Was kostet der Rosenmontagszug?
Im Duett: Schweigen in Perfektion

Ochtrup -

Was kostet der Rosenmontagszug? Genaue Zahlen wollen Präsident Josef Pieper und sein Stellvertreter Bernhard Pöhlker vom Förderkreis Kinderkarneval nicht nennen. Aber ein paar Antworten haben sie dennoch.

Samstag, 02.03.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 03.03.2019, 15:56 Uhr
Ochtrup Buäh, Helau: Seit 1971 hat mit nur wenigen Ausnahmen fast jedes Jahr ein Rosenmontagszug stattgefunden. Was diese Veranstaltung kostet, damit wollten Förderkreis-Präsident Josef Piper und sein Stellvertreter Bernhard Pöhlker aber nicht so richtig herausrücken. Foto: Anne Spill

Mit Zahlen haben es die beiden Herren vom Förderkreis Kinderkarneval nicht so. Auf die Frage, was der Rosenmontagszug in der Töpferstadt denn für ihren Verein für Kosten verursacht, verfallen Präsident Josef Pieper und sein Stellvertreter Bernhard Pöhlker in übereinstimmendes Schweigen. „Das ist eine komplette Spendenangelegenheit“, lässt Josef Pieper viel Raum für Spekulationen.

Die Berichterstatterin versucht es auf einem anderen Weg: Was sind denn die größten Kostenfaktoren? Da sind sich die jecken Vorstandsmitglieder einig: Es ist das Wurfmaterial. „Früher hat man da ja billige Ware aus dem Ostblock genommen“, erinnert sich Josef Pieper. Und auch Bernhard Pöhlker hat „die harten Klunker“ von einst noch vor Augen. Doch irgendwann gab es ein Umdenken. Der Förderkreis stellte auf fruchtige Kaubonbons um. Doch auch für diese Süßigkeiten würden sich große und kleine Jecken immer seltener bücken, wissen die beiden Karnevalisten. „Dieses Jahr haben wir gesagt, wir gehen auf höherwertiges Wurfmaterial“, fasst Josef Pieper zusammen.

Kleine Schokoriegel

Das heißt aber auch: weniger ist mehr. „Die Leute sind verwöhnt“, meint Bernhard Pöhlker mit einem Schulterzucken. So werden die Karnevalisten also in diesem Jahr kleine Schokoriegel, Weingummitütchen und anderes Mini-Naschwerk unters Volk bringen. Zur „Bonbonzeit“ waren das meist etwa 50 Zentner. Heute wird in Paletten gerechnet und derer zehn hat Bernhard Pöhlker bestellt. „Natürlich kann jeder Verein noch Wurfmaterial dazukaufen“, ergänzt Josef Pieper. Auf die scheinheilige Frage der Berichterstatterin, mit welchem Preis so eine Palette Süßigkeiten zu Buche schlägt, ist erneut duettartiges Kopfschütteln zu sehen.

Immerhin verraten die beiden Förderkreis-Oberen noch einen weiteren Kostenfaktor: Die Prämierung. Jedes Jahr werden die schönsten Wagen und die kreativsten Fußgruppen vom Förderkreis Kinderkarneval mit Geldpreisen ausgezeichnet. Die Höhe variiert – immer abhängig davon, wie viele Spenden die Karnevalisten gesammelt haben. Bevor der Rosenmontagszug rollt, unterstützen sie übrigens jede Gruppe mit einer Startgebühr und sie erhält den bereits erwähnten „obligatorischen Zentner Bonbons“.

Unterstützung

Der Förderkreis selbst wird von der Stadtverwaltung unterstützt. Die Kommune meldet die Veranstaltung bei Kreispolizeibehörde an, der genaue Zugweg muss abgestimmt werden, es gilt, Fluchtwege offenzuhalten und die Sicherheit von Teilnehmern und Besuchern zu gewährleisten. Die Mitarbeiter des Ordnungsamtes führen Kontrollen durch (Wildpinkler, Alkoholmissbrauch), der Baubetriebshof kümmert sich um Absperrungen und dergleichen. Und wenn alles gelaufen ist, muss natürlich auch wieder aufgeräumt und der nicht unbeträchtliche Müllberg entsorgt werden. „Die Zusammenarbeit klappt gut“, betont Bernhard Pöhlker. Immerhin rollt der Rosenmontagszug in Ochtrup bereits seit 1971 fast jedes Jahr durch die Straßen. Alle Beteiligten haben also jede Menge Erfahrung – und die ist Gold wert.

Das gilt auch für die zahlreichen Ehrenamtlichen etwa vom DRK und Malteser Hilfsdienst, die den närrischen Lindwurm auf seiner Tour durch die Töpferstadt begleiten und absichern. „Müsste man all das in Stunden aufrechnen, könnten wir die Veranstaltung knicken“, ist Bernhard Pöhlker überzeugt.

Einsatz

Nicht vergessen darf man an dieser Stelle auch den Einsatz der Förderkreismitglieder. Lange vor Rosenmontag sind sie auf Spendentour und putzen Türklinken bei Firmen und Institutionen. Und auch das Kinderdreigestirn macht bei seinen Auftritten Werbung für den Rosenmontagszug. Diese Abende finanzieren die Karnevalisten übrigens größtenteils aus der eigenen Tasche. „Klar wird man auf Veranstaltungen mal zu einem Getränk eingeladen. Aber das Gros zahlt jeder selbst“, betont Josef Pieper.

Neben den Firmen besucht der Förderkreis auch die Wagenbauer. „Die müssen betüdelt werden. Das sind wahre Idealisten“, liegen Bernhard Pöhlker die Handwerker aus den Vereinen und Gruppen am Herzen.

Genau an dieser Stelle liegt bei der Berichterstatterin derweil immer noch eine konkrete Zahl: Was kostet der Rosenmontagszug? Schließlich haben die Karnevalisten ein Einsehen – zumindest ein bisschen. Insgesamt liegen die Kosten im mittleren fünfstelligen Bereich. So, mehr war nicht drin. Denn mit Zahlen haben es Josef Pieper und Bernhard Pöhlker nicht so.

Zum Thema

Fußgruppen, die sich noch am Rosenmontagszug beteiligen möchten, können dies auch kurzfristig tun. „Es wird niemand zurückgewiesen“, betont Josef Pieper. Ansprechpartner ist Martin Gemen (Telefon 01 70 / 8 15 18 88). Der Rosenmontagszug startet am Montag (4. März) um 14.11 Uhr an der evangelischen Kirche.

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