaut.

Sonntag, 11.06.2017, 11:44 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 11.06.2017, 01:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Sonntag, 11.06.2017, 11:44 Uhr
Wilfried Sellmann mit seinem Wasser-Modell. Er baut Fahrräder nach dem Feng-Shui-Prinzip um. Foto: Günter Benning

Alles hat Gründe. Alles eine Vorgeschichte. Das sonderbare Rad, das Wilfried Sellmann vorsichtig aus dem Schaufenster zieht, gäbe es nicht ohne die Niederlande. Und nicht ohne Feng Shui.

In den Niederlanden hatte der Grevener vor Jahren einen Sanierungsjob als Technischer Direktor in einer Tochterfirma des Großkonzerns Legrand (Schalter- und Steckdosen).

Das Beste daran: „Ich hatte eine behindertengerechte Wohnung im vierten Geschoss. Mit Aufzug.“ Also tat der Manager, was er am liebsten nach der Arbeit tut: Er schob ein kaputtes Motorrad in den Aufzug und dann ins Wohnzimmer. Und schraubte daran.

Sellmann (62) ist ein Überzeugungsschrauber. Schon seit der Lehre als Rundfunk- und Fernsehmechaniker in Essen. Aber auch nach dem Ingenieurstudium blieb bei ihm „die Nähe zum Handwerk“: „Ich brauche das.“

Einmal, als er wieder ein Motorrad frisierte, entdeckte er bei einem Polsterer in Münster einen VW Käfer, in Nussbaumwurzel lackiert, mit Kotflügeln in Holz.“ Das wollte er auch.

Aber das ging nicht für das Motorrad. Also baute er sich einfach ein Fahrrad, mit gelasertem Blech, aus Edelstahlteilen. Und mit der Anmutung eines kleinen Bäumchens. Vorne auf dem Schutzblech hatte er sich einen brüllenden Löwe als Galionsfigur gesetzt. Sein Sternzeichen.

Das war also der Startschuss dieses Hobbys des umtriebigen Ingenieurs. Der zweite Schuss kam nach dem Besuch einer Freundin bei Sellmanns, die sich mit Feng Shui auskennt. Feng Shui kommt aus China und lehrt, was harmonisch ist. Und was nicht. Und Feng Shui teilt die Welt in einen Kreis von fünf Elementen auf: Feuer, Erde, Metall, Wasser und Holz.

Er selber, fand die Freundin heraus, repräsentiere das Element Holz. Seine Frau Angelika das Element Metall. „Ein Holzrad hatte ich ja schon“, sagt Sellmann, „da habe ich meiner Frau ein Metallrad gebaut.“ Das Rad steht derzeit als Schaufensterdeko im Weinhaus Fallnit: Glatt geschliffenes Metall, mit Klarlackpulver beschichtet.

„Die Rahmen“, sagt Sellmann, „hole ich alle vom Schrot.“ Die übrigen Einzelteile muss er sich allerdings teilweise per Internet von weither holen. Die hellen Reifen etwa kommen aus England. Vier Feng Shui-Räder hat Sellmann gebaut, eines steht noch beim Metallbauer – es repräsentiert das Prinzip Feuer. Wenn es fertig ist.

Besonders stolz ist er auf sein Klapprad, das mal seinem Vater gehörte. „Damit sind wir nach Holland und England gefahren“, erinnert er sich. Mit Kunstharz hat er dem Rad die Anmutung von Wasser verschafft.

Jedes einzelne Fahrrad sieht glatt und edel aus. Bei einem hat Sellmann etwa das Schaltkabel für die Zwei-Gang-Nabenschaltung durch die Rahmenrohre verlegt. „Aber fahren dürfen sie in Deutschland natürlich nicht“, sagt der Bastler, „es fehlt das Licht und die zweite Bremse. Und die Klingel.“

Aber fahren will er seine Räder ja auch gar nicht: „Dafür habe ich ja fünf andere.“ Er findet sie einfach nur hübsch, weshalb ihm seine Frau gelegentlich gestattet, mal eins ins Wohnzimmer zu stellen. Ansichtsmaterial.

Die Leeze, die sich noch in Arbeit befindet, ist ein Bonanza-Rad.

Sie bekommt einen handgestrickten Ledersattel. Und weil sie das Feng Shui-Prinzip Feuer darstellen soll, sieht eine Seite ihrer Frontgabel aus wie ein frisches Streichholz. Die andere Seite ist ein Streichholz, das schon abgefackelt ist.

Wilfried Sellmann, der sein Geld mit „Processtunning“ in Unternehmen verdient, setzt sich übrigens auch praktisch ehrenamtlich ein. Er möbelt Fahrräder für Flüchtlinge und Bedürfte auf. Sein Lebensprinzip: „Ich genieße es in meinem Alter, dass ich alles machen kann.“

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