Interview mit Schützen-Chef Markus Bachtrop
Wie teuer ist es wirklich, Schützenkönig zu sein?

Walstedde -

In wenigen Tagen beginnt das Fest der Walstedder Bürgerschützen. Schon jetzt stellt sich für viele die spannende Frage, wer sich denn am Ende wohl zum König krönen wird. Die WN sprachen mit dem Vereinsvorsitzenden Markus Bachtrop über Kosten und Verpflichtungen.

Mittwoch, 19.06.2019, 05:56 Uhr aktualisiert: 19.06.2019, 07:28 Uhr
Markus Bachtrop würde sich über einen Mehrkampf an der Vogelstange freuen. Foto: Simon Beckmann

Das Fest der Bürgerschützen steht in der nächsten Woche auf dem Plan. Damit es wieder vermehrt zu spannenden Wettkämpfen an der Vogelstange kommt, klärt Vereinsvorsitzender Markus Bachtrop im Gespräch mit WN-Mitarbeiter Simon Beckmann auf, wie hoch die Kosten für den König denn nun wirklich sind, welche Pflichttermine er wahrnehmen muss und ob der Schützen-Chef sich selbst auch einmal die Krone aufsetzen möchte.

Herr Bachtrop, muss sich Walstedde Sorgen machen, einen Nachfolger für den amtierenden Regenten Werner Topp zu finden?

Markus Bachtrop: Nein, ich denke nicht. Das Walstedder Schützenfest ist nach wie vor beliebt und wird von der Bevölkerung gut angenommen. Natürlich wünsche ich mir einen entsprechenden Zuspruch auch an der Vogelstange.

Gab es in Ihrer Amtszeit als Vorsitzender schon einmal kritische Situationen unter der Vogelstange, als etwa die Bewerber ausblieben?

Bachtrop: Ja, diese Schützenfeste hat es auch gegeben. So hatten wir beispielsweise in einem Jahr einen König, den wir bei einem Glas Bier erst davon überzeugen mussten. Interessant war das insofern, da im Jahr zuvor noch drei ernsthafte Bewerber an der Vogelstange gestanden hatten.

Während der Frühjahrsversammlung haben Sie mit dem Gerücht aufgeräumt, die Kosten für den Königsschuss würden im fünfstelligen Bereich liegen. War das eine notwendige Maßnahme?

Bachtrop: Ob es wirklich nötig war, kann ich gar nicht sagen. Ich bin bis dato immer davon ausgegangen, dass wir umfänglich informiert haben. Es ist natürlich schon so, dass die Versammlungen nicht immer von allen besucht werden können. Alles in allem haben wir keine Geheimnisse. Von daher ist es vielleicht keine notwendige, aber eine sinnvolle Maßnahme gewesen.

Wie teuer ist denn nun der Königsschuss im Lambertusdorf?

Bachtrop: Wie in der Versammlung angesprochen, liegen die Kosten zwischen 2000 und 3500 Euro.

Schützenfest von A bis Z

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  • Wenn das halbe Dorf beim Vogelschießen mitfiebert, wenn Spielmannszug und Blaskapelle durch die Straßen ziehen und im Festzelt „atemlos“ bis spät in die Nacht getanzt wird – dann ist Schützenfest. Manche lieben es, manche andere spotten darüber. Wissenswertes und Witziges von A bis Z zu dem Brauch, an dem sich die Geister scheiden:

    Wenn das halbe Dorf beim Vogelschießen mitfiebert, wenn Spielmannszug und Blaskapelle durch die Straßen ziehen und im Festzelt „atemlos“ bis spät in die Nacht getanzt wird – dann ist Schützenfest. Manche lieben es, manche andere spotten darüber. Wissenswertes und Witziges von A bis Z zu dem Brauch, an dem sich die Geister scheiden:

    Foto: Wilfried Gerharz
  • A wie Antreten: Damit beginnt traditionell der große Festtag. Morgens versammeln sich die herausgeputzten Schützenbrüder und -schwestern, um die amtierende Majestät abzuholen. Mitunter bestraft der Spieß Mängel am Erscheinungsbild der Schützen mit Liegestützen.

    Foto: Anna Spliethoff
  • B wie Bier, fließt bei Schützenfesten in großen Mengen in kleine Gläser. Festwirte rechnen dabei schon mal mit einem durchschnittlichen Konsum von über drei Litern pro Gast - portioniert in 0,2- oder 0,25-Liter-Gläsern.

    Foto: Theo Heitbaum
  • C wie Currywurst: Gehört neben der Pommes zu den Grundnahrungsmitteln auf dem Schützenplatz.

    Foto: Jonas Wiening
  • D wie Damen: Die gibt es nicht in jedem Schützenverein, viele öffnen sich aber mittlerweile auch für weibliche Mitglieder. Einige Vereine haben sogar eine eigene Damengarde. In anderen Vereinen schießen mittlerweile ausschließlich Frauen auf den Vogel.

    Foto: Anne Steven
  • E wie Ehrungen: Bei vielen Schützenvereinen werden während des Festes (meist beim Frühschoppen) Mitglieder für langjährige Mitgliedschaft geehrt. Auch Vorstandsmitglieder, die z.B. 5 oder 10 Jahre im Vorstand mitarbeiten, werden geehrt.

    Foto: dpa
  • F wie Fahne: Die hat bestimmt jeder Schützenverein, meist sogar mehrere. Sie haben einen hohen ideellen Wert für den Verein – und auch einen finanziellen. Die handgefertigten Teile kosten schnell mal 15.000 Euro. Deshalb gibt es auch nur zu großen Jubiläen eine neue. Weniger wertvoll sind die Fahnen, die manch eine/r vom Schützenfest nach Hause bringt (siehe B wie Bier).

    Foto: Wilfried Gerharz
  • G wie Grünholen: Das Grünholen ist einer der ersten Termine beim Schützenfest. Während Vorstand und Festvorstand aufgrund zahlreicher Termine meistens schon im Schützenfest-Modus sind, ist das Grünholen der Startschuss für die Mitglieder. Gemeinsam ziehen sie in den Wald und besorgen Birkenzweige zur Dekoration des Festzeltes.

    Foto: Christian Wolff
  • H wie Horrido: Der Jagdruf, der ursprünglich Ho‘ Rüd‘ Ho‘ – also: Hoch, Rüde, hoch! – lautete, wird bei Schützenfesten im Münsterland beim Zuprosten verwendet. Etwa: „Zu Ehren des Schützenkönigs ein dreifach kräftiges Horrido!“. Die Antwort lautet dann „Jo!“.

    Foto: Theo Heitbaum
  • I wie Insignien: Die Schützenvögel sind in der Regel mit Insignien ausgestattet, die an die Herrschaftszeichen der Könige angelehnt sind: Zepter, Krone und Apfel.

    Foto: Ulrich Lieber
  • J wie Jubel: Der ist immer groß, wenn die letzten Reste des Vogels endlich zu Boden fallen. Denn jetzt steht der neue Schützenkönig fest, der den Verein durch das nächste Jahr führt (siehe auch t wie teuer).

    Foto: Joesf Thesing
  • K wie Königskette: Wer den Vogel nicht nur im übertragenen Sinne abschießt, bekommt die Königskette umgehangen. Die neue Majestät muss ein weiteres Glied in Form einer Münze oder Medaille hinzufügen. Im nächsten Jahr muss die Kette dann weitergegeben werden, wenn sie nicht – wie 2014 in Münster – geklaut wird.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • L wie Locke: Beim Spielmannszug wird die „Locke“ oder der „Lockmarsch“ immer von

    Trommlern und Flötisten gespielt, bei Blaskapellen in der Regel nur durch die

    kleine Trommel. Gelockt wird zum Start oder während des Marschierens. Die Locke

    soll die Musiker zum nächsten Stück „locken“, um alle im Gleichschritt zu halten.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • M wie Musik: Ohne geht es beim Schützenfest nicht. Die Spielmannszüge spielen Märsche und teils auch populäre, aktuelle Musik. Abends spielt im Zelt eine Band - oder ein DJ legt auf (siehe P wie Party).

    Foto: Wilfried Gerharz
  • N wie Nachbarn: Wer in der Nähe des Schützenfestplatzes wohnt, braucht ein hohes Maß an Toleranz. Scheiden Flucht und Mitfeiern aus, bleibt nur die Möglichkeit, Ruhe zu bewahren. Übrigens: 2016 wurde in NRW ein Erlass zum Freizeitlärm veröffentlicht. Die Zahl der erlaubten „seltenen Veranstaltungen“ wie Schützen- und Volksfeste, bei denen eine Überschreitung der Immissionsrichtwerte zugelassen ist, wurde – jetzt ganz tief einatmen – von zehn auf 18 erhöht.

    Foto: Wilfried Gerharz
  • O wie Oberst: Der Oberst – hier hoch zu Ross – bildet die Spitze des Festvorstandes, dem die Organisation des Schützenfestes sowie dessen reibungsloser Verlauf obliegt. Und ganz wichtig: Der Oberst hat das Kommando. Er lässt die Schützenbrüder antreten, sie ausrichten, nach vorne, nach links oder rechts schauen, sie hören auf sein Kommando – wenn die Stimme nicht versagt. Um die zu schonen, gibt es heute in den meisten Vereinen zumindest bei der Ansprache am Festplatz Lautsprecher. Zwischendurch wird die Stimme dann auch mal geölt.

    Foto: Martin Fahlbusch
  • P wie Party: Die findet im Festzelt statt. Statt Hip Hop oder Elektromusik sind dann Ballermann, Schlager und Discofox angesagt. Beim „Party Hitmix“ von Pur bleibt keine Tanzfläche leer. Neben einer Polonaise gehört es vielerorts dazu, sich beim Song „Aloha Heja He“ auf den hölzernen Tanzboden zu werfen und zu rudern.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Q wie Querschläger, sind in der heutigen Zeit fast ausgeschlossen, denn die Vereine schießen meist mit Schrot auf die hölzernen Vögel. Jeder Verein braucht einen Schießwart, der für eine ordnungsgemäße Unterbringung der Waffen sorgt. Als weitere Sicherheitsmaßnahme sind die Gewehre an den Schießständen fest eingespannt. Die größte Angst haben viele Schützen deshalb davor, aus Versehen die Holzreste an der Vogelstange zu erwischen (siehe t wie teuer).

    Foto: Anna Spliethoff
  • R wie Rosenmachen: Bei diesem Termin geht es oberflächlich betrachtet darum, Papierschmuck für das Festzelt zu basteln. Doch der eigentliche Sinn und Zweck ist es – wie so vieles beim Schützenfest –, die Gemeinschaft zu stärken und sich gegenseitig kennenzulernen.

    Foto: Martin Fahlbusch
  • S wie Sektbar: Meist durch leichte Holzbretterwände vom Rest des Festzeltes abgeteilt fristet die Sektbar am Tage ein Schattendasein. Am Abend und in der Nacht wird es dort zwar auch nicht besonders hell (eine Lichterkette muss genügen), aber dafür richtig voll. Neben dem namensgebenden Schaumwein gibt es hier allerlei alkoholische Mischgetränke, für die es keine Barkeeper-Ausbildung braucht (Safari-O, Wodka-Energy, Cola-Korn).

    Foto: Colourbox.de
  • T wie teuer: Schützenkönig zu werden, sollte eine gut überlegte Entscheidung sein. Denn es ist ein kostspieliges Vergnügen. Vom König wird im Laufe des Jahres erwartet, bei allen möglichen Anlässen eine Runde auszugeben – etwa bei Besuchen bei anderen Schützenvereinen, manchmal reicht als Anlass aber auch, einfach in die Kneipe zu gehen. Hinzu kommen Pflichtaufgaben wie Katerfrühstück oder Frühschoppen. Auch wenn der Hofstaat – Freunde, Familie und Bekannte des Königspaares – finanziell unter die Arme greifen, kann so ein Königsjahr schnell mehrere tausend Euro kosten.

    Foto: dpa
  • U wie Umzug: Die Schützen müssen gut zu Fuß sein. In den Bauerschaften wird von Hof zu Hof marschiert, in den Dörfern werden in der Regel die Majestäten zu Hause abgeholt.

    Foto: Ulrich Lieber
  • V wie Vogelschießen: Es ist der Dreh- und Angelpunkt eines jeden Schützenfestes. Denn hier wird der neue König oder die neue Königin ermittelt. So manches Mal gleicht der Wettkampf um die Schützenkrone einem echten Krimi. Spannend und unterhaltsam – vor allem, wenn die Zuschauer die Schützen am Gewehrstand kennen. Da wird angefeuert, ausgebuht, geklatscht, gelacht und am Ende gejubelt.

    Foto: Jan Schneider
  • W wie Wetter: Spielt immer eine große Rolle. Regen ist Mist, zu heiß darf es aber auch nicht sein. Sonst wird das Fest unter den Schützenuniformen zu einer allzu schweißtreibenden Angelegenheit. 20 Grad und Sonne wünschen sich vermutlich die meisten Schützen.

    Foto: Theo Heitbaum
  • X wie Xenophobie, besser bekannt als Fremdenfeindlichkeit: Als der Muslim Mithat Gedik im westfälischen Werl Schützenkönig 2014 wurde, führte das beim Bund Historischer Deutscher Schützenbruderschaften zu Empörung. Denn im Statut des Dachverbands stand festgeschrieben, dass nur Christen Mitglied werden können. Zweieinhalb Jahre später wurde die Vorgabe gekippt. Auch das Verbot, dass homosexuelle Schützenkönige ihren Partner als Mitregenten wählen, wurde aufgehoben, nachdem ein Fall aus Münster Schlagzeilen gemacht hatte.

    Foto: dpa
  • Y wie Youngster: Die Jungschützen gibt es bei vielen Vereinen. Die Truppe, die aus vornehmend jungen (zwischen 17 und 30 Jahren) Schützen besteht, wird oft auch als Avantgarde bezeichnet. Manchmal veranstalten sie auch ein eigenes Vogelschießen.

    Foto: Anna Spliethoff
  • Z wie Zapfenstreich: Wenn im Dunkeln mehrere Spielmannszüge auftreten, steht bei vielen Vereinen einer der festlichsten Momente auf dem Programm. Laut Duden-Herkunftswörterbuch ist der Zapfenstreich ein „Streich“ – also Schlag – auf den Zapfen des Fasses, mit welchem das Ende des Ausschankes mitgeteilt wurde. Mit diesem – für viele Feiernde beklagenswerten – Umstand hat der Zapfenstreich bei Schützenfesten aber nichts zu tun. Vielmehr wird bei dem aus der Militär-Tradition stammenden Zeremoniell der Ursprung der Vereine deutlich: die Bürgerwehren, die die Städte im Mittelalter vor Plünderern schützten.

    Foto: Theo Heitbaum

Wie kommt diese Spanne zustande?

Bachtrop: Es liegt natürlich an einem selbst, wie intensiv man feiern möchte. Beispielsweise ist es so, dass der Königsorden zwischen 300 und 1000 Euro kosten kann. Ein weiterer großer Punkt kann mitunter sein, wie spendabel man sich zu den diversen Anlässen gibt. Ist man jemand, der zu jeder Veranstaltung eine große Runde ausgibt? Das kann dann über das Jahr gesehen natürlich ins Geld gehen.

Gibt es denn Unterstützung seitens des Vereins?

Bachtrop: Ja, der Verein gibt einen finanziellen Obolus in einer Größenordnung von rund 1000 Euro dazu.

Welche Pflichten und Aufgaben muss ein Regent wahrnehmen?

Bachtrop: Wenn man Schützenkönig ist – und das ist in den umliegenden Drensteinfurter Vereinen nicht anders – erwarten der Verein und die Bevölkerung natürlich eine gewisse Präsenz. Dies ist uns vor allem beim Schützenfest unserer Nachbarn in Mersch-Ameke wichtig, denn dort finden seit mehr als 20 Jahren gegenseitige Besuche der Königsbälle statt. Der Regent sollte an den zwei Versammlungen des Vereins und natürlich auch beim Kappenfest teilnehmen.

Apropos: Denken Sie, dass es mehr Anwärter geben wird, weil das Kappenfest nicht mehr zwingend ein Karnevalsfest sein muss?

Bachtrop: Ich denke schon, dass der eine oder andere sich eher als Schützenkönig und nicht als Karnevalsprinz fühlt. Von daher stellen wir es den zukünftigen Königen frei, ob sie ein Kappenfest feiern möchten oder nicht. Da wollen wir uns in Zukunft flexibler aufstellen. Das Regentenpaar kann – muss aber nicht – ein Kappenfest in der bisherigen Form feiern. Als Alternative könnten wir uns etwa ein Frühlingsfest vorstellen. Um das Zelt dann auszulasten, könnte man auch überlegen, unsere Frühjahrsversammlung ins Zelt zu verlegen oder eine Comedy-Veranstaltung anzubieten.

Hand aufs Herz: Können Sie sich vorstellen, selbst mal das hölzerne Federvieh von der Stange zu holen?

Bachtrop: Man sollte niemals nie sagen, wobei ich meine Aufgabe aber vornehmlich darin sehe, das Fest vom Ablauf her zu organisieren, statt in der ersten Reihe zu stehen.

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