Interview: „GegenWind Schapdetten“
„Wir wollen keine Windkraftanlagen“

Nottuln/Schapdetten -

Neue Windkraftanlagen in den Baumbergen? Viele sehen das kritisch. Jetzt haben Bürger die Initiative „GegenWind Schapdetten“ gegründet. Ihr Sprecher Dr. Patrick-Johannes Wolf stellt sich den Fragen im WN-Interview.

Mittwoch, 03.04.2019, 06:00 Uhr
Foto: Ulrich Lieber

Die Planungen der Gemeinde Nottuln, südlich von Schapdetten eine Konzentrationsfläche für Windkraftanlagen auszuweisen, sind nicht gänzlich neu. Sie haben aber jetzt zu neuen Diskussionen geführt. Ess kursieren Gerüchte im Dorf, wonach ein Grundstückseigentümer bereit sein soll, Flächen für Windkraft zur Verfügung zu stellen. Bürger haben daher die Initiative „GegenWind Schapdetten“ gegründet, die mit dem Heimatverein und den Verein Schapdettener für Schapdetten in Kontakt steht. Sprecher der Initiative ist der Bösenseller Dr. Patrick-Johannes Wolf, der in der Bauerschaft Kley lebt und beruflich Inhaber der NLU-Projektgesellschaft ist (Beratungsunternehmen für naturschutzfachliche Fragen). Mit ihm sprach im Vorfeld der Bürgerinformationsveranstaltung (Donnerstag, 4. April, 19 Uhr, Forum) unser Redaktionsmitglied Ludger Warnke.

Herr Wolf, Sie sind momentan der Sprecher der Initiative „GegenWind Schapdetten“. Welche Menschen oder Institutionen tragen diese Initiative?

Patrick-Johannes Wolf: Wir haben eine tolle Nachbarschaft hier in der Bauerschaft Kley und als das Thema Anfang letzten Jahres in der WN stand, haben wir beschlossen: Jetzt mal los! Nach unserer ersten kleinen Aktion im Rahmen des Schützenfestes sind dann Leute aus Schapdetten unserer Gruppe beigetreten. Den meisten war das Thema Windkraft in Schapdetten überhaupt nicht bewusst. Wir haben schließlich mit dem Heimatverein und dem Verein Schapdettener für Schapdetten Kontakt aufgenommen, weil in der Satzung beider Vereine ja etwas über Landschaftsbild bzw. Sicherung der Lebensqualität steht. Wir haben uns mehrfach getroffen, da wir ein gemeinsames Ziel hatten: die Schapdettener über die Windkraft-Planung der Gemeinde Nottuln und ihre Betroffenheit zu informieren.

Warum wurde „GegenWind Schapdetten“ gegründet?

Wolf: Das ist eindeutig: Wir wollen hier in den schönen Baumbergen keine Windkraftanlagen! Ich bin gebürtiger Havixbecker und kenne und liebe die Gegend seit meiner Kindheit. Die Errichtung von zwei bis drei Windkraftanlagen hier am Trauf der Baumberge halte ich für absurd. Und die Schapdettener sagen es uns ganz einfach: Wir sind hierhin gezogen, „weil es so schön hier ist“. Dieses Empfinden hat einen realen Hintergrund: Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in NRW verleiht dem Landschaftsbild der Baumberge-Region das höchste Prädikat: „herausragend“. Das soll bitte schön auch so bleiben.

Dr. Patrick-Johannes Wolf, Sprecher der Initiative „GegenWind Schapdetten“. Foto: Patrick-Johannes Wolf

Was sind ihre größten Sorgen bezüglich der Windkonzentrationszone südlich von Schapdetten?

Wolf: Das genannte Landschaftsbild und der hier damit zusammenhängende Landschafts- und Artenschutz ist das eine. Das Wohl der Menschen das andere: Der Lärm der Anlagen und die bedrängende Wirkung, die von ihnen ausgeht, wird deutlich spürbar sein. Und das nicht nur bei dem dann nicht mehr gemütlichen Abendspaziergang durch die Detterheide, sondern auch im Dorf. Wirtschaftlich lohnende Anlage sind heute gigantisch, viel größer als das, was wir landläufig kennen. Im Gutachten der Gemeinde kann man ja nachlesen, welcher Anlagenhöhen es bedarf, damit es sich für den möglichen Investor am Standort Schapdetten überhaupt finanziell lohnt. Also ist das auch die Höhe, von der wir ausgehen müssen. Wir haben Simulationen gerechnet zur optischen Wirkung der Anlagen im Dorf und von den Baumbergen aus. Das ist schon erheblich für Schapdetten. Sehr bedenklich sind die gesundheitlichen Risiken. Diese sind bekannt durch groß angelegte Studien. Dort werden starke Zusammenhänge zwischen Infraschall und Herzerkrankungen beschrieben. Diese Zusammenhänge werden in den Statistiken als „begründeter Verdacht“ bewertet. Dringend wird von allen Seiten weitere Forschung eingefordert, nur dauern diese Studien meist halt mehrere Jahre. Und so baut man in der Zwischenzeit munter die Anlagen weiter. Ich bin da fassungslos und frage mich immer wieder, welcher Politiker traut sich diese Verantwortung zu angesichts der bekannten Risiken? Als ob das nicht reicht, wird noch in Frage gestellt, ob Abstandsregelungen von Windkraftanlagen zu Wohnbebauungen auch für Siedlungen unter 2000 Einwohner gelten. Da kann man sich schon in der 2. Klasse fühlen hier in Schapdetten und im Kley.

Die Gemeinde Nottuln führt am 4. April eine Bürgerinformation durch und geht danach in die offizielle Öffentlichkeitsbeteiligung. Sie haben sich in Ihren Newslettern kritisch geäußert, warum?

Wolf: Schauen Sie: Wenn die Gemeinde um eine Stellungnahme bittet, dann wäre es nur selbstverständlich, wenn man die Bürger vorher so informiert hat, dass sie überhaupt auch abwägend Stellung nehmen können – insbesondere bei so komplexen Themen mit so vielen verschiedenen Interessen. Man kann aber auch eine Informationsveranstaltung durchführen, am nächsten Tag die Offenlegung starten, diese mit einem Monat Dauer auf das rechtlich mögliche Minimum begrenzen und das Ganze in die Osterferien legen. Das finden wir nicht redlich! Es geht viel besser: Heimatverein und Schapdettener für Schapdetten wollten längst zusammen mit der Gemeinde eine gemeinsame Infoveranstaltung durchführen, um umfassend von allen Seiten zu informieren. Dazu sollte sowohl ein Investor seine Sicht darstellen als auch ein Referent von uns. Das ist nicht zustande gekommen, was beim Heimatverein für ziemlichen Unmut gesorgt hat gegenüber der Gemeinde.

Haben Sie schon Signale aus der Kommunalpolitik erhalten?

Wolf: Recht gute. Die Fraktionen, die sich gemeldet haben bzw. einzelne Ratsmitglieder haben den Gesprächsbedarf erkannt und uns bzw. dem Heimatverein das mitgeteilt. Ein Treffen hat es bereits gegeben. Nach der Offenlegung planen wir zusammen mit den Vereinen, einzelne Fraktionen zu besuchen. Themen gibt es da einige. Das Landschaftsbild und die Gesundheit habe ich bereits genannt. Aber es gibt auch ein rechtliches Risiko, einen neuen Flächennutzungsplan aufzustellen, wo ein rechtssicherer alter besteht, und es wird auch um das Thema Dorfentwicklung gehen. Diese wird sicher nicht wie gewünscht möglich sein, wenn die Konzentrationszone kommt. Das dürfte die Attraktivität des Ortsteils stark verringern, zumal man davon ausgehen muss, dass die Immobilien in Schapdetten an Wert verlieren werden. Bei dem, was kommunal vorher in Schapdetten schon alles passiert ist, dürfte das Maß langsam voll sein.

Was haben Sie als nächstes vor?

Wolf: Die Schapdettener müssen Präsenz zeigen bei der Informationsveranstaltung am 4. April und ihre Sorgen vorbringen. Dann werden wir Stellungnahmen abgeben zu dem Standortkonzept der Gemeinde, zu Themen der Landschaftsplanung und zur rechtlichen Situation. Das wichtigste ist aber die gute Nachricht, dass der Heimatverein und Schapdettener für Schapdetten daran festhalten werden, die ursprünglich geplante Informationsveranstaltung mit Vertreter der Befürworter und uns als Kritiker durchzuführen. Ob die Gemeinde mit dazukommt, ist unklar. Jedenfalls soll der Termin noch während der Offenlegung sein, obwohl die Zeit wegen der Osterferien sehr knapp ist. Die Schapdettener müssen verstehen, was auf sie zukommt und was das für die Zukunft ihres Ortes bedeutet. Für Schapdetten ist es ernst!

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