Fidget Spinner
Altensell packt in China selbst an

Ascheberg -

Als die Amerikaner in China Fidget Spinner produzieren ließen, ahnte Markus Altensell, dass diese Welle Deutschland erreichen würde. Flugs baute der Davensberger im Reich der Mitte selbst eine kleine Produktionsstätte auf.

Donnerstag, 15.06.2017, 13:55 Uhr

Markus Altensell und Einkaufsleiter Dominic Bettmer präsentieren den Fidget Spinner. Foto: hbm

Es geht rund, Kinderhände ohne das drehende Etwas sind in diesen Tagen selten. Der Fidget Spinner wirbelt übers Land und mancher Einzelhändler zuckt mit den Schultern: Ausverkauft. Viel früher als die Geschäftsinhaber in den Orten mussten Großhändler die Spielzeugwelle erahnen. Der Davensberger Markus Altensell hatte das richtige Näschen. Auf eine Million Spinner schätzt er seinen Verkauf. Wobei das Geschäft für ihn im Reich der Mitte beginnt: Made in China.

Kurz die Vorgeschichte: Händler zu sein, ist im Davertdorf nicht ungewöhnlich. In China einzukaufen, gehört ebenfalls zu Gepflogenheiten, die mehr als ein Davensberger schildern kann. „Ich bin mit 20 Jahren nach Hongkong in eine WG gegangen“, berichtet Markus Altensell, dessen Vater zur Gilde der Davensberger Händler gehört. Heute pendelt Altensell zwischen China und Deutschland, hat sein Großhandel mit 7000 Non-Food-Produkten und 14 Millionen Teilen ein Lager in Senden, eins in Kranenburg an der niederländischen Grenze, weil viele Produkte über den Hafen Rotterdam angeliefert werden, und ein Büro in Hongkong.

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Als der Fidget Spinner Amerika und Australien eroberte, war Altensell gerade in China. „Da lässt die ganze Welt solche Dinge produzieren“, verrät der Davensberger. Die Nase sagte ihm: Die Welle schwappt auch nach Deutschland über: „Also habe ich eine Produktion aufgebaut, eine Gussform und eine Stanze gebaut, 16 Leute eingestellt und dann sind wir in einer Halle, die etwa vier Garagen groß ist, mit der Produktion gestartet.“ Hört sich einfach an, war aber nicht so simpel, denn das Herzstück eines Spinners ist das Kugellager. Altensell erzählt: „Es gibt nur zwei Fabriken in China, die Kugellager produzieren, etwa für Inliner. Aber dann wollten plötzlich Alle kleine Lager für den Spinner. Der Preis ist durch die Decke geschossen.“

Der Fidget Spinner in den Schulen

In den Schulen ist die Spinner-Welle bisher nicht zum Problem geworden. „Er macht vor den Klassenzimmern und dem Schulhof der Marienschule nicht halt. Im Unterricht wird dieses Spielzeug von den Lehrkräften nicht akzeptiert, da es zu sehr vom Unterricht ablenkt. So kann es auch schon mal passieren, das ein Fidget Spinner von der Lehrkraft vorübergehend eingesammelt wird und nach Unterrichtsschluss dem Schüler wieder zurückgegeben wird“, erklärt Ulrike Lonsing-Bußkamp, Leiterin der Marienschule Herbern. „Bisher musste wir keine generellen Maßnahmen ergreifen“, kennt auch Charlotte Bücker von der Lambertusschule nur Einzelfall-Lösungen.

„In meinem Unterricht müssen die Spinner weggelegt werden, weil das ständige Herunterfallen alle ablenkt“, beschreibt Susanne Wachholz ihre Erfahrungen aus der sechsten Profilschulklasse. In den Pausen hat sie beobachtet, dass Kinder sich viel lieber beim Fußball austoben, „weil der gekonnte Umgang mit dem Spinner nicht einfach ist und viel Konzentration, Geschick, Anstrengungsbereitschaft und Ausdauer verlangt.“

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Der Davensberger schaffte es trotzdem, vor der Welle zu produzieren. „Ich habe den Arbeitern 50 Prozent mehr gezahlt als üblich ist“, berichtet Altensell, der mit dem Team pro Woche 160 000 bis 200 000 Spinner produzierte und mit dem Frachtflieger nach Hamburg schickte. Auf 30 000 drehende Spielzeuge schätzt er seinen Restbestand, die Produktion steht. Aktiviert würde sie nur bei einem Kundenauftrag. Ohnehin glaubt der Großhändler, dass für seine Sparte das große Geschäft vorbei ist: „Man hört, dass einige Millionen Spinner über Holland auf dem Weg nach Deutschland sind.“

Unter Davensbergern hat Uwe Mörchen für seinen „Schnäppchenmarkt“ an der Biete bei Altensell eingekauft. „Wir haben in Spitzenzeiten 100 Stück am Tag verkauft“, sagt er. Elisabeth Niemann hat an der Sandstraße beim großen Ansturm ähnliche Erfahrungen gemacht: „Sie haben sich toll verkauft.“ Gespannt ist sie, wie es weitergeht: „Es gibt sie inzwischen mit Licht und Sound. Ich hatte am Wochenende einen mit einem Lied in der Hand. Das war aber schwer zu erkennen.“ Niemann glaubt, dass eher ein Nachfolge-Spielzeug kommen wird.

„Wir sind ausverkauft“, sagt Benedikt Angelkort. Das Schreibwarengeschäft in Herbern wartet auf Nachschub. Angelkort ist aber skeptisch, wie lange die Modewelle tragen wird: „Ich bin mal gespannt, was unser Händler zu bieten hat.“ Dass die rotierenden Teilchen nach den Sommerferien noch eine Rolle spielen werden, glaubt der Herberner nicht.

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