Straßenumfrage in Telgte zur Organspende
Was sollen Organe im Grab?

Telgte -

Teils gehen die Meinungen weit auseinander, wenn Telgter Bürger ihre Meinung zur geplanten Neuregelung der Organspende äußern.

Dienstag, 02.04.2019, 20:00 Uhr
Das Thema Organspende ist ein kontrovers diskutiertes. Lea Tullmyn (v.l. im Uhrzeigersinn), Stefan Pierenkemper, Claudia Kiefermann, Sabine Rotthowe, Eleonore und Heinz-Jürgen Wassmuth sowie Marina Sestic verrieten den WN ihre Gedanken dazu. Nicht alle können sich mit der „doppelten Widerspruchslösung“ anfreunden. Foto: dpa

Weite Teile der deutschen Bevölkerung befürworten eine Organspende. Das belegen Umfragen. Nur wenige haben ihre Bereitschaft dazu aber im Vorfeld erklärt, um all denen zu helfen, die auf ein für sie lebenswichtiges Organ warten. Die von einer fraktionsübergreifenden Gruppe in Berlin nun vorgeschlagene „doppelte Widerspruchslösung“, bei der jeder Volljährige automatisch Spender wird, wenn man nicht widersprochen hat, stößt auf Telgtes Straßen auf viele Zuspruch. Allerdings gibt es auch Ablehnung.

„Ich bin grundsätzlich absolut für diese Lösung“, sagt Claudia Kiefermann. „Ich finde es schade, wenn Organe beerdigt werden, wenn andere damit leben könnten.“ Viele seien generell bereit, ihre Organe zu spenden, täten das aber aus Bequemlichkeit nicht.

Ihrer Meinung schließt sich Marina Sestic uneingeschränkt an. „Organspende finde ich sowieso top. Wenn ich’s nicht mehr gebrauchen kann, dann soll doch lieber jemand damit weiterleben. Was sollen Organe denn im Grab?“

Auch Lea Tullmyn, die selbst einen Organspenderausweis bei sich trägt, hält die anvisierte Lösung für vernünftig. „Es wäre sinnvoll, das Ganze so wie jetzt vorgeschlagen zu regeln. Viele machen sich einfach zu wenige Gedanken, was es für andere bedeuten kann, wenn sie nicht spenden.“

Sabine Rotthowe bringt einen anderen Aspekt ins Spiel. Sie glaubt, dass viele Menschen keinen Spenderausweis hätten, weil sie sich nicht mit dem Thema Tod auseinandersetzen wollten. Organspende sei ein Tabuthema wie das Thema Tod allgemein. „Viele sagen, das geht sie nichts an. Dabei sollte man sich Gedanken über Unfälle und Tod machen.“

Der Gesetzentwurf stößt bei Heinz-Jürgen und Eleonore Wassmuth auf gar keine Gegenliebe. „Nix“, sagt er auf die Frage, was er von den Plänen der Gruppe um Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hält. „Entweder ich habe das selbst entschieden, oder gar nicht. Ich will vorher gefragt werden. Ich lasse mich nicht einfach ausschlachten.“ Seine Frau pflichtet ihm bei: „Jeder sollte sich bewusst dafür entscheiden. Die Regelung, widersprechen zu müssen, widerstrebt mir.“

Nur wenige Gedanken hat sich Stefan Pierenkemper zu diesem Thema gemacht. Aus einem einfachen Grund. Er ist 85, da komme eine Organspende sowieso nicht mehr in Frage. Aber eines befürchtet er dennoch: „Wenn 85 Prozent jetzt den Willen haben zu spenden. Wenn es darauf ankommt, dann machen sie es doch nicht.“

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