Schlägerei beschäftigt Gericht
Mühsame Suche nach der Wahrheit

Warendorf -

Drei auf einen – das behauptet die Staatsanwaltschaft. Die einer Diskothek als provokativ bekannten Angeklagten streiten das ab. Die Zeugen der Anklage unterstreichen aber: Nach einem kurzen Wortgeplänkel sei der laut Türsteher ebenfalls oft aufgefallene Warendorfer geschlagen und getreten worden.

Mittwoch, 30.01.2019, 06:30 Uhr aktualisiert: 30.01.2019, 09:27 Uhr
Zu tief ins Glas geschaut hatte mancher im August 2017 in der Disco auf jeden Fall. Foto: Klaus Meyer

Die einen haben jeweils ihre Version. Andere können sich aufgrund ihres damaligen Promillespiegels oder wegen des Gästegewimmels in der Diskothek an der B 64 nur löchrig erinnern. Wer lügt also und wer sagt die Wahrheit? Die Antwort fällt womöglich am 13. Februar im Saal 4 des Amtsgerichts, wenn das Hauptverfahren gegen drei der vorsätzlichen Körperverletzung Angeklagte seine Fortsetzung erlebt. Dienstag fehlte zu Prozessbeginn erst mal das Opfer. Es schlief daheim. Und wurde auf richterliche Weisung von der Polizei hergebracht.

Außer dem Vorwurf, im August 2017 zu Dritt einen heute 35-Jährigen niedergerissen und dem am Boden Liegenden heftige Schläge und Tritte zugefügt zu haben, hatte die Anklagevertreterin noch etwas zu verlesen. Einer der Angeklagten habe einen Zeugen der Schlägerei, den Türsteher der Disco, zwei Tage später auf der Krückemühle von einer Aussage abhalten wollen. Mit der Drohung, ihm die Ohren ab- und die Augen herauszuschneiden.

Ich habe ihn nur leicht im Gesicht angefasst.

Ein Angeklagter

Nach den Einlassungen der Angeklagten – neben zwei von ihnen saß ein Albanisch-Dolmetscher – war alles anders. Der Älteste sprach von einer Schlägerei vor dem Lokal, in die sein jüngerer Bruder habe schlichtend eingreifen wollen: „Der kann so was nicht haben“, begründete er der Vorsitzenden Richterin. In dem Zusammenhang sei der Mann von der Security eingeschritten und habe ihn „wie ein Verrückter“ angeschrien. Da habe er ihn aus Angst „leicht im Gesicht angefasst“, was er an der Wange seines Anwalts demonstrierte. Sah auch gar nicht schlimm aus.

Stimmt nicht, sagte der Sicherheitsmann. Nachdem die Drei den stark betrunkenen Warendorfer beim Versuch einer Rauchpause draußen auf dem Bürgersteig angefallen, geschlagen und getreten hatten, sei er dazwischengegangen, einer der aggressiven Männer habe ihn an die Wand gedrückt: Er solle sich raushalten. Da habe dessen älterer Bruder um den jüngeren herum eine Gerade auf sein Gesicht landen wollen, seine Faust aber sein rechtes Ohr nur gestreift. Ob er deshalb sauer sei und Strafantrag gestellt habe? „Nein: So was passiert“, meinte der 38-Jährige. Berufsalltag eben.

Türsteher: Fausthieb knapp am Ohr vorbei

Was zu der – von allen drei Angeklagten und zwei ihrer als Zeugen benannten Bekannten abgestrittenen oder nicht gesehenen – Schlägerei geführt habe? Es habe wohl an der Theke Stress zwischen jenem jungen Mann gegeben, den die beiden Brüder nicht kennen wollen, aber mit ihnen das Trio bildete, das zur Stammkundschaft gehört habe – und ständig durch Provokation aufgefallen, nur knapp einem Hausverbot entgangen sei.

Jedenfalls habe ihm der später Verletzte im Hinausgehen zugeraunt, er solle etwas auf ihn aufpassen – wegen „der Zigeuner“, wie der Geschädigte sich anderen gegenüber geäußert hatte. Der Türsteher räumte freimütig ein: „Er provoziert sehr gerne – dafür ist er bekannt. Er hat halt 'ne fürchterlich große Klappe.“ Er blieb aber auf jeden Fall wie das Opfer und eine weitere Zeugin dabei, dass die Drei definitiv wie in der Anklage behauptet draußen gewalttätig geworden seien.

Er hat halt 'ne fürchterlich große Klappe.

Der Sicherheitsmann über das Opfer

Zumindest das mit den Ohren räumte der älteste Angeklagte ein. Er habe sich bedroht gefühlt. Nach dem Spruch habe sich der Türsteher dann nicht mehr aggressiv verhalten, sondern sei „beruhigt“ gewesen.

Zwei Zeugen hatten zum ersten Termin nicht erscheinen können, sind jetzt mit zwei weiteren zum zweiten Tag im Februar geladen. Vielleicht klärt sich dann auf, wie drastisch die Gewalt vor rund eineinhalb Jahren wirklich war. Zum Arzt war der Verletzte mit seinen Prellungen, der Schürfwunde und blauen Flecken damals nicht gegangen. Sondern zurück in die Disco. Um weiterzutrinken.

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