Geldstrafe wegen sexueller Belästigung für 36-jährigen Münsteraner
Opferaussagen waren glaubhaft

Altenberge/Seinfurt -

Ob eine strafbare sexuelle Belästigung vorliegt, ist oft schwer zu beweisen. Am gestrigen Dienstag stand ein 36-jähriger Angeklagter aus Münster vor dem Amtsgericht Steinfurt. Ihm wurde vorgeworfen, eine 22 Jahre alte Frau aus Altenberge sexuell belästigt, genötigt und dabei auch verletzt zu haben.

Mittwoch, 06.03.2019, 17:31 Uhr aktualisiert: 07.03.2019, 16:32 Uhr
Justitia  Foto: dpa

Beim ersten Prozesstermin am 20. Februar war das in einer Therapie befindliche Opfer nicht in der Lage, auszusagen. Am Dienstag halfen Beruhigungsmittel, die die junge Frau auf Anraten ihrer Ärztin eingenommen hatte. Das Gericht schenkte letztendlich der Aussage des Opfers mehr Glauben und verurteilte den bislang unbescholtenen Angeklagten zu einer Geldstrafe in Höhe von 2750 Euro. Ausschlaggebend dabei waren die Schilderungen der Cousine und der Tante der Altenbergerin, denen das Opfer den Tathergan g beschrieben hatte.

Das Opfer und der Angeklagte kannten sich bereits vor dem Vorfall, der sich am Morgen des 22. April 2018 ereignete. Der Beschuldigte und die 22-Jährige fuhren mit seinem Wagen nach Münster in einen Club. Gegen 4.30 Uhr ging es dann nach Altenberge zurück. Der Angeklagte brachte das Opfer zu ihrer Wohnung.

Sie zog den Autoschlüssel aus dem Zündschloss. „Ich wollte nicht, dass er weiter fährt, weil er Schlangenlinien gefahren ist und über Kopfschmerzen klagte“, begründete sie diese Aktion. Sie selbst sei nur leicht angetrunken gewesen und hatte nicht den Eindruck, dass der Beschuldigte unter Alkoholeinfluss stand.

In ihrer Wohnung angekommen, sei der 36-Jährige auf ihrem Bett eingeschlafen. Sie habe sich dann auf ihr Sofa gelegt und sei ebenfalls eingeschlafen.

„Als ich wieder aufwachte, lag ich in meinem Bett neben ihm und er berührte mich an meinem Oberschenkel. Ich wehrte mich, schlug ihm mit dem Ellbogen ins Gesicht, verließ das Bett und setzte mich auf das Sofa.

Er machte noch Anstalten, einen zweiten Versuch zu starten, verließ aber dann doch meine Wohnung“, schilderte das Opfer den Vorgang vor Gericht.

Der Angeklagte bestritt diese Handlungen und trug dagegen vor, dass nicht er, sondern die 22-Jährige selber versucht habe, ihm näher zu kommen.

Die Staatsanwältin äußerte zunächst Skepsis gegenüber den Schilderungen der jungen Frau. „Ihre Aussage deckt sich haargenau mit der Aussage, die sie Anfang Mai vergangenen Jahres bei der Polizei gemacht haben“, unterstellte die Staatsanwältin, dass sie kurz vor dem Prozess alles auswendig gelernt hätte. Erst als die 23 Jahre alte Cousine und die 49 Jahre alte Tante des Opfers berichteten, was ihnen die 22-Jährige über den Vorfall erzählt hatte und dem Gericht versicherten, sie seien von der Wahrheit dieser Schilderung überzeugt, beantragte die Staatsanwältin eine Geldstrafe wegen sexueller Belästigung und Nötigung in Tateinheit der Körperverletzung für den Angeklagten. Der Verteidiger dagegen forderte einen Freispruch. Das sah das Gericht aber anders und schloss sich mit dem Urteil dem Antrag der Staatsanwältin an. Zudem muss der Angeklagte die Kosten des Verfahrens zahlen.

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