Rathaus-Architekt Parade zu Plan B
Wo ist städtebauliche Qualität?

Ahlen / Düsseldorf -

Christoph Parade verfolgt die Diskussion um das Ahlener Rathaus in seinem Büro in Düsseldorf inzwischen mit zunehmender Gelassenheit. „Ich wundere mich über nichts mehr“, stellt der Ar­chitekt mit einer gewissen Ernüchterung fest.

Samstag, 01.06.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 01.06.2019, 12:50 Uhr
In dem Büro von Prof. Christoph Parade in Düsseldorf nimmt die Schautafel mit dem Ahlener Rathaus einen besonderen Platz an. Einen Abriss würde er sehr bedauern. Foto: Dierk Hartleb

„Jetzt versucht die Verwaltung, den geplanten Neubau auf dem Rathausparkplatz als städtebauliche Bereicherung zu verkaufen“, kritisiert Parade. Bei Verwirklichung von Plan B wäre der neue Mittelpunkt ein Parkplatz. „Das hat doch nichts mit städtebaulicher Qualität zu tun“, schimpft der Rathaus-Erbauer. Ganz bewusst habe er sich bei der Planung seinerzeit für den Brückenschlag über die Werse entschieden und für den Standort vis-à-vis der damaligen Overbergschule, der heutigen Stadtbücherei. Und auch die inzwischen abgerissene Piusbrücke über die Werse habe das Ensemble aus Rathaus und Stadthalle nicht beeinträchtigt.

Außenanlagen vernachlässigt

Einigermaßen skeptisch betrachtet der Architekt auch die vorgesehene Aufwertung des Werseufers zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität. „Wir hatten den Außenraum an der Werse seinerzeit mit verschiedenen Niveaus, die Ein- und Durchblicke gestatteten, verwirklicht“, erklärt Parade. Leider habe man die Außenanlagen in einem Maße vernachlässigt, dass von dem ursprünglichen Erlebnischarakter nichts mehr übrig geblieben sei. „Das ist das Ergebnis mangelnder Pflege“, zürnt Parade.

Auch das Absenken des Wasserspiegels der Werse habe sich negativ auf die gesamten Außenanlagen ausgewirkt. Ganz zu schweigen von den Folgen für die Wärmepumpe, die beim Bau des Rathauses als das Neueste vom Neuen galt.

Sanierung mit 20 Millionen Euro kalkuliert

Zweifel hat Parade auch, was den vorgesehenen Kostenrahmen von rund 60 Millionen Euro für den Neubau von Rathaus und Stadthalle angeht. „In der Vorlage ist immer nur die Rede von einer unverbindlichen Kostenschätzung.“ Das sei doch keine geeignete Grundlage, um eine so weitreichende Entscheidung zu treffen. Im Übrigen ist Parade fest davon überzeugt, dass eine Sanierung wesentlich kostengünstiger sei als behauptet.

Impressionen vom Bau des Rathauses 1975-1977

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  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Christian Wolff
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv
  • Impression aus der frühen Baugeschichte des „neuen“ Ahlener Rathauses. Foto: Archiv

Bei der ersten Kalkulation der Sanierungskosten seien sein Büro und das städtische Gebäudemanagement unabhängig voneinander fast zum gleichen Ergebnis gekommen: 20 Millionen Euro. Die eigenen Berechnungen habe die Stadt damals aber unter Verschluss gehalten.

Dass er für seinen Standpunkt inzwischen auch viel Unterstützung aus der Ahlener Bürgerschaft und aus der Kollegenschaft erfährt, freut Parade. Das zeige ihm, dass viele Ahlener bei aller Kritik doch die archtektonische Qualität des Rathauses zu schätzen wüssten.

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