Rettungshundeteam sucht vermisste Personen
Partner mit Spürsinn und guter Nase

Lüdinghausen -

Seine Hündin Antonia hat Detlef Heinrich zu einem Mantrailer-Hund ausgebildet. Der Vierbeiner verfolgt die Geruchsspur eines vermissten Menschen. Im besten Fall findet er die Person, oder aber zeigt seinem Besitzer an, wo die Spur endet. Rund drei Mal pro Woche wird das Team von der Polizei angefordert.

Samstag, 01.06.2019, 09:00 Uhr
Detlef Heinrich und seine Hündin Antonia sind ein perfekt aufeinander abgestimmtes Rettungshundeteam. Die beiden suchen nach vermissten Personen. Foto: rivat

Search!“ – wenn es ernst wird, spricht Detlef Heinrich mit seiner Hündin Antonia Englisch. Die schwarze Labrador-Schäferhundmischung weiß dann genau, was zu tun ist: Den Geruch, denn ihr ihr Besitzer kurz zuvor vor die Nase gehalten hat, spurgenau zu verfolgen.

Antonia ist ein sogenannter Mantrailer-Hund. Sie verfolgt die Duftspur eines Menschen solange, wie sie ihn in der Nase hat. Im Idealfall findet sie die Person oder aber sie zeigt an, wo die Spur endet, weil der Mensch in ein Auto oder ein anderes Verkehrsmittel gestiegen ist. Detlef Heinrich hat seine Hündin für diesen Job ausgebildet. Die gute Nase hat sie von Natur aus mitgebracht, sie aber so perfekt einzusetzen, das hat sie bei ihrem Herrchen gelernt.

Sportlichkeit

Die beiden bilden jetzt ein Rettungshundeteam, von dem es in Nordrhein-Westfalen im Verband der BRH-Rettungshundestaffel Warendorf-Hamm nur vier gibt. „Wir werden in der Regel von der Polizei angefordert, wenn jemand vermisst wird“, erklärt Detlef Heinrich. Mal ist es eine ältere Person, die verschwunden ist, ein anderes Mal sind es Kinder, die nicht nach Hause gekommen sind. Auch Menschen, bei denen vermutetet wird, dass sie einen Suizid planen, werden von dem Rettungsteam gesucht. Antonia schnüffelt kurz an einem Kleidungsstück, an dem der Geruch des Menschen haftet, und nimmt die Spur auf. Dann muss Detlef Heinrich Sportlichkeit beweisen, denn Antonia kennt in so einem Fall kein Halten mehr.

Begleitet wird Detlef Heinrich zumeist von seiner Frau Ulrike, die ebenfalls passionierte Rettungshundeausbilderin ist. Auch Sohn Nico kommt gelegentlich mit. Die Helfer sichern den Weg und passen auf, dass der Hundeführer, der voll und ganz mit seinem Tier beschäftigt ist, sicher über die Straßen kommt.

Eine komplette Steuerbefreiung für Rettungshunde sieht die Stadt nicht vor.

Ulrike Heinrich

Ulrike Heinrich war es, die die Familie für diese besondere Hundeausbildung begeisterte. Sie war mit ihrem „Herzenshund“ Chris durch Zufall bei der Suche nach einer Beschäftigungsmöglichkeit zum Rettungshundedienst gekommen. Chris habe zwar nur drei Beine gehabt, aber eine Supernase. Die Behinderung habe das Tier nicht eingeschränkt, es habe sogar auf Leitern klettern können.

Als später Antonia in die Familie kam, wollte Detlef Heinrich mit diesem Hund ebenfalls anderen Menschen helfen. Rund zwei Jahre dauert die Ausbildung zum Flächen- und Trümmerhund, für das Mantrailing, also das Suchen einer ganz bestimmten Person, kommt noch einmal eine mehrjährige Ausbildung hinzu. Erst wenn das Mensch-Hunde-Team gemeinsam die Prüfung bestanden hat, dürfen sie in den Einsatz. In jedem Jahr wird nachgeprüft.

Lieblingsspielzeug

Etwa drei Mal pro Woche wird das Team angefordert. Häufig nachts. Spaß macht die Aufgabe beiden. Antonia weiß, dass als Lob ihr Lieblingspielzeug wartet – das motiviert sie zu Höchstleistungen. Und Detlef Heinrich freut sich, wenn er mit seinem Hund anderen Menschen helfen kann. Wird der Hundeführer tagsüber gebraucht wird, kann der Lüdinghauser übrigens auf einen verständnisvollen Arbeitgeber setzten, der ihn freistellt. „Wenn wir, wie erst vor ein paar Wochen geschehen, eine vermisste 81-jährige Seniorin nach gut 1,5 Kilometer Suchstrecke finden und dem Notarzt übergeben können, dann ist das für mich und den Hund eine großer Erfolg.“

Hundeverrückte Familie

Detlef Heinrich arbeitet mit seinem Hund übriges ehrenamtlich. Er übernimmt die Fahrtkosten zum Einsatzort und muss für Antonia, solange sie in jedem Jahr die Prüfung besteht, immer noch 50 Prozent der Hundesteuer bezahlen. „Eine komplette Steuerbefreiung für Rettungshunde sieht die Stadt nicht vor“, bedauert Ulrike Heinrich. Dabei solle ehrenamtliches Engagement doch gefördert werden.

Zwei Mal pro Woche trifft sich die hundeverrückte Familie zum Training mit Vereinskollegen. Dann ist auch Nico Heinrich mit seiner gut einjährigen Hündin Ziva dabei.

Im Alltag ist Antonia übrigens ein ganz normales Familienmitglied. Nur wenn Detlef Heinrich ihr das Geschirr anlegt und mit ihr englisch spricht, wird sie zum Rettungshund.

Individualgeruch unterscheiden

Von der menschlichen Haut lösen sich ständig winzige Hautschuppen ab. Daran haften Bakterien der individuellen Hautflora des Menschen, die einen einmaligen Geruch besitzt. Hunde seien in der Lage, diesen Geruch wahrzunehmen und zwischen den Individualgerüchen einzelner Menschen zu differenzieren, heißt es auf der Internetseite der BRH-Rettungshundestaffel Warendorf-Hamm. Zum Mantrailing ausgebildete Rettungshunde lernen, die Spur eines Menschen anhand dieser mikroskopisch kleinen Zellverbände zu verfolgen. Sie unterscheiden sie von der Spur anderer Menschen und folgen ihr auch durch bewohnte Gebiete – und das auch sechs bis 24 Stunden nachdem der Mensch sie dort hinterlassen hat. Witterung, Untergrund, Wind, Alter der Spur, Ausbildungsstand und Rasse des Hundes bestimmen neben vielen weiteren Faktoren den Schwierigkeitsgrad dieser Spur und beeinflussen so die Wahrscheinlichkeit, ob der Hund die ihm gestellte Aufgabe lösen kann oder nicht.

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