19 Jahre nach Feuerwerkskatastrophe
Klage gegen Staat und Kommune

Enschede -

Die Feuerwerkskatastrophe von Enschede findet immer noch keinen Abschluss: Jetzt hat Rudi Bakker, einer der beiden Direktoren des am 13. Mai 2000 explodierten Feuerwerkunternehmens S.E. Fireworks angekündigt, Staat und Kommune auf Schadenersatz zu verklagen, außerdem einige seiner Anwälte, die ihn nach der Katastrophe nicht adäquat vertreten hätten.

Dienstag, 09.04.2019, 18:30 Uhr aktualisiert: 09.04.2019, 18:46 Uhr
Bei der Feuerwerkskatastrophe von Enschede kamen am 13. Mai 2000 insgesamt 23 Menschen ums Leben, viele weitere wurden verletzt. Foto: NN

Paul Baakman, juristischer Berater aus Haaksbergen, bestätigte gegenüber dem Twentsche Courant Tubantia, dass er eine entsprechende Klage vorbereitet, deren finanziellen Umfang er noch gar nicht beziffern könne. Es könne um Millionen gehen. Bis tatsächlich Klage eingereicht werde, könne noch über ein Jahr vergehen.

In erster Linie soll es um die Kosten für den Verlust des Unternehmens gehen, das damals durch die Explosion dem Erdboden gleich gemacht wurde. Baakman zufolge sei Bakker sich erst jetzt klar darüber geworden, dass seine Anwälte diesen Schaden niemals bei seiner Versicherung geltend gemacht hätten. Selbst sei Bakker dazu damals nicht in der Lage gewesen, da er traumatisiert und vollständig durch das Strafverfahren gegen ihn in Anspruch genommen war.

Außerdem wirft Bakker den Behörden vor, ihn falsch informiert zu haben, als er mit seinem Kompagnon S.E Fireworks übernahm. Baakman: „Erst kürzlich haben wir erfahren, dass die Stadt Enschede seit 1998 ein Vorkaufsrecht für den Komplex hatte wegen der geplanten Sanierung des Viertels.“ Bakkers Mietvertrag sollte bis 2002 laufen, danach hätte die Stadt von dem Optionsrecht Gebrauch machen können. In der Zwischenzeit hatte Bakker aber schon erhebliche Investitionen auf dem Grundstück geleistet. Wenn er von dem Vorkaufsrecht gewusst hätte, wäre er damit gar nicht erst angefangen, so Baakman. Die Dokumente, die das Optionsrecht belegen, seien allerdings bei der Stadt nicht mehr auffindbar, sagt Baakman der Tubantia. Bakker will die Verwaltung dafür haftbar machen. Der frühere Direktor will zudem, dass der Strafprozess noch einmal unter die Lupe genommen wird. Er und sein Kompagnon waren damals wegen fahrlässiger Tötung zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Bei der Katastrophe waren 23 Menschen ums Leben gekommen. Es ist der dritte Versuch, den Prozess neu aufzurollen. Bakker beruft sich jetzt auf einen Bericht des Whistleblowers Paul an Buitenen, der (wie berichtet) belegen will, dass staatliche und kommunale Instanzen sowie die Justiz die Richter hinters Licht geführt haben, um S.E. Fireworks für die Explosionen verantwortlich zu machen und sich selbst von Schuld reinzuwaschen.

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