Lambert von Oer auf Burg Kakesbeck
Mehr als eine Halsband-Affäre

Lüdinghausen -

Lambert von Oer, Anfang des 16. Jahrhunderts Herr auf Burg Kakesbeck, erlangte im Jahr 1520 noch heute bekannte Berühmtheit. Ein Kontrahent legte ihm das „eiserne Halsband“ um. Der heutige Burgherr Dr. Wilfried Grewing mag den Rittersmann allerdings nicht alleine auf diese Geschichte reduziert sehen. Dafür führt er gewichtige Gründe an.

Dienstag, 04.06.2019, 19:00 Uhr
Für Dr. Wilfried Grewing, Burgherr auf Kakesbeck, sollte der Ritter Lambert von Oer nicht allein auf seine Halsband-Affäre reduziert werden.

Das eiserne Stück nennt sich zwar Halsband. Ein Schmuckstück ist es allerdings nicht. Ganz im Gegenteil: Mit seinem Gewicht von zwei Kilogramm und den innenliegenden Stacheln ist es ein Folterins­trument. „Geschmückt“ hat es dereinst Lambert von Oer, Herr auf Burg Kakesbeck. Im Jahr 1520 wurde es dem schon 80-Jährigen von seinem Kontrahenten Ritter Goddert Harmen umgelegt. Sie lagen in einem Streit um Grund und Boden sowie um eine Erbschaft. Die Halsband-Affäre fand schließlich ihr Ende in Münster. Erst dort konnte ein kundiger Schmied Ritter Lambert von seinem zweifelhaften Halsschmuck befreien.

Ein umtriebiger Mann

Der heutige Hausherr der Burg Kakesbeck, Dr. Wilfried Grewing, sieht das Leben des Ritters nur ungern auf diese Geschichte reduziert. Lambert von Oer, geboren im Jahr 1440, dessen Familie zu Anfang des 15. Jahrhunderts durch Einheirat in den Besitz der weitläufigen Anlage gekommen war, war ein durchaus umtriebiger Mann. So habe er erfolgreich Geldgeschäfte zwischen „Ortsansässigen und städtischem Geldadel in Münster und Dortmund vermittelt“. Unter seiner Ägide sei Kakesbeck zu einer mächtigen Adelsburg ausgebaut worden. Rund 80 Bauernhöfe standen in Abhängigkeit zum Burgherrn. Viele Jahre habe er auch das Amt des „Marken- und Holzrichters“ in den Bauerschaften Elvert und Bechtrup ausgeübt.

Führender Kopf der „Steverlinge“

Zudem gehörte er zu den führenden Köpfen der sogenannten „Steverlinge“, einer Rittergemeinschaft, die sich gegen den Grafen von der Mark verbündet hatte. der war für seine räuberischen Übergriffe ins Münsterland berüchtigt. Als um sein Seelenheil besorgter Christ kümmerte er sich auch um kirchliche Angelegenheiten. So stiftete er 1488 eine Kapelle auf Burg Kakesbeck. Auch war er Mitstifter der Vikarie St. Christophorus in der Pfarrkirche St. Felizitas. Darüber hinaus förderte er die Gründung des Franziskanerklosters in Dorsten. In das trat sein ältester Sohn Heinrich ein.

Kein Unbekannter seiner Zeit, so der aktuelle Burgherr, sei auch Lamberts Sohn Bernd gewesen. Nach den Unruhen der Wiedertäufer in Münster sei er vom damaligen Fürstbischof Franz von Waldeck als Statthalter eingesetzt worden. Seine Herrschaft sei berüchtigt gewesen – geprägt von allerlei Willkür und Grausamkeit. Seine Herrschaft in der Domstadt endete 1541.

Geschichte greifbar machen

Das Original des eisernen Halsbands, das seinem Vater Lambert von Oer umgelegt worden war, lag bis 1860 auf Burg Kakesbeck, die nach dem Erlöschen der Oerschen Erblinie seit 1738 den Herren auf Burg Vischering gehörte, weiß Grewing. „Wir haben eine Kopie das Halsbandes“, erzählt er. Das Original wird jetzt in der Ausstellung der Burg Vischering präsentiert. Er selbst ist seit fast fünf Jahrzehnten Eigentümer von Kakesbeck, dessen Restaurierung er sich verschrieben hat. Im Jahr 2016 ist die Anlage in eine Stiftung überführt worden. Sein Ziel sei es, „die Burg in ihrer mittelalterlichen Größe und Bedeutung als Gesamtanlage erlebbar zu machen. Geschichte soll spürbar und greifbar werden“, sagt Grewing.

Dabei verweist er auf einen reichen Fundus an Ausstellungsstücken. Dazu zählten zahlreiche Ölgemälde, historische Waffen, archäologische Funde wie alte Keramiken, westfälische Möbel sowie eine Bibliothek mit rund 20 000 Titeln. Sogar zwei alte Schmieden samt Hämmern und anderem Werkzeug lagern auf der Burg.

Grewing treibt aber noch etwas anderes um – die Vermarktung des Projekts. Da stellt er sich eine Art Dreiklang der Burgen Lüdinghausen, Vischering und Kakesbeck vor. „Alle drei müssten gleichwertig nebeneinander gesehen werden“, lautet sein Anspruch.

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