73. Glatzer Wallfahrt in Telgte
Erinnerung – Begegnung – Wiedersehen

Telgte -

Etwa 900 Heimatvertriebene waren nach Telgte gekommen, um die 73. Jahreswallfahrt der Grafschaft Glatz zu feiern.

Sonntag, 01.09.2019, 18:00 Uhr
Bis auf den letzten Platz gefüllt war die Pfarrkirche St. Clemens beim Festgottesdienst anlässlich der Glatzer Wallfahrt. Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, Großdechant Franz Jung, Präses Martin Karras und Propst Dr. Michael Langenfeld nahmen ebenso daran teil wie viele weitere Geistliche und Ordensleute. Foto: Pohlkamp

Die Wallfahrtsstadt Telgte ist die geistliche Heimat für viele Glatzer, die als Folge des Zweiten Weltkrieges aus ihrer Heimat vertrieben worden waren. Seit 1947 treffen sie sich immer wieder Ende August in Telgte: Etwa 900 Heimatvertriebene aus allen Teilen des Landes waren gekommen, um diese 73. Jahreswallfahrt der Grafschaft Glatz (Schlesien) zur Gnadenmutter von Telgte als Erinnerung, Begegnung und Wiedersehen zu feiern.

73. Glatzer Wallfahrt

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  • Rund 900 Teilnehmer wurden bei der 73. Glatzer Wallfahrt gezählt. Foto: Pohlkamp
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Propst Dr. Michael Langenfeld hatte die Glatzer, die teilweise bereits am Freitag nach Telgte angereist waren, am Samstag in der voll besetzten Wallfahrtskirche willkommen geheißen. „Ich freue mich immer wieder, wenn die Glatzer nach Telgte kommen. Es dokumentiert die Verbundenheit und zeigt, wie aus Fremden Freunde geworden sind.“

Der Festgottesdienst am Samstagvormittag wurde von zahlreichen Priestern und Ordensleuten mitgestaltet. Dazu gehörten unter anderem Weihbischof Dr. Stefan Zekorn, Großdechant Franz Jung, Präses Martin Karras und Propst Dr. Michael Langenfeld. Im Mittelpunkt der Predigt von Weihbischof Dr. Stefan Zekorn stand das Wallfahrtsmotto „Herr, wohin sollen wir gehen?“. Er ergänzte diese Frage: „Wie kann ich mich mit all den vielen Möglichkeiten und den vielen Wertangeboten, die unsere Gesellschaft bereithält, orientieren. Wenn wir auf die Gesellschaft schauen, ergeben sich so viele Fragen.“ Dabei nannte der Weihbischof den Klimaschutz, die digitale Entwicklung und die Erderwärmung. Er ging der Frage nach: „Wie können wir diese begrenzen, wie verhalten wir uns als Gesellschaft angesichts der wachsenden und unbegrenzten Möglichkeiten? Und auch die Kirche stelle sich die Frage, wohin sie gehen solle. Viele seien enttäuscht, viele seien zu Recht entsetzt über die schweren Sünden des sexuellen Missbrauchs in der Kirche. Es gebe viele Menschen, die von dem, was die Kirche sage, enttäuscht seien oder verstünden sie nicht. Andere hielten das wiederum für eine positive Botschaft. So gehe ein tiefer Riss durch die Gläubigen.

„Unser tägliches Lebensumfeld braucht Zeugen der Hoffnung und die Erkenntnis, dass Familien und Kinder wichtiger sind als berufliches Fortkommen.“ Die Nähe zu Jesus bezeichnete er als das Entscheidende und als Erfüllung des Lebens. Aus der Kirche könne Neues wachsen, wenn man sich die Frage stelle, was Jesus tun würde.

Die 900 Pilger, die dem Weihbischof aufmerksam zuhörten, rief er auf, Zeugen des Glaubens zu sein und täglich zu beten, das könne auch von zu Hause aus geschehen. In seiner Predigt machte der Weihbischof immer wieder deutlich, den Weg mit Gott gerade durch Schwierigkeiten und Bedrängnisse zu gehen und so neue Lebenskraft zu sammeln: „Wir brauchen Zeugen der Hoffnung in unserer Gesellschaft, wenn wir an die Grenzen unserer Entwicklung stoßen.“

Das Glatzer Treffen hatte bereits am Donnerstag mit einem Priesterseminar im Rathaus begonnen. Am Freitag folgte eine feierliche Vesper in der Kirche, dem schloss sich ein Vortrag über die Lebensstationen des Theologen und Heimatforschers Joseph Wittig im Pfarrheim an. Die feierliche Abendandacht mit Professor Dr. Otmar Schober endete mit einer Lichterprozession entlang der Ems und über den Kreuzweg.

Für die „Glatzer Pilger“ ist dieses Treffen auch eine Begegnung und Wiedersehen mit ehemaligen Nachbarn aus der Grafschaft Glatz. Alle, die es heute noch schaffen, die teilweise weite Reise nach Telgte anzutreten, machen sich gerne auf den Weg. So wie die beiden Brüder Georg und Peter Mach aus Roth bei Nürnberg oder Richard Draschner aus Iserlohn und Josef Swoboda aus Menden. Sie alle kommen seit vielen Jahren nach Telgte. Sie wurden nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben und fanden im neuen Deutschland ihre Heimat. Für sie bedeutet Telgte ein Stück Heimat. Hier treffen sie sich, erzählen, was gewesen ist, besinnen sich auf die Geschichte und bilden so eine Erzählgemeinschaft.



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