Streit um das Sinninger Feld
„Auf Lösungsmodus umgeschaltet“

Saerbeck -

Die Saerbecker Windmüller blicken nach vorn; oder, wie Clemens Wernsmann als Sprecher der Landwirte es bei einem Pressegespräch ausdrückte: „Wir schalten vom Problem- in den Lösungsmodus um.“ Und eine Lösung muss dringend her, sonst geht der Bürgerwindpark im Sinninger Feld – und mit ihm das jahrelange, nicht nur finanzielle Engagement der etwa 400 Projektbeteiligten – unweigerlich den Bach runter.

Dienstag, 13.06.2017, 10:16 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 12.06.2017, 22:00 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Dienstag, 13.06.2017, 10:16 Uhr
Morgen- oder Abenddämmerung? Die Zukunft des Sinninger Bürgerwindparks ist ungewiss. Foto: Dietmar Jeschke

Sollte das Projekt tatsächlich scheitern, hätte das allein das Nabu zu verantworten, sagt auch Dieter Ruhe, der kein Verständnis dafür aufbringen kann, dass der Nabu mit seiner Klage den Saerbeckern so vehement in die Parade fährt.

Seit 2002 arbeiten etliche Landwirte an dem Projekt, „auf einem Gebiet“, betont Ruhe, „das damals im Rahmen eines Gutachtens als ökologisch nicht wertvoll eingestuft wurde“. Die Begründung: Intensivlandwirtschaft mit überwiegendem Maisanbau, kein Wiesenanteil und ein Modellflugplatz mit einer Genehmigung für 20-Kilo-Maschinen.

Dann wurde geplant und verworfen, schließlich im vergangenen Jahr ein Flächennutzungsplan aufgestellt, „der“, so Dieter Ruhe, „auf die Belange des Artenschutzes, angeregt durch die Untere Landschaftsbehörde und den Nabu, mehrmals verändert wurde.“ Von geplanten acht Windrädern blieben sechs, zugunsten eines Flugkorridors wurde das Plangebiet verkleinert und nach Westen verschoben, die Ausgleichsflächen auf 25 Hektar ausgeweitet und auf einer weiteren Fläche von anderthalb Hektar an der Ems eine Blänke angelegt: „Die Fläche wird extensiv bewirtschaftet“, sagt Clemens Wernsmann und betont: „Alle Aktivitäten wurden einvernehmlich mit dem Kreis abgestimmt, die Herstellung der Ausgleichsflächen von der biologischen Station und einem Gutachter bestätigt, der Modellflugplatz nicht mehr betrieben, die Bauphase ökologisch begleitet und die Funktionsfähigkeit der Ausgleichsflächen für Rast- und Brutvögel gutachterlich bestätigt. Wir haben doch alles gemacht und verfolgen doch alle die gleich Ziele: Klimaschutz und Artenschutz und wollen im Sinninger Feld beweisen, dass ein Windpark durchaus mit Natur- und Klimaschutz vereinbar ist.“

Die Zeche, beklagen die Windmüller, zahlten letztlich die Saerbecker Bürger, die sich finanziell und ideell für das Projekt engagieren und ebenso die Landwirte, die ihre Flächen bereitgestellt hätte. Ein Rückbau oder Verkauf des Windparks an einen ausländischen Investor oder Energieriesen bringe für den Naturschutz und viele Bürger im Kreis Steinfurt nur Nachteile. Dieter Ruhe: „Die Klage des Nabu wird auf dem Rücken von Menschen ausgetragen, die genauso wie der Nabu Arten- und Klimaschutz wollen. Daher wollen wir dringend lösungsorientierte Gespräche aufnehmen, um Naturschutz, Klimaschutz und Landwirtschaft wieder enger zusammenzubringen.“

Die Landwirte haben unterdessen dem Nabu eine Projektkooperation angeboten, in der es darum geht, auf freiwilliger Basis über die Behandlung und Bewirtschaftung einer zusammenhängenden Fläche von 150 Hektar zu sprechen. Wernsmann: „Über dieses sehr große Einigungsangebot eines erfolgreichen Vergleichsprojekts in Niedersachsen wollte der Nabu aber nicht reden.“

Wenn sich in dieser Beziehung weiterhin nichts tut, spricht das Oberverwaltungsgericht, das über die Beschwerde der Saerbecker gegen den verfügten Baustopp entscheiden wird.

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