Stichtag 27. Juni
Analoges Aus jetzt auch in Ahlen

Ahlen -

Ein Stichtag, an dem analoge Fernsehzuschauer ins Schwarze gucken: Am 27. Juni stellt Kabelnetzanbieter Unitymedia auch in Ahlen um. Der Fachhandel spürt‘s schon jetzt.

Montag, 12.06.2017, 21:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 12.06.2017, 21:00 Uhr
Kein Signal mehr! So könnte es am 27. Juni aussehen, wenn Kabelanbieter Unitymedia auch Ahlen aus der analogen Grundversorgung nimmt. Christian Börner (oben) zeigt‘s am schwarzen Bildschirm. Foto: Ulrich Gösmann

Düstere Aussichten für die allerletzten Fans anlogen Fernsehens, die das Laufband weiter über ihren Bildschirm laufen lassen, ohne selbst in Bewegung zu kommen: In exakt 14 Tagen schauen sie buchstäblich in die Röhre. Vorgeschmack gefällig? „Einfach mal den Fernseher auslassen und stumpf davorsetzen“, sagt Christian Börner. Den 28. Juni würde der Fachberater bei „Expert promedia“ am liebsten frei machen. Denn dann „geht‘s hier richtig ab“. Und die fernsehfreien Tage danach wohl auch, bis wieder Farbe daheim auf den Schirm kommt.

Je näher es rückt, desto verrückter wird‘s.

Christian Börner

Seit zwei Jahren wird getrommelt, seit Monaten aufgeklärt, seit Wochen das Laufband im 30-Minuten-Takt über die Mattscheibe geschickt. Wer es noch immer empfängt, ist betroffen. Am 27. Juni, wenn Kabelanbieter Unitymedia mit der fünften Welle analoge Kunden in Ahlen aus dem Programm wirft. „Je näher es rückt, desto verrückter wird‘s“, sagt Börner. Mit jedem Unitymedia-Rundschreiben steuert eine neue Welle Orientierungsloser in seine Abteilung. Das Alter: steil steigend, weil nach über 50 Jahren analogen Fernsehens nur schwer zu vermitteln scheint, was Digital ist und warum ohne Digital plötzlich nichts mehr geht. Vorherrschend die Meinung: „Brauchen wir nicht!“

Erste Engpässe bei den Receivern

Brauchen sie doch! Und jetzt? „50:50“, schätzt Börner. Wer noch immer über Röhre gucke, stelle um auf „Flach“. Wer einen Flachbildschirm der ersten Generation ohne inte­grierten Receiver habe, packe sich in den meisten Fällen einen externen daneben. Kosten: 50 Euro aufwärts. An die immer schwerer zu kommen sei, wie Börner einwirft: „Ich bestelle sie inzwischen in 20er- und 50er-Schritten. Früher reichten zehn, um locker durch den Monat zu kommen.“

Kurios: Plötzlich tauchen Karten wieder auf, die vor fünf Jahren mit dem „Digital-TVplus“-Paket in so manchem Ahlener Bildschirm verschwanden – und auch heute noch stecken. Die ersten drei Monate kostenlos, seitdem Monat für Monat mit 9,90 Euro Kontobewegung belastet. Für Programme, die ihre Besitzer selten bis gar nicht gucken. RTL-Living, History-Channel oder andere exotische Bezahlkanäle. Dazu immer wieder die gleiche Frage: „Brauchen wir jetzt auch eine neue Karte?“ Nein, brauchen sie nicht. Und hätten sie wohl auch nie gebraucht. Viel verschenktes Geld. In fünf Jahren immerhin rund 600 Euro.

Ich denke, zum Schluss wird es noch brenzliger.

Karl Nillies

Sprung aus der Innenstadt in den Außenbereich: Karl Nillies, Fernsehtechniker vom Oestricher Weg, lässt sich von der Noch-Normalität in seinem Terminkalender nicht darüber hinwegtäuschen, dass in diesem Monat garantiert noch etwas hinterher kommt: „Ich denke, zum Schluss wird es noch brenzliger“, sagt der Fachhändler. Sicherlich reagierten auch jetzt viele erst dann, wenn nichts mehr zu sehen sei. Am Montagmorgen ist er draußen beim nächsten Kunden, den das Laufband mit dem Analog-Hinweis zum Hörer greifen und fragen ließ: Und nun? „Vor Ort hat sich gerade herausgestellt, dass im Fernsehgerät bereits ein Tuner vorhanden ist“, so Nillies. Kein Einzelfall. Mit ein paar Handgriffen sind die analogen Sender durch digitale ersetzt. Ohne weitere Anschaffungen, ohne weitere Fernbedienung. Der Fachmann gibt zu bedenken, dass Digitaltechnik doch schon seit zehn Jahren in den Geräten stecke, er in den vergangenen zwei Jahren bei Außenterminen entsprechende Um­stellungen konsequent vorgenommen habe. Die meisten Alt-Analogen hätten sich zuletzt für ein neues Gerät entschieden. Anteil: 80 bis 90 Prozent, denn: „Auch der Receiver kostet Geld. Und der Fernseher bleibt alt.“ Dann sei da ja noch die Sache mit der zweiten Fernbedienung, die gerade ältere Kunden scheuten.

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