Tobias Weide entwickelt Biogasreaktor
Wohin mit der Gülle?

Steinfurt -

Bisher wird ein Großteil der Gülle auf den landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht und nur ein geringer Anteil in Biogasanlagen genutzt, um Energie zu produzieren. Das will Tobias Weide mit einem Biogasreaktor nun ändern.

Mittwoch, 14.06.2017, 09:00 Uhr

Projektingenieur Tobias Weide arbeitet auf dem Steinfurter FH-Campus daran, dass Ackerböden weniger stark mit Nitraten belastet werden. Foto: FH Pressestelle

Die EU-Kommission macht Druck – die Nitratwerte müssen runter. Deshalb sieht die neue Düngeverordnung, die am 31. März im Bundesrat beschlossen wurde, strengere Regeln vor, wie zum Beispiel eingeschränkte Düngeperioden.

Wohin aber soll die überschüssige Gülle? Tobias Weide, Projektingenieur des Forschungsteams von Prof. Dr. Christof Wetter am Fachbereich Energie – Gebäude – Umwelt der FH Münster, arbeitet auf dem Steinfurter Campus an einer Lösung, die nicht nur die Gülle auf den Ackerflächen reduziert, sondern auch mehr Energie bringt.

Bisher wird ein Großteil der Gülle auf den landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht und nur ein geringer Anteil in Biogasanlagen genutzt, um Energie zu produzieren. Dieser Anteil soll zukünftig erhöht werden. „Tierische Ausscheidungen wie Schweine- und Rindergülle, von denen im Münsterland besonders viel anfällt, erzeugen zwar weniger Biogas im Vergleich zur üblicherweise verwendeten Maissilage, das Potenzial ist jedoch noch lange nicht ausgeschöpft“, erklärt Weide. Damit biogene Reststoffe wie zum Beispiel Gülle effizienter vergoren werden können, ist unter anderem eine Anreicherung von Mikroorganismen in der Anlage erforderlich. Konventionelle Biogastechnik ermöglicht diese Anreicherung bisher nicht.

Deshalb entwickelt Weide im Projekt „Grüne Kaskade“ gerade einen Biogasreaktor, der erstmals im landwirtschaftlichen Kontext für die Bearbeitung von Gülle eingesetzt werden kann. Er wird dabei von den Projektpartnern Bio-energiecluster Oost Nederland und PlanET Biogastechnik unterstützt. In dem sogenannten Hochlast-Reaktor wird die Mikroorganismendichte durch innovative Technik gesteigert und dadurch die Abbaugeschwindigkeit erhöht.

„Im Moment experimentieren wir mit Keramik-Füllkörpern, an denen die Organismen haften“, erklärt Weide und ist zuversichtlich, denn erste Ergebnisse deuten auf eine deutlich gesteigerte Effizienz durch das neue Reaktormodell hin. Vorbild ist die industrielle Abwassertechnik, in der es bereits Verfahren gibt, die die Mikroorganismen erfolgreich im System halten. „Die Branchen können wirklich viel voneinander lernen – man fragt sich, warum da nicht schon eher ein Austausch stattgefunden hat“, findet Weide.

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Noch steckt die Anlage im Versuchsmaßstab, aber am Ende des Projekts, im Jahr 2019, wird der Plan für eine Pilotanlage stehen. Dass so eine Lösung der richtige Weg in eine nachhaltige, ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Zukunft ist, steht für Weide jedenfalls fest: „Die Gülleproblematik steigt und die Anlagen müssen effizienter werden, um weiter wirtschaftlich betrieben werden zu können.“

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