Orden feiert 175. Geburtstag
Franziskanerinnen: Auf der ganzen Welt zu Hause

Münster -

Für ihre Arbeit gehen sie oft da hin, wo es weh tut. Und das seit 175 Jahren. An diesem Samstag feiern sie Geburtstag.

Samstag, 06.07.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 06.07.2019, 10:12 Uhr
Freuen sich über eine „Zeit der Gnade“: Schwester Hiltrud Vacker (Deutschland), Schwester M. Lima Arackal (Indien), Schwester Natalia Koscielna (Polen), Veronique van Balen (Niederlande), Schwester Dietmara Ahlmann (Deutschland), Schwester Christella Watanabe (Japan) und Schwester Mary Ann Falbe (USA). Foto: Jürgen Christ

Die sieben Frauen am Tisch stammen aus Japan und Indien, Polen und den Niederlanden, den USA und Deutschland. Sie sprechen unterschiedliche Sprachen und stammen aus verschiedenen Kulturen – „aber wir haben ein gemeinsames Herz“, sagt Schwester Lima Arackal aus Indien. Am Samstag feiern die Ordensfrauen den 175. Geburtstag ihres Ordens in Münster.

Schwestern, die zu den Franziskanerinnen von Münster St. Mauritz gehören, müssen nicht in Münster leben. Ganz im Gegenteil: Sie haben ihre Heimat in Polen, den USA, Japan und Indien, Kasachstan oder Korea. Man könnte auch sagen: Sie gehen dahin, wo es weh tut. Schon vier Jahre nach der Ordensgründung lassen sich die ersten Schwestern in Schlesien nieder. Sie wollen den Opfern einer Typhusepidemie helfen, die dort ausgebrochen ist. Nach dem Zweiten Weltkrieg gründen sie in Japan Missionsstationen, um den Opfern der Atombombe beizustehen. Und obwohl sie in China ausgewiesen werden, bleiben einige von ihnen, erleiden Verfolgung, Folter und führen ein Leben im Untergrund.

Fundament der Orden

Wenn sie den 175. Geburtstag ihres Ordens feiern, dann feiern sie vor allem eine „time of grace“, „eine Zeit der Gnade“, wie Schwester Mary Ann Falbe aus den USA sie nennt. Sie meint damit die Generationen „heroischer Schwestern“, auf deren Fundament der Orden nun nicht mehr nur Krankenhäuser, sondern auch Altenheime in Japan und Exerzitienhäuser in den USA betreibt. Oder sie beraten die Menschen in Indien, welche Samen und Pflanzen sie setzen sollen, wie sie durch Hygiene Krankheiten verhindern. Und sie pflegen sterbende Aids-Kranke in Berlin. Sie nennen das „Christi heilende Gegenwart den Menschen zu bringen“. „Unser Ansinnen ist es, bei den Menschen zu sein“, sagt Schwester Hiltrud Vacker aus der Provinzleitung. „Franziskanisches Leben heißt, da zu leben, wo die Aussätzigen sind“. Soweit es ihnen möglich ist.

Mit immer weniger Schwestern in Deutschland und den USA und trotz der steigenden Zahlen etwa in Indien ist das mühsam. Das hohe Alter, der mangelnde Nachwuchs – als das zwingt den Orden zum Umdenken. „Gott ruft jeden“, sagt Schwester Hiltrud. „Aber nicht jeder hört zu.“ Das Mutterhaus auf dem Gelände des Franziskus-Hospitals in Münster, das die Schwestern im 19. Jahrhundert gegründet haben, wird zu groß. Wer in dem Orden 70 Jahre alt ist, gehört zu den Jüngsten. Weil sie sich nicht damit abfinden wollen, dass irgendwann nur noch ein Flur das Mutterhaus bilden soll, bauen sie zurzeit neu. In dem Neubau sollen ab 2020 fünf Schwestern und Gäste wohnen können.

Die Franziskanerinnen von Münster St. Mauritz

Den Orden der Franziskanerinnen von Münster St. Mauritz haben 1844 in Telgte der Franziskanerpater Christoph Bernsmeyer und vier junge Frauen gegründet. Offiziell heißt er „Kongregation der Krankenschwestern vom Regulierten Dritten Orden des Heiligen Franziskus“. Die Telgterinnen beginnen ihr Noviziat, um „der Vernachlässigung und Vereinsamung der Kranken entgegenzuwirken“, wie es auf der Homepage des Ordens heißt.

1853 wird die Zentrale der Ordensgemeinschaft auf Wunsch des Bischofs von Telgte nach Münster verlegt. Mittlerweile betreibt der Orden Konvente in sieben verschiedenen Ländern. Münster ist der Sitz der deutschen Provinzleitung (Provinzialat) und damit auch so etwas wie ein Basislager für alle 702 Schwestern des Ordens weltweit. 390 davon leben in der deutschen Provinz, 98 in der polnischen, 62 in der amerikanischen, 54 in der japanischen und 98 in der indischen. 

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Internationalität wird gelebt

Das Krankenhaus wird irgendwann ihr altes Mutterhaus nutzen. Einen Trakt haben sie bereits an das Franziskus-Hospital vermietet, auf dem Stationen entstehen. In einem anderen werden die nächsten zehn Jahre noch Schwestern leben. Zurzeit sind 68.

Seit 14 Tagen sind 20 Schwestern aus Polen, USA, Japan und Indien zu Besuch in der Deutschen Provinz. „Die Internationalität möchte gelebt werden, und das bietet uns die Chance, sich und die Kultur eines Landes besser kennenzulernen. So können wir als eine Gemeinschaft besser und mehr zusammenwachsen“, sagt Schwester Hiltrud. Dieses Jahr war Deutschland an der Reihe. Und dass der Besuch ausgerechnet mit dem Jubiläum zusammenfällt, ist kein Zufall.

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