Jahrestagung des Verbandes Münsterländischer Metallindustrieller
Zweifel am Erfolg der Energiewende

Münster -

Über die Chancen und Risiken der deutschen Energiewende lässt sich trefflich streiten. Kein Wunder also, dass sich die Führungsriegen der münsterländischen Metall- und Elektroindustrie und die Energie­expertin des gewerkschaftsnahen Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, in dieser Frage am Mittwochabend nicht einig waren.

Mittwoch, 03.07.2019, 20:42 Uhr aktualisiert: 03.07.2019, 21:56 Uhr
Während die hiesigen Metallindustriellen mit der Energiewende hadern, sieht Fachfrau Claudia Kemfert vor allem Chancen. Foto: dpa

Bei der Jahrestagung des Verbandes der Münster­ländischen Metallindustriellen (VMM) in Münster betonten die Unternehmer, die bis­herige Politik der Bundes­regierung habe ernsthafte Zweifel am Gelingen der Energiewende aufkommen lassen. Als Grund für dieses Misstrauen wurden auch die Erfahrungen mit dem Ausstieg aus der Atomenergie angeführt. Der Vorsitzende des VMM, Andreas Busacker, forderte eine sichere und permanente Stromversorgung zu wettbewerbsfähigen und bezahlbaren Strom­preisen.

Bei Kemfert klang das ganz anders: „Die Energiewende bietet enorme wirtschaftliche Chancen, wenn man die Rahmenbedingungen gut setzt.“ Nur wenige Branchen seien vom Klimaschutz negativ betroffen, betonte die Energieexpertin. „Es gibt sehr viele Segmente, die von der Energiewende profitieren.“ Kemfert mahnte allerdings: „Wir leben schon viel zu lange weit über unsere Verhältnisse.“ Die DIW-Forscherin wählte ein drastisches Bild, um das Dilemma der Menschheit deutlich zu machen: „Wir müssten drei weitere Planeten haben, wenn wir nicht umdenken.“

Der deutschen Politik warf Kemfert vor, „Weltmeister im Ziele-Ankündigen“ zu sein. Das Thema „Energiewende“ sei 20 Jahre alt, in Deutschland sei es aber nur halbherzig angegangen worden.

Die wirtschaftliche Lage der Metall- und Elektroindustrie in der Region hat sich indes eingetrübt: Das Produktionsniveau sei in den ersten drei Monaten des Jahres gegenüber dem ohnehin schon schwächeren Schlussquartal 2018 saison- und arbeitstäglich bereinigt um 0,5 Prozent gesunken, hieß es.

Die Auftragseingänge schrumpften im ersten Quartal laut VMM gegenüber dem Zeitraum Januar bis März 2018 um 4,7 Prozent. Besonders im Ausland sei der Rückgang mit 5,7 Prozent deutlich spürbar, so der VMM. In ganz NRW sank der Export­umsatz im gleichen Zeitraum um 600 Millionen € auf lediglich noch 25 Milliarden € . Als Ursache für diesen Trend nennt der Verband vor allem die protektionistische Handelspolitik der USA und den bevorstehenden Brexit.

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