Aufforstung bei Haus Stapel
17.000 Bäume von Hand gepflanzt

Havixbeck -

Die Anpflanzung eines neuen Waldes ist mühselig. Unzählige Male wiederholen sich für die Forstarbeiter in einem Waldstück nahe Haus Stapel derzeit die gleichen Arbeitsschritte.

Samstag, 09.03.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 09.03.2019, 10:20 Uhr
Förster Matthias Schulte Everding (r.) wirft einen prüfenden Blick auf die gerade gepflanzten Setzlinge. Auf der aufzuforstenden Fläche wurden Laubbäume inselartig in Gruppen gesetzt. Torben Wisdorf pflanzt Baum um Baum ein. Mit einem Minibagger werden die Pflanzflächen von Ästen freigeräumt und die Löcher gebohrt. Foto: Ansgar Kreuz

Die Anpflanzung eines neuen Waldes ist mühselig. Unzählige Male wiederholen sich für die Forstarbeiter in einem Waldstück nahe Haus Stapel derzeit die gleichen Arbeitsschritte: Von Hand setzen Torben Wisdorf und seine Kollegen vom Forstbetrieb Hippers aus Ahaus die Setzlinge in die Pflanzlöcher, schieben mit den Füßen die Erde an die Wurzeln und treten sie fest an, damit die noch jungen Bäume einen guten Halt bekommen. Ausdauer ist gefragt, denn insgesamt werden 17.000 Laubbäume im Bereich Kattenbrack neu gepflanzt.

Über Jahrzehnte standen auf den momentan kahlen Flächen Fichten dicht an dicht. Doch dann fegte im Januar 2018 das Orkantief Friederike über das Münsterland hinweg. Bei Haus Stapel knickte der Sturm reihenweise Bäume wie Streichhölzer ab oder entwurzelte sie. Der heiße Sommer des vergangenen Jahres tat dann ein Übriges: Der Borkenkäfer machte sich breit und schädigte den Fichtenbestand weiter. Die Waldarbeiter kamen kaum hinterher.

Aufforstung mit 17000 Bäumen bei Haus Stapel

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Auf rund 2000 Festmeter schätzt Förster Matthias Schulte Everding vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW die Menge Fichtenholz, die nach Orkan und Borkenkäferplage bislang aus dem Kattenbrack geräumt worden ist. Unter normalen Umständen würden in einem solchen Waldstück jährlich vielleicht 200 bis 200 Festmeter geerntet.

„Die Fichte hat hier nie hingehört“, sagt Matthias Schule Everding beim Blick auf die wieder aufzuforstenden Flächen. Doch gerade in den 1950- und 1960er-Jahren habe die damalige Forstwirtschaft auf diese Baumart gesetzt. Schnell wachsendes Holz, das beim Hausbau Verwendung fand, sei gefragt gewesen. Mit den Erfahrungen von heute hätten Förster und Waldbesitzer wohl anders gehandelt, vermutet Schulte Everding. Der klassische Baum für diesen Standort sei die Stieleiche.

Nach dem großen Aufräumen im Fichtenbestand standen Waldbesitzerin und Förster nun vor der Frage, welche Bäume für die Wiederaufforstung gewählt werden sollen. „Wir wollen klimastabile Wälder aufbauen“, beschreibt Matthias Schulte Everding das Ansinnen der heutigen Forstwirtschaft. Wälder, die den als Folgen des Klimawandels prognostizierten Wetterextremen wie vermehrten Stürmen oder längerer Trockenheit trotzen. Bei Haus Stapel wird deshalb ein Laubmischwald den Fichtenbestand ablösen.

Zwei bis drei Jahre alt sind die Laubbäume, die derzeit nördlich von Haus Stapel gepflanzt werden. Gesetzt werden Stileichen, Hainbuchen und Winterlinden. Auch auf die Flatterulme, den Baum des Jahres 2019, fiel die Wahl. „Wir liegen damit ungewollt voll im Trend“, schmunzelt Matthias Schulte Everding. Als die Baumarten für die Fläche ausgesucht worden seien, sei der Baum des Jahres nämlich noch nicht gekürt gewesen.

Ganz auf maschinelle Unterstützung verzichten müssen die Forstarbeiter bei der Wiederaufforstung, die nach dem Prinzip der Trupppflanzung erfolgt, aber nicht. Im Abstand von rund zehn Metern räumt ein Minibagger die Fläche von noch herumliegenden Ästen und Reisig bis auf den Waldboden frei. In diesen Inseln werden dann mit dem Bohrer an der Spitze des Baggerarms mehrere Pflanzlöcher angelegt. Ab dann ist Hand- und Fußarbeit gefragt: Die Setzlinge werden gepflanzt.

Gedanklich vor Augen hat Förster Matthias Schulte Everding das Aussehen des Waldes bereits: „Wenn wir in 100 Jahren wieder hier sind, soll alle zehn Meter eine stattliche Stieleiche stehen.“ Ob es gelingt? Erst die nächsten Generationen werden dies in Augenschein nehmen können.

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