Höhere Rechnungen für Verbraucher
Hohe Nitratwerte verteuern Wasser

Berlin/Münsterland -

Trinkwasser könnte in vielen Regionen Deutschlands in Zukunft spürbar teurer werden. Grund ist die hohe Belastung des Grundwassers mit Nitrat. Im Münsterland sind die Nitratwerte wegen der intensiven Schweinehaltung besonders hoch. Strengere Dünge­regeln für die Bauern sollen die Kostenlast bei der Wasserreinigung künftig senken.

Montag, 12.06.2017, 21:38 Uhr

Foto: dpa (Symbolbild)

Kochen und Duschen verlassen sich alle auf sauberes und gesundes Trinkwasser. Doch wenn die Verbraucher zu Hause den Wasserhahn aufdrehen, denken wohl die wenigsten an Riesenställe und Güllewagen auf den Feldern. Dabei hängt es auch mit den ausgebrachten Mengen an Mist und Mineraldünger zusammen, wie rein das Trinkwasser in Deutschland ist – und wie teuer für Versorger und die Endkunden. Umweltschützer und die Branche warnen schon länger vor happigen Mehrkosten, wenn die Nitratbelastung nicht heruntergeht und größeren Aufwand nötig macht. Nun mahnt das Umwelt­bundesamt (UBA): „Vorsorge ist billiger als Reparatur

Was ist das Problem?

Für die Wassergewinnung in Deutschland ist Grundwasser mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent das wichtigste Reservoir. Dabei sind zu hohe Nitratwerte kein flächendeckendes Problem. Kritisch ist es aber häufig in Regionen, in denen viele Tiere gehalten werden und viel Obst und Gemüse angebaut wird. Angesichts langer Zeitspannen, in denen sich Grundwasser erneuert, kämen mancherorts sogar erst jetzt „Sünden“  systematischer Überdüngung seit den 1970er Jahren zutage, erläuterte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft.

Unbenannt
Foto: dpa

Wie wird gegengesteuert?

Versorger setzen schon jetzt auf Schutzvorkehrungen, um Belastungen zu vermeiden. Dazu gehören Prämien für Bauern für gewässerschonende Fruchtfolgen oder bestimmte ungenutzte Flächen. Aufwändiger ist es, Brunnen zu vertiefen oder gleich ganz zu verlegen. In Wasserwerken kann außerdem belastetes mit ­unbelastetem Wasser vermischt werden. Solche Methoden lösen das Problem aber nicht, sondern schieben alles nur auf, warnt das UBA. Mancherorts könnte es daher nötig werden, das Wasser eigens zu reinigen, wofür es verschiedene Methoden gibt.

Nitrat in Düngemitteln

Nitrate werden von Pflanzen als Nährstoffe verwertet und deshalb in der Landwirtschaft als Düngemittel eingesetzt – zum Bespiel in Form von Gülle. Diese Dünger enthalten Stickstoff zum Teil als Nitrat und zum Teil als Ammoniumverbindungen, oft aber auch in Form von organischen Stickstoffverbindungen. Durch eine sogenannte „Nitrifikation“ entsteht dann im Boden unter Mitwirkung von Bakterien aus Ammoniumionen über die Zwischenstufe Nitrit das Nitrat, das das Grundwasser belastet und die Trinkwassergewinnung verteuert.

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Was kostet das?

„Nitrat aus dem Wasser zu entfernen, ist teuer“, erläuterte das Bundesamt und rechnete in einer Studie verschiedene Szenarien hoch. In betroffenen Regionen könnte eine Extra-Wassernachbereitung die Kosten um 55 bis 76 Cent je Kubikmeter treiben. Zu Grunde gelegt wurde dabei, den Grenzwert von 50 Milligramm je Liter mit unterschiedlich großem „Sicherheitsabstand“ zu unterschreiten. Und eine praktische Umrechnung präsentierten die Experten gleich mit: Eine vierköpfige Familie könnte dadurch bis zu 134 €  pro Jahr draufzahlen.

Wie geht es weiter?

Gerade erst sind – nach jahrelangem Gezerre – strengere Regeln in Kraft getreten. „Der Dünger muss bei den Pflanzen ankommen, aber nicht im Grundwasser“, sagt Bundesagrarminister Christian Schmidt. Vorgesehen sind etwa Stickstoff-Obergrenzen, längere Zeiten mit Düngeverboten und größere Abstände zu Gewässern. „Wichtig sind jetzt eine konsequente Umsetzung und verstärkte Kontrollen in den ­betroffenen Regionen“, mahnt UBA-Präsidentin Maria Krautzberger. Dabei zahle sich Vorsorge auch volkswirtschaftlich aus, argumentiert die Studie. So dürften die strengeren Düngeregeln Landwirte bis zu 112 Millionen €  mehr kosten. Eine nachträgliche Nitratreinigung schlüge dagegen womöglich mit bis zu 767 Millionen €  pro Jahr zu Buche, so das UBA.

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