„Ruhrpott-Poet“ liest im Flugzeughangar
Für Frank Goosen liegen die Storys auf der Straße

Lüdinghausen -

Er sucht seine Geschichten nicht, vielmehr finden sie ihn. Für Frank Goosen liegen die Storys, die er in seinen Büchern verarbeitet, auf der Straße. Nicht dort, sondern im Backstein-Hangar des Flugplatzes Borkenberge las der „Ruhrpott-Poet“ jetzt aus seinen Werken.

Donnerstag, 15.06.2017, 11:00 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 15.06.2017, 11:00 Uhr
Spricht die Sprache des Ruhrgebiets: der „Ruhrpott-Poet“ Frank Goosen. Am Dienstagabend laß er im Hangar des Flugplatzes Borkenberge aus seinen Büchern. Foto: Werner Zempelin

Die VHS-Lesereihe „Wein & Wort – erlesener Ort“ hat wieder einen neuen Erfolg zu verzeichnen: Am Dienstagabend trat am Flugplatz Borkenberge im Backstein-Hangar der „Ruhrpott-Poet“ Frank Goosen auf und strapazierte die Lachmuskeln der zahlreichen Besucher. Unter dem Titel der Veranstaltung „Mein Ich und seine Bücher“ nahm er die Zuhörer mit auf einen Spaziergang durch seine Erinnerungen. Er las aus mehreren seiner elf Bücher, aus denen bereits drei Filme entstanden sind. Ob wirklich erlebt oder doch „nur“ fantastisch ausgedacht – zum Lachen oder auch zum Nachdenken sind die abwechslungsreichen, häufig urkomischen Episoden, die der frühere „Tresenleser“ vorträgt, allemal – auch, wenn man nicht aus dem Ruhrgebiet kommt.

Vieles fällt mir nicht ein, das fällt mir nur auf.

Frank Goosen

Mit dem verbinden Münsterländer, Nordlichter oder andere Auswärtige sowieso meist nur Schimanski, Grönemeyer, Tegtmeier, Kohle, Stahl und Curry-Wurst. Dabei ist es Goosen wichtig, dass Herbert Grönemeyer dasselbe Gymnasium besucht hat wie er – nicht umgekehrt. Auf die Frage am Ende von Lesungen, wie er denn auf seine skurrilen Geschichten kommt, antwortet er meist: „Vieles fällt mir nicht ein, das fällt mir nur auf“. Außerdem fährt er gern zwischen Duisburg und Hamm mit dem Regionalzug und „schreibt mit“ oder merkt sich die Sätze, wenn er im Stadion beim VfL-Bochum steht und hört: „Meine Frau hat mir gesagt: viel Spaß im Stadion – und trink nicht so viel – ja watt denn nun?“ Heftiges Gelächter im Hangar – nur zwei Flugzeuge im Landeanflug konnten es noch lauter.

Tipps von „Omma“

„Richtig“ los geht es mit einigen Kapiteln aus dem Buch „Sommerfest“. Schauspieler Stefan kommt aus München zurück ins Ruhrgebiet, um das kleine Bergarbeiterhaus seiner Familie zu verkaufen, nachdem Onkel Hermann verstorben ist. Auf der Beerdigung war er nicht, obwohl „man sich da gut besaufen kann – weil kostenlos“. In der „Trinkhalle“ oder nur einfach „Bude“ genannt, trifft er auf die Inhaberin Änne Starek und den Versager Toto. Der erzählt ihr vom Mut von „Tante“ Änne, als sie resolut einen bewaffneten Ganoven mit den Worten vertreibt: „Was willst du denn hier, du Idiot? Verpiss dich!“ „So Storys erlebst du nur hier“, meint Goosen, „die liegen praktisch auf der Straße“. Sein „Rezept“ für den anhaltenden Erfolg ist die Gabe, über seine eigenen Marotten lachen zu können und das Ruhrgebiet zu sehen und zu verstehen wie es ist und wie es war.

So Storys erlebst Du nur hier.

Frank Goosen

Bei „Pokorny lacht“, einem Roman über das Erwachsenwerden in den Achtzigern, zeichnet Goosen ein niederschmetterndes Bild des Latein- und Griechischlehrers Dr. Bergmann, der seine Schüler unbarmherzig zum Vokabeltest „bittet“. Einer kurzen Geschichte über seine Gallenblasen-OP folgt eine Spitze zum Zweitligisten „VfL-Bochum“: „Vor der OP gab es diese Scheiß-egal-Pille“, berichtet er. Da habe er sofort nachgefragt: „Kann ich davon noch ein paar fürs Stadion haben?“ Goosen kommt ohne stilistische Effekthascherei aus, übt sich in strenger Metaphern-Askese und beherrscht vor allem souveräne Dialogführung. Den gelungenen Abend beendet Goosen mit einem Ratschlag seiner „Omma“: „Habt euch lieb, aber macht hinterher auch wieder sauber!“

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