Gewitter
Bestätigt: Tornado in Bocholt - Schwere Schäden

Bocholt -

Abgedeckte Häuser, 100 entwurzelte Bäume und ein Auto, das wie ein Spielzeug durch die Luft flog: Mit Windgeschwindigkeiten zwischen 180 und 250 Stundenkilometern hat in der Nacht ein Tornado in Bocholt schwere Schäden angerichtet. In der Nacht drohen wieder Unwetter.

Mittwoch, 05.06.2019, 05:53 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 13:34 Uhr
Ein Auto liegt in Bocholt auf dem Dach. Durch ein Unwetter wurden Häuser beschädigt und Bäume entwurzelt. Foto: Stadt Bocholt/dpa

Die Auswirkungen waren vor allem in einem Straßenzug der Stadt im Münsterland gravierend: Ein Auto sei zehn Meter weit durch die Luft gewirbelt und ein Dach komplett abgedeckt worden, sagte ein Sprecher der Stadt Bocholt. Insgesamt seien neun Häuser beschädigt und etwa 100 Bäume entwurzelt worden oder hätten schwere Schäden davongetragen.

Eine Person sei leicht verletzt worden. Angesichts der erheblichen Sachschäden, sei man aber froh, dass niemand schwerer verletzt wurde, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehr. „Da hat eine lokale Windhose massiv gewütet“, berichtete der Sprecher. Eine Person sei leicht verletzt worden.

Rund 90 Feuerwehrleute waren den Angaben zufolge in der Nacht über Stunden im Einsatz. Am Morgen setzten sie die Aufräumarbeiten fort. Auch Dachdecker waren bereits im Einsatz, um die schlimmsten Schäden zu beheben, hieß es weiter von der Stadt. Sie richtete einen Krisenstab ein. Versicherungssachverständige ermittelten zudem die Schadenshöhe.

Tornado-Untersuchung in Bocholt

Schnell hatten Meteorologen vermutet, dass nur ein Tornado für Schäden dieser Art verantwortlich sein kann, dann folgte die Bestätigung. In Zusammenarbeit mit Experten der europaweiten Datenbank für solche Wetterphänomene ESWD (European Severe Weather Database) seien Schadensbilder analysiert und mit Augenzeugenberichten abgeglichen worden. „Die Schäden, die wir da gesehen haben, können nur durch einen Tornado verursacht worden sein“, sagte der Tornadobeauftragte des DWD. Es handele sich um einen Tornado der Stufe F2.

Zerstörerische Windhosen haben zuletzt mehrfach für Aussehen gesorgt: Im Mai 2018 fegte ein Tornado durch einen Ortsteil von Viersen am Niederrhein und richtete einen Millionenschaden an. Vor knapp drei Monaten schlug ein Tornado eine Schneise der Verwüstung im Eifel-Örtchen Roetgen.

Im Jahr 2018 verzeichnete der DWD bundesweit 17 Tornados, vier ereigneten sich in NRW. Die Dunkelziffern dürften weit darüber liegen, für eine genaue Radarmessung sind die Tornados laut DWD aber zu klein. Sie entstehen meist unter einer tiefen Wolkenbasis.

Gewitter in der Nacht zu Donnerstag vorhergesagt

Insgesamt war das Gewitter, das in der Nacht über Nordrhein-Westfalen zog, jedoch schwächer als erwartet. Über Belgien und die Niederlande war es zuvor noch mit Böen von mehr als 100 km/h gezogen. Im Laufe des Mittwochs bleibe es laut DWD-Prognose zunächst ruhig. 

Mit der unruhigen Wetterlage ist aber noch nicht Schluss. Ab Mittwochabend können aus Süden teils schwere Gewitter über den westlichen Teil des Münsterlands ziehen, warnt der DWD in einer Vorabinformation. Dabei könnten örtlich heftiger Starkregen mit bis zu 40 Litern pro Quadratmeter und mittelgroßer Hagel herunterkommen. Außerdem könne es orkanartige Böen (um 110 km/h) geben, auch einzelne Tornados seien nicht ausgeschlossen.

Betroffen sind nach DWD-Prognosen der Kreis Borken sowie Teile der Kreise Steinfurt und Coesfeld im Zeitraum von Mittwochabend (21 Uhr) bis Donnerstagfrüh (6 Uhr). Die Unsicherheiten betreffend Zeit, Gebiet und Intensität seien aber noch groß.

Bereits am Montagmorgen hatte es in NRW teils starke Gewitter mit Blitzeinschlägen auch im Münsterland  gegeben.

 

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