Drama in Dülmen
Polizisten begehen an Fundort eine „Todsünde“

Dülmen -

Eine Frau aus Dülmen verschwindet spurlos. Ihre Leiche wird Jahre später skelettiert in einem Wald bei Hagen gefunden. Die Knochen werfen viele Fragen auf. Mindestens eine davon wurde am Mittwoch vorm Landgericht beantwortet - durch einen Fehler der Polizei.

Mittwoch, 14.06.2017, 17:50 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 14.06.2017, 16:22 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 14.06.2017, 17:50 Uhr
Der angeklagte Ehemann der Toten und sein Anwalt Foto: Markus Michalak

Wer immer die Leiche der Dülmenerin Olesya V. im Juni 2010  bei Hagen vergraben hat, hatte großes Pech, dass das Skelett fünf Jahre später dort gefunden wurde. Denn der in den 60er Jahren für die Landwirtschaft angelegte Trampelpfad wurde 2012 für den Verkehr gesperrt. Nur noch einmal pro Jahr benutzt die Biologische Station den Weg für Grünschnittarbeiten.  

„Wir haben dort im August 2015 einen Schädel liegen sehen, und dachten uns erst nichts dabei“, erläuterte der Teamleiter vor dem Landgericht Münster. Schließlich verenden häufig Tiere im Wald. Als er jedoch einen Goldzahn funkeln sah, habe er sofort die Polizei gerufen.

Mehr zum Thema

Knochen lagen seltsam verdreht

Lange gingen die Ermittler davon aus, dass die Leiche umgebettet worden sein musste. Zum einen fehlten an dem Skelett 98 Knochen und einige Zähne. Außerdem sah es so aus, als lägen manche Knochen zwar an der anatomisch richtigen Stelle, seien aber seltsam verdreht. Deshalb war der Garten der Dülmener Familie umgegraben worden. Ohne Ergebnis.

Gutachterin spricht von "Todsünde"

„Wie sich herausstellte, hatten die Polizeibeamten Knochen vom Fundort entnommen und erst für die Foto-Dokumentation wieder dort abgelegt. Allerdings nicht genau so, wie sie zuvor gelegen hatten“, erläuterte Gutachterin Dr. Susanne Hummel. Dieser Fehler sei „eine Todsünde, die den Betreffenden in der Archäologie von jeder weiteren Grabung ausgeschlossen hätte.“ Fehlende Knochen seien dann bei einer nochmaligen Grabung in Hagen aufgetaucht.

Der Prozess gegen den Ehemann wird am Dienstag, 4. Juli, um 9 Uhr am Landgericht Münster fortgesetzt.

Anzeige
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/4928590?categorypath=%2F2%2F798623%2F798631%2F947630%2F
Liveticker: Preußen Münster - Sonnenhof Großaspach
Fußball: 3. Liga: Liveticker: Preußen Münster - Sonnenhof Großaspach
Nachrichten-Ticker