Post mustert Diesel aus
Nach Tour-Ende an die Steckdose

Warendorf -

Post zuzustellen, erzeugt mit Verbrennungsmotoren viel Abgas: Ein Zusteller steigt bis zu 300 Mal pro Tour aus. In Warendorf fahren bald nur noch vier Bullys mit Diesel. Alle anderen mit Strom.

Donnerstag, 04.04.2019, 23:30 Uhr
Die Sackkarre ist jetzt immer dabei – in den Augen von Britta Seppelt noch so ein Vorteil an dem Elektrofahrzeug. Der Boden des Vier-Kubikmeter-Laderaums ist zudem rutschhemmend beschichtet. Foto: Jörg Pastoor

Die Post gibt Gas in Sachen Ökologie: Seit kurzem rollen acht elektrisch angetriebene Zustellfahrzeuge durch Warendorf. Bis Ende des Jahres sollen sogar nur noch vier der aktuell 36 gelben Diesel durch die Stadt fahren. Der Großteil kommt dann nach Tourende an die Steckdose.

„Wir haben uns als weltgrößter Logistiker ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Bis 2025 wollen wir 70 Prozent weniger COverursachen als 2007“, begründet Pressesprecher Rainer Ernzer. Da sei der Einsatz der „Street Scooter“ auf der sogenannten letzten Meile der Zustellung von Briefen und Paketen schon ein großer Schritt.

Die fallen für die Zusteller des Stützpunkts am Salzgraben künftig wesentlich kleiner aus. „Beim Bully saßen sie höher und mussten einen Schritt nach unten machen, beim Caddy saßen sie tiefer und mussten hoch“, erklärt Stützpunktleiter Jörg Drewes. Jetzt rutschen die Zusteller sozusagen in Arbeitshöhe vom Scooter-Sitz.

Da passt auch richtig viel rein.

Zustellerin Britta Seppelt

Mancher Kunde hat‘s schon gemerkt. „Sie werden natürlich angesprochen. Gerade von den Älteren, die dann sagen: ,Wir hören sie gar nicht mehr‘“, sagt Zustellerin Britta Seppelt lächelnd. Sie mag ihr neues Arbeitsgerät. „Es ist wie so ein kleines Spacemobil, wie im Autoscooter. Macht schon Spaß.“

Laut Rainer Ernzer ist das kein Zufall. Das ehemalige Aachener Start-up-Unternehmen, das die Post dann kaufte, entwickelte und baute die Kastenflitzer mit Zustellern zusammen. Die Ladekante? „Genau die richtige Höhe“, sagt Seppelt. Der Paketraum ist quadratisch – ohne Einbauten wie Radkästen. „Da passt auch richtig viel rein.“ Zum Beispiel auch die Sackkarre, die jetzt immer dabei ist. Und der rutschhemmend besandete Boden verhindert, dass Pakete in der Kurve herumfliegen. Jedes Fahrzeug hat seine eigene Ladebuchse, über die auch Programmaktualisierungen eingespeist werden. „Und im Winter setzen sich die Kollegen in ein vorgeheiztes Fahrzeug. Eiskratzen ist vorbei“, schwärmt Rainer Ernzer. Genauso wie Tanken oder Abgase.

Demnächst kommen die 20-Kubikmeter-Stromer

Die aktuell sechs größeren (acht Kubikmeter Ladevolumen) und zwei kleineren Fahrzeuge (vier m³) werden ab Ende Mai am Salzgraben um die größten Varianten von 20 Kubikmetern Fassungsvermögen ergänzt.

Zwar wissen die Zusteller auch, dass das Interieur der Fahrerkabine nun nicht unbedingt überkomfortabel ausgestattet ist. Aber die Vorteile aus Sicht der Praktiker überwiegen für sie klar. Deswegen fällt Britta Seppelts Antwort auf die Frage, ob sie nach den zwei Monaten im Stromer wieder einen Diesel fahren wollte, auch knapp aus: „Nö!“

Elektrofahrzeuge der Post

Die Elektrofahrzeuge kommen vor allem in der sogenannten Verbundzustellung der Post (Briefe und Pakete) zum Einsatz. Ein Bezirk wie der von Britta Seppelt zählt 700 Haushalte – da steigt sie bis zu 300 Mal ein und aus. Der kleinere Typ bringt es laut Post auf eine Ersparnis von drei Tonnen Kohlendioxid und 1100 Litern Dieseltreibstoff im Jahr.Die kleinsten Stromer fahren maximal 85 Stundenkilometer und haben eine Reichweite von rund 70 Kilometern. In den Verteilbezirken in Warendorf reicht das locker für mehrere Tage. Ein leerer Akku ist nach viereinhalb bis sieben Stunden wieder voll. Deutschlandweit rollen rund 8000 Wagen dieses Typs. „Getankt“ wird laut Rainer Ernzer mit Ökostrom.

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