Blickpunkt der Woche
Der Stromausfall und seine Folgen: Gelassenheit tut gut

Gronau -

20.48 Uhr – und plötzlich ging kaum noch etwas. Rund eine halbe Stunde war es bei den Gronauern duster, dann gelang es den Stadtwerke-Mitarbeitern, nach und nach jeden Haushalt wieder an die Stromverteilung anzuschließen. Auch wenn der Spuk für die meisten schnell wieder vorbei war: Der Vorfall zeigt einmal mehr, wie abhängig wir von der Stromversorgung sind.

Sonntag, 11.06.2017, 11:47 Uhr

Stimmen im Dunkeln . . . Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Zwar weiß das im Grunde jeder. Doch trotzdem wird es uns immer erst bewusst, wenn’s hart auf hart kommt. Und schon ist bei vielen die Panik groß. Bei der Polizei standen die Telefone an dem Abend nicht mehr still, andere, bei denen weder Festnetz noch Handy ging, fuhren direkt zu den Stadtwerken und wollten wissen, was los ist. Und diese reagierten prompt.

Auf Facebook aktualisierten sie fortwährend ihre Infos, innerhalb von knapp einer Stunde gelang es den Technikern, alle Kunden wieder zu versorgen. Trotzdem hielt die Aufregung bei vielen noch bis zum nächsten Morgen an.

Mulmiges Gefühl

Denn was bleibt, ist ein mulmiges Gefühl. Ohne Strom läuft nicht viel. Weder Radio, Festnetz, noch Ampeln. Auch bei der Versorgung wird es schnell eng. Die Lebensmittel aus Kühlschrank und Truhe werden nach wenigen Tagen schlecht, Herd und Backofen funktionieren ohnehin nicht. Und fällt der Strom über mehrere Tage aus, kommen auch die Lieferketten zu den Supermärkten zum Erliegen.

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Wenn die Märkte nicht ohnehin geschlossen bleiben. Denn auch hier werden Türen und Kassen in der Regel durch Strom betrieben. Und wer nicht genug Bargeld zu Hause hat, kann nicht eben zum Automaten laufen oder mit Karte bezahlen.

Szenario eines mehrtägigen Blackouts

Was bei einem mehrtägigen Blackout in Deutschland passieren würde, untersuchten 2011 Wissenschaftler im Auftrag des Bundestages. Nur mal ein Blick auf die Wasserversorgung. Auch die würde ohne Strom zusammenbrechen. Denn für die Wasserförderung, -aufbereitung und -verteilung wird elektrische Energie benötigt. Fallen elektrisch betriebene Pumpen aus, ist die Grundwasserförderung nicht mehr möglich.

Aufbereitungsanlagen und das Verteilsystem funktionieren nur noch bei künstlichem oder natürlichem Gefälle, sodass es in vielen Regionen weniger oder gar kein Wasser mehr zum Kochen, Trinken und Waschen geben würde. Verstopfte Toiletten, prekäre hygienische Zustände und sich schneller ausbreitende Krankheiten wären die Folge. Und die Notstromversorgung in Krankenhäusern ist dem Bericht zufolge nur auf wenige Tage ausgelegt.

Vorsorge treffen

Auch die Ursache in Gronau zeigt, wie stark vernetzt mittlerweile unsere Infrastruktur ist. Ein Erdschluss an einem privaten Anschlusskabel einer Windkraftanlage in Epe hatte einen Kurzschluss an einem Steuerkabel für das Schutzsystem in der Schaltanlage Laubstiege der Stadtwerke und der Westnetz GmbH ausgelöst. Und plötzlich stehen Tausende Haushalte ohne Strom da.

Umso sinnvoller ist es, für den Fall der Fälle vorzusorgen. Das wurde in Deutschland schon vor einigen Monaten heiß diskutiert: beim neuen Zivilschutzkonzept der Bundesregierung. Darin empfiehlt die Regierung etwa, einen Vorrat an Lebensmitteln, Wasser und Medikamenten anzulegen – und erhitzte so die Gemüter. Angstmache, unnötige Verunsicherung, übertriebene Hamsterkäufe – die Vorwürfe waren lang. Nun wissen wir: Schaden kann es sicher nicht, eine Packung Batterien und einige Liter Wasser zu Hause stehen zu haben. Allein schon, um ein wenig entspannter an solch ein Szenario heranzugehen.

Erinnerungen an 2005

Ich erinnere mich noch gut ans Schneechaos im Münsterland 2005. Mehr als 250.000 Menschen hatten mehrere Tage keinen Strom. Und der Vorrat an Konserven und Feuerzeugen war bei vielen binnen zwei Tagen aufgebraucht...

Doch noch etwas hat der Stromausfall gezeigt: Statt in Panik zu verfallen, tut der Sache ein wenig Gelassenheit gut – und Vertrauen in die Arbeit der Stadtwerke-Mitarbeiter. Das zeigten einige Reaktionen der Gronauer. Sie gingen raus und unterhielten sich mit ihren Nachbarn, setzten sich mit einem Glas Wein auf den Balkon oder spielten ganz altmodisch Mensch ärgere dich nicht. Als der Sieger feststand, brannte das Licht längst wieder. Und die Erkenntnis blieb, vielleicht mal wieder öfters den Blick vom Bildschirm zu nehmen – auch ohne Stromausfall.

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