Kinofilm über Mordserie
Ein Regisseur auf den Spuren des „Münsterlandmörders”

Wettringen -

Die Morde an Marlies Hemmer, Barbara Storm, Edeltraud van Boxel und Erika Kunze sind nie geklärt worden. Nun hat sich ein Filmemacher auf eine Spurensuche gemacht.

Donnerstag, 12.09.2019, 07:05 Uhr
Filmemacher Detlef Muckel und Annette Vogelsang an der Stelle, wo 1974 Erika Kunze ermordet wurde. Jahre später entdeckte Vogelsang dort ein Kreuz, das an die Tat erinnerte. Sie spekuliert, dass der Täter an den Tatort zurückgekehrt sein könnte. Foto: Sven Rapreger

Es war im Sommer. Vielleicht 1985. Oder auch 1986 oder 1987. An das exakte Jahr kann sich Annette Vogelsang nicht mehr erinnern. Die Erinnerung an das Holzkreuz mit den frischen Steckblumen an dem Feldweg in Rheine ist aber nie verblasst. „Ich war sofort wie elektrisiert“, sagt die heute 50-Jährige. „In Erinnerung an die Ermordung von Erika Kunze“ hatte jemand auf das Kreuz geschrieben. „Statt wie geplant zum Schwimmen an den Haddorfer Seen zu fahren, habe ich mit meinem Rad sofort eine Kehrtwende zurück zum elterlichen Hof gemacht. Meine Eltern haben dann die Polizei gerufen“, erzählt die Bad Bentheimerin.

Die Polizei nahm die Sache ernst, sicherte die Fundstelle und nahm das Kreuz mit, weiß Vogelsang. Eine plausible Erklärung für die Sache mit dem Kreuz hat sie indes nie bekommen. Haben etwa Familienangehörige oder Freunde des Opfers das Kreuz am Tatort aufgestellt? Sie weiß es nicht. Aber den Satz eines der an der Ermittlung beteiligten Beamten hat Vogelsang auch nicht vergessen: „Der Täter kehrt an den Tatort zurück.“

Suche nach dem „Münsterlandmörder“

1/13
  • Mit diesem Phantombild hat die Polizei den Täter gesucht. Er müsste jetzt Mitte bis Anfang 60 sein.

    Mit diesem Phantombild hat die Polizei den Täter gesucht. Er müsste jetzt Mitte bis Anfang 60 sein.

    Foto: Polizei
  • Edeltraud van Boxel aus Münster ist 1971 wohl das erste Opfer des „Münsterlandmörders“.

    Foto: Polizei
  • Die schwarze Tasche des Mordopfers.

    Foto: Burkert, Steffen
  • In einem VW-Käfer wurde das Opfer transportiert.

    Foto: Jürgen Lüken
  • Barbara Storm wurde nur 20 Jahre alt. Sie starb zwischen dem Abend des 15. Mai und dem 17. Mai

    Foto: Polizei
  • Die weinrote Handtasche von Barbara Storm bleibt verschwunden, ebenso ein weiß-rotes Kosmetiktäschchen. Die Handtasche war aus Kunstleder (Skai) mit langem Schulterriemen.

    Foto: Polizei
  • Dieses Plakat hat Kriminalhauptkommissar Poll schon als Achtjähriger berührt.

    Foto: Westörp, Werner
  • Marlies Hemmers aus Nordhorn wollte nach Wien trampen. Nahe Dülmen wurde ihre Leiche gefunden.

    Foto: Polizei
  • In der Franzosenschlucht trennt sich Marlies Hemmers von ihrem Freund, um alleine weiterzureisen.

    Foto: GN-Archiv
  • Das vierte und letzte Opfer im Rahmen der Mädchenmorde im Münsterland war im Oktober 1974 Erika Kunze.

    Foto: Polizei
  • Das Buch „Jugend und Krise“ von Erik H. Erikson hatte sich Erika Kunze am Tag ihres Verschwindens in der Unibücherei ausgeliehen.

    Foto: Westdörp, Werner
  • Eine Plastiktasche mit Blütenmuster, mit der Erika Kunze Bücher transportierte.

    Foto: Polizei
  • An den schwarz markierten Orten wurden die vier Frauen zuletzt gesehen, die roten Punkte kennzeichnen die Leichenfundorte.

    Foto: Grafik: Lisa Stetzkamp

Kinofilm in Arbeit

Am Montag hat die Physiotherapeutin mit dem Rheiner Filmemacher Detlef Muckel den Schauplatz eines seit 45 Jahren nicht aufgeklärten Sexual-Verbrechens aufgesucht. Der Tatort liegt in Wettringen. Dort wurde nach Ermittlungen der Polizei Ende Oktober 1974 Erika Kunze aus Nordhorn ermordet. Die Leiche der 22-jährigen Studentin wurde später etwas weiter nördlich im niedersächsischen Waldgebiet Samerrott gefunden. Kunze, die als Anhalterin in das Auto des Täters gestiegen ist, gilt als das letzte von vier Opfern, die der sogenannte Münsterlandmörder zwischen 1971 und 1974 umgebracht hat.

„Die Geschichte des unentdeckten Killers beschäftigt mich schon lange“, sagt Muckel („Amok“, „Unter uns die Stille“). Seit Monaten recherchiert der 49-Jährige, sprach mit ehemaligen Ermittlern und Journalisten, die die Mordserie aufgearbeitet haben. Ende des kommenden Jahres soll der Fall als Spielfilm in die Kinos kommen.

Arbeitstitel „Akte 916 – der Münsterlandmörder“

Vor etwa vier Wochen hat Muckel unter dem Arbeitstitel „Akte 916 – der Münsterlandmörder“ auf der Online-Plattform Facebook eine Seite eingerichtet. „Die nie aufgeklärte Mordserie beschäftigt bis heute unheimlich viele Menschen. Viele vertrauen mir – so wie Frau Vogelsang – ihre Geschichten an. Darunter sind Personen, die felsenfest behaupten, damals bei dem Mann im Auto gesessen zu haben und noch rechtzeitig herausgesprungen zu sein“, sagt Muckel. Obwohl er längst am Drehbuch feilt, nimmt er immer wieder Kontakt mit den Hinweisgebern auf. „Jedes Detail kann wichtig für das Gesamtbild sein. Der Kontakt ist allein schon deshalb für mich wichtig, weil jedes Gespräch die Zeit von damals widerspiegelt“, sagt Muckel.

Zur Handlung des Films verrät Muckel wenig. Dass er aber dabei ist, den „einen oder anderen namhaften Schauspieler“ zu gewinnen, lässt er durchblicken; ebenso, dass noch in diesem Monat Statisten verpflichtet werden, die kleine Rollen bei den im kommenden Jahr beginnenden Hauptdreharbeiten übernehmen sollen. Zum Ende des Jahres will Muckel mit einem Teaser für sein Projekt werben.

Nachrichten-Ticker