Prozess wegen Menschenraubs
Ein Pirat steht vor Gericht

Dortmund/Hamm -

Vor dem Landgericht Dortmund muss sich ab Mittwoch ein mutmaßlich echter Pirat verantworten. Die Anklage wirft dem 41 Jahre alten Somalier Mohammed S. erpresserischen Menschenraub vor. 2012 soll er mit einer Gruppe von rund 50 Bewaffneten vor dem Oman den unter griechischer Flagge fahrenden Tanker „MT Smyr­ni“ gekapert haben.

Dienstag, 04.06.2019, 20:00 Uhr
Foto: colourbox.com

Die Piraten hielten das 274 Meter lange und mit 135.000 Litern Rohöl beladene Schiff sowie dessen 26 Mann starke Crew für zehn Monate in ihrer Gewalt. Nachdem die Reederei 13 Millionen Dollar Lösegeld mit einem Hubschrauber über dem Schiff abgeworfen hatte, zogen die Piraten ab.

Festgenomen wurde S. im Dezember 2018 in Deutschland. Vier Jahre zuvor war er als Asylsuchender ins Land gekommen. Wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag auf Nachfrage bestätigte, lebte er zuletzt in einer Unterkunft in Hamm. Sein Asylantrag wurde bereits zweimal abgelehnt, das Verfahren ist allerdings noch nicht abgeschlossen, da S. ge­gen die Entscheidung geklagt hat.

Verbindung zur Schiffskaperung 

Auf die Spur des Somaliers waren die Ermittler eher zufällig gestoßen. 2018 war zwei seiner mutmaßlichen Komplizen in Zweibrücken der Prozess gemacht worden. US-amerikanische Ermittler hatten auf der „MT Smyrni“ ihre Fingerabdrücke gefunden.

Als beide als Flücht­linge nach Deutschland einreisen wollten, wurden routinemäßig ihre Fingerab­drücke genommen – und so schnell eine Verbindung zur Schiffskaperung festgestellt. Ei­ner der beiden inzwischen verurteilten Piraten wies den Ermittlern schließlich den Weg nach Hamm.

Chefkoch der Piraten

Der 41-Jährige, der seit seiner Festnahme in Untersuchungshaft sitzt, soll die gekidnappte Crew auf dem Schiff zeitweise mit einer Waffe in Schach gehalten haben. Während der Zeit der Geiselnahme sei er der Chefkoch der Piraten gewesen. Wie viel Geld er für seine Teilnahme an der Aktion bekommen hat, ist unklar.

Straffällig ist der Mann in seiner Zeit in Deutschland nicht geworden. Einmal hatte ihn das Hammer Amtsgericht wegen Körperverletzung angeklagt, von den Vorwürfen war er am Ende jedoch freigesprochen worden.

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