Die Zukunft der Arbeitswelt
Bis 2025 fehlen drei Millionen Fachkräfte

Münster/Basel -

Der Fachkräftemangel in Deutschland wird sich in den kommenden zehn Jahren dramatisch verschärfen. Vor allem gut qualifizierten Berufsanfängern oder Hochschulabsolventen bieten sich gute Möglichkeiten, ungelernte Kräfte haben dagegen wenig Chancen. Für die Unternehmen wird die Suche nach geeigneten Fachkräften dagegen schwerer.

Samstag, 02.03.2019, 10:00 Uhr
Auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland werden sich laut einer Studie bis 2025 große Lücken auftun. Foto: dpa

Nach einer aktuellen Studie des Schweizer Beratungsinstituts Prognos im Auftrag der Bayerischen Wirtschaft werden deutschlandweit schon in sechs Jahren knapp drei Millionen Arbeitskräfte fehlen. „Die Suche nach Fachleuten wird auch in Zukunft eine der großen Herausforderungen bleiben“, sagt zum Beispiel Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer der Bayerischen Wirtschaft, der FAZ.

Deutschland wird Wissensgesellschaft

Eine Hauptaussage der Prognos-Studie: Deutschland steckt aktuell mitten im Übergang zur Wissensgesellschaft. Während die Nachfrage nach Personen ohne beruflichen Abschluss oder mit einer Lehrausbildung abnimmt oder stagniert, steigt die Nachfrage nach Arbeitskräften mit Hochschulabschluss in fast allen Tätigkeiten stark an. In den Bereichen Forschung, Werbung und Beratung sind bis zum Jahr 2025 Zuwachsraten um 50 Prozent zu erwarten. Auch in den Bereichen Krankenpflege, Metalltechnik oder der Elektronik wird sich die Schere zwischen Bewerbern und freien Stellen noch weiter vergrößern.

Die Verlierer

Doch es könnte auch Verlierer geben: Arbeitsmarktexperten rechnen in den Fachgebieten Wirtschafts- und Rechtswissenschaften mit einem Überschuss an Arbeitskräften, da zu viele junge Leute sich für ein entsprechendes Studium interessieren. Auch auf den Gebieten der Landwirtschaft und der Rohstoffgewinnung gibt es keinen Arbeitskräftemangel.

Langfristig bleiben die Jobaussichten sehr gut. Erst nach dem Jahr 2024 dürfte die im Vergleich zu 2016 um zwei Drittel gestiegene Produktivität der deutschen Arbeitnehmer die Beschäftigung reduzieren. 

Kommentar: Sie werden nicht kommen

Der Fachkräftemangel ist längst in der Lebenswirklichkeit einer ganzen Nation angekommen: Notstand in der Pflege und den Krankenhäusern, der durch Lehrermangel bedingte Ausfall von Unterricht, das Warten auf den Handwerker – das Problem hat längst eine gesellschaftspolitische Dimension angenommen.

Die Ursachen sind vielschichtig – genauso wie die Anstrengungen, die zur Lösung des wohlstandsbedrohenden Problems nötig wären. Dazu gehörte es, die Beschäftigungschancen breiterer Schichten zu verbessern. Zu viele Arbeitgeber warten immer noch auf den Top-Bewerber, im besten Alter und mit allen Qualifikationen. Doch der wird sich nicht vorstellen. Dazu gehört es auch, Arbeitszeiten so flexibel zu gestalten, dass sie sowohl den Anforderungen der Firmen als auch denen der Arbeitnehmer entgegenkommen. Viele Gewerkschaftler leben immer noch in der Welt der 70er Jahre, in denen von Digitalisierung und Globalisierung nicht die Rede war.

Und dazu gehört es seitens der Politik, die Zuwanderung gezielt und ideologiefrei so zu steuern, dass sie dem deutschen Arbeitsmarkt aus der demografischen Falle heraushilft. Mit dem Einwanderungsgesetz ist ein erster Schritt getan. Umgesetzt ist noch wenig bis nichts. Frank Polke

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