Große Schäden
Das stille Waldsterben

Münster/Berlin -

Dürre, Stürme, Brände - der heimische Wald ist „in weiten Teilen am Sterben“, klagt Agrarministerin Klöckner. Auch die Lage im Münsterland ist dramatisch. Ein milliardenschweres Paket soll jetzt die Rettung bringen. Kommt die Hilfe zu spät?

Sonntag, 07.07.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 07.07.2019, 18:55 Uhr
Ein von Borkenkäfern befallener Fichtenwald im Harz  Foto: dpa

Angesichts der anhaltenden Trockenheit und der Rekorddürre im vergangenen Jahr fordert Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner ein milliardenschweres Rettungspaket für den heimischen Wald. „In den 80er Jahren haben alle vom Waldsterben gesprochen“, hatte die CDU-Politikerin gesagt. „Jetzt ist er in weiten Teilen am Sterben, aber kaum einer redet davon.“ Nach Berechnungen von Experten müssten bundesweit Millionen Bäume neu gepflanzt werden, um den Verlust von 120 000 Hektar Wald auszugleichen.

Der Wald ist die Lunge unserer Gesellschaft, ein entscheidender Klimaschützer.

Agrarministerin Julia Klöckner

Auch im Münsterland ist die Lage des Waldes nach der Dürre des vergangenen Jahres und zweier Orkanstürme im vergangenen Jahr „katastrophal“. Besonders schlimm wirkt sich in der Region der Borkenkäferbefall aus. „Komplette Ökosysteme sind bedroht“, sagt der Vorsitzende des Waldbauernverbandes NRW, Philipp Freiherr Heereman.

„Endlich hat die Bundesregierung die Brisanz erkannt“

Grundsätzlich begrüßt der Verband die Ankündigung der Bundesregierung, Gelder aus dem Klima- und Energiefonds für die Aufforstung ganzer Regionen zur Verfügung stellen zu wollen. „Endlich hat die Bundesregierung die Brisanz der Situation in unseren Wäldern erkannt.“

Energie- und Klimafonds

Agrarministerin Julia Klöckner will ein „Mehrere-Millionen-Bäume-Programm“ auflegen, das aus ihrer Sicht aus dem Energie- und Klimafonds der Bundesregierung finanziert werden könnte. „Der Wald ist die Lunge unserer Gesellschaft, ein entscheidender Klimaschützer“, sagte sie. Das Pflanzen neuer Bäume sei im Interesse aller. Den Energie- und Klimafonds (EKF) hat die Bundesregierung eingerichtet, um die Energiewende voranzubringen. 2019 umfasst er nach Angaben der Regierung 4,5 Milliarden Euro, die unter anderem für erneuerbare Energien, Energiesparen, Klimaschutz, Umweltprojekte und die Förderung Elektromobilität ausgegeben werden. Der Waldklimafonds ist Bestandteil des EKF, er fördert die Anpassung der deutschen Wälder an den Klimawandel.

...

Man habe schon mehrfach vor allem ans Land NRW appelliert, Soforthilfen für besonders stark vom Borkenkäferbefall betroffene Betriebe oder Gebiete zur Verfügung zu stellen. Konkret geht es um die Summe von 16,5 Millionen Euro. „Diese wurden bisher nur ansatzweise erfüllt“, sagt Heereman weiter.

Borkenkäfer im Visier

Er spricht sich für eine wirksame Bekämpfung des Schädlings Borkenkäfer aus. „Was nützen neue Bäume, wenn die alten gesunden Bäume oder Neuanpflanzungen wieder von Schädlingen vernichtet werden?“

Die Debatte um Hilfen für den Wald hat durch eine internationale Studie neuen Schwung erhalten. Forscher erklärten, neue Wälder könnten weltweit bis zu zwei Drittel der menschengemachten Kohlendioxid-Belastungen ausgleichen.

Kommentar: Warten auf Hilfe

Doch im Jahr 2019 verläuft die Debatte anders. Durch den Borkenkäferbefall, die Trockenheit und Stürme steht das „Ökosystem Wald“ vor dem Kollaps. Tausende Hektar sind akut bedroht, die Langzeitschäden für die konkreten Region (inklusive wirtschaftlicher Schäden für die Eigentümer) noch gar nicht absehbar.Und was passiert? Wenig bis nichts. Kein nationaler Aufschrei, kein Waldgipfel, keine Task Force. Die privaten Waldeigentümer warten noch immer auf konkrete Soforthilfe. In NRW sollen dies 16,5 Millionen Euro sein. Steuergeld, ohne Zweifel, aber gut angelegt im Bewusstsein der Schäden, die schnell unbezahlbare Dimensionen erreichen werden.

- Frank Polke

...
Nachrichten-Ticker