Saerbecks Unternehmen: „Richter Express“
Wo der Sprengstoffschnüfflerauf Bullensperma trifft

Saerbeck -

Warum macht das chinesische Neujahrsfest „Richter Express“ in Saerbeck Probleme? Die Antwort weiß Geschäftsleiter Michael Richter.

Mittwoch, 06.03.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 11.03.2019, 15:14 Uhr
Geschäftsleiter Michael Richter vor einem Firmen-Lkw. Foto: Jan-Philipp Jenke

Was hat das chinesische Neujahrsfest (5. Februar) mit „Richter Express“ in Saerbeck zu tun? Die Antwort weiß Geschäftsleiter Michael Richter: Rund um das Neujahrsfest ruhe dort in vielen Betrieben die Arbeit, die Menschen kehrten in ihre Dörfer zurück.

Da etwa 40 Prozent der Waren des Transportunternehmens nach China gehen beziehungsweise aus China kommen, wirkt sich das aktuell noch auf das heimische Geschäft aus. Globalisierung eben. „Erst Anfang März platzt der Knoten wieder“, sagt Michael Richter.

Doch die China-Problematik ist nicht der Grund, warum an diesem Vormittag die Halle an der Boschstraße fast leer aussieht. „Das ändert sich gegen 14, 15 Uhr schlagartig, wenn die Lkw eintreffen“, erklärt der Chef. Immerhin werden 270 bis 300 Sendungen pro Tag verarbeitet.

Dabei hat sich „Richter Express“, 1995 als normaler Kurierdienst (daher noch das Express im Namen) gegründet, auf Luftfracht-Transporte spezialisiert. Diese nehmen laut Michael Richter 70 Prozent des Geschäfts ein, der Rest sind normale Speditionstätigkeiten.

Die Luftfrachtsicherheit sei nach Terroranschlägen wie dem vom 11. September mit immer größeren Herausforderungen verbunden, die Reglementierungen wurden immer weiter verschärft. Heißt konkret: „Richter Express“ hat vom Luftfahrtbundesamt die Zertifizierung, Luftfracht sicher zu machen, „securen“ in der Fachsprache, damit sie verladen werden darf.

Dies ist mit einer Reihe von Sicherheitskontrollen verbunden. Die Export-Fracht wird in einer Röntgenanlage, wie sie jeder Urlauber vom Flughafen kennt – nur größer –, durchleuchtet. Zudem wird im Sprengstoffdetektionsgerät, „Sniffer“, eine Wischprobe nach Sprengstoffspuren „erschnüffelt“. „Verdachtsfälle gab es schon, Befunde aber nicht“, sagt Michael Richter. Vorher spricht man von unsicherer Luftfracht, „Richter Express“ vergibt nach den Tests den Sicherheitsstatus SPX.

Der zweite Weg ist, dass „Richter Express“ von Firmen bereits gesicherte Luftfracht (diese haben den Status bekannter Versender), abholt und dann die sichere Lieferkette einhält. Anschließend wird die Fracht entweder noch in den Hallen an der Boschstraße gelagert oder direkt mit Luftfrachtbriefnummer auf den Lkw geladen, verschlossen und verplombt. Am Flughafen wird der Lkw noch mal kontrolliert, als sicher abgenommen und verladen. Der FMO wird fast stündlich angefahren – neben den guten Anschlüssen zu den Autobahnen 1 und 30 der große Standortvorteil von Saerbeck –, außerdem die Flughäfen in Düsseldorf, Hannover, Amsterdam und Frankfurt.

Das alles ist mit Schulungen von Mitarbeitern verbunden, das Firmengelände muss einen „riesengroßen Katalog“ (Michael Richter) an Maßnahmen erfüllen (abgezäuntes Gelände, Sicherheitsbereich, Besucherliste, Videoüberwachung und vieles mehr). Alle drei Monate werden unangemeldet Kontrollen durchgeführt.

Zu den importierten (hier ist keine Sicherung notwendig) und exportierten Gütern gehört alles, „was in eine Ladeluke eines Flugzeugs passt“. Von Bodenproben über Musterfahrzeuge, Wertgegenstände wie Gold und Schmuck oder Maschinenbauteile. Von geringem Warenwert wie die Bodenproben bis hin zu teuren Gütern – und hier nennt Michael Richter überraschenderweise Bullensperma. „Eine kleine Kanne kostet 150 000 Dollar“, betont er, sieben habe man kürzlich transportiert. Das Bullensperma geht an Besamungsfirmen in der hiesigen landwirtschaftlich geprägten Region.

Kunden sind zu 99 Prozent Firmen und Unternehmen in einem Umkreis von rund 150 Kilometern – bis Bremen, Hannover, Paderborn, Ruhrgebiet und Sauerland. 44 eigene Fahrzeuge und 73 Mitarbeiter hat „Richter Express“. Wie so viele Firmen klagt auch das Saerbecker Logistikunternehmen über Personalprobleme. „Der Personalmangel hemmt uns, wir könnten mehr machen“, sagt Michael Richter. Besonders Azubis seien schwer zu finden, so arbeitet aktuell nur einer im Lager.

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