Falsche Handwerker im Münsterland unterwegs
Wie man sich vor Betrug und Wucherpreisen schützen kann

Münsterland -

Wer im Handy mit zittrigen Fingern die Telefonnummer eines Sanitärbetriebs sucht, während die Küche voll Wasser läuft, der macht schon mal Fehler. Und die können teuer werden. Mit etwas Vorbereitung lässt sich aber viel Ärger vermeiden.

Mittwoch, 18.09.2019, 07:40 Uhr aktualisiert: 18.09.2019, 07:50 Uhr
Wer wegen eines Wasserrohrbruchs, Wespen oder einer zugefallenen Tür gestresst im Netz einen Fachmann sucht, der sollte ein paar Regeln beachten – sonst könnte die Hilfe teuer werden. Foto: via www.imago-images.de

Die beiden Männer, die in der Küche von Brian Bloch das verstopfte Siphon reinigen sollten, waren „beeindruckend laut und unordentlich“. Wenn es nur das gewesen wäre. Der Mitarbeiter der Uni Münster hat für den Einsatz der beiden Männer 900 Euro bezahlt. Viel Geld für wenig Nutzen: Zwei Tage nach dem Besuch war das Spülbecken wieder verstopft. Erfahrungen wie diese macht nicht nur Brian Bloch. Immer wieder erleben Betrugsopfer, dass sie von falschen Handwerkern ausgetrickst werden.

Vermeintliche Wespenbekämpfer 

In Altena haben vermeintliche Wespenbekämpfer eine Frau um mehrere Tausend Euro betrogen. Sie hatte die angebliche Firma für Schädlingsbekämpfung im Internet gefunden. Zwei Männer verspritzten eine unbekannte Substanz und stellten dann die Rechnung. Die Flüssigkeit hinterließ gelbe Schlieren. Die Wespen surrten weiter.

In Gronau hat eine Frau nach einem Wasserrohrbruch eine Firma vor Ort angerufen. Glaubt sie. Tatsächlich landet sie mit der Telefonnummer, die sie im Netz gefunden hat, nicht bei der Firma – auch wenn ein Mann am anderen Ende der Leitung das zunächst zu bestätigen schien –, sondern in einem anderen Betrieb. Zwei Stunden später erschienen zwei Unbekannte und kassierten eine höhere dreistellige Summe, bevor sie einen Saugwagen holen wollten. Den bekam die Frau nie zu sehen. Genauso wie die beiden Männer.

Großes Dunkelfeld

Allein in diesem Jahr haben falsche Handwerker 23 Menschen im Münsterland betrogen. Das hat die Polizei auf Anfrage unserer Zeitung berichtet. Die Täter ziehen entweder von Tür zu Tür und bieten verschiedene Leistungen an: etwa die Reparatur des Daches oder die Reinigung der Terrasse. Oder Ratsuchende mit einem Wasserrohrbruch oder einem Wespennest landen im Internet bei Gaunern.

Immerhin: Die Polizei hat keinen Anstieg und keine Häufung festgestellt. Allerdings geht Polizeisprecher Andreas Bode von einem großen Dunkelfeld aus: „Vermutlich melden sich viele Opfer gar nicht erst bei uns – aus Scham, auf so eine Masche hereingefallen zu sein.“

Anwältin eingeschaltet

Bloch hat eine Rechtsschutzversicherung. Er versucht nun über eine Kontopfändung, sein Geld zurückzubekommen. „Wir müssen uns nicht geschlagen geben“, sagt er. Glück war, dass ihm einer der Handwerker einen Ausdruck in die Hand drückte, auf dem er sehen konnte, wo sein Geld hinging: zu einem Schlüsseldienst in Gronau. Nun kümmert sich die Anwältin Dominika Bednarczyk um den Fall. Sie sagt: „Ein Prozess macht nur dann Sinn, wenn man über den Namen und eine ladungsfähige Anschrift des Geschäftspartners verfügt.“ Die hinterlassen die Täter aber in der Regel nicht.

Bloch wurde erst skeptisch, als die Handwerker seine Wohnung in Münster wieder verlassen hatten. Im Netz bezeichneten andere Opfer den Betrieb als Abzocker. Als das Spülbecken nach zwei Tagen wieder verstopft war, kam ein Handwerker, den ihm der Hausmeister empfohlen hat. Der erledigte den Job in wenigen Minuten und nahm dafür 100 Euro. Er erklärte, dass die Betrüger falsches Werkzeug verwendet hatten und dass Bloch die Polizei rufen soll. 

Tipps gegen falsche Handwerker
  • Polizei, Verbraucherzen­tralen und Anwälte raten auch in Stresssituationen zu Vorsichtsmaßnahmen, um nicht auf falsche Handwerker hereinzufallen.
  • Erstellen Sie eine Liste mit zuverlässigen Unternehmen. Die lässt sich auch im Handy gut speichern und steht so jederzeit zur Verfügung. Dann ist bei Stress keine mühsame Suche nach einem Handwerker mehr nötig.
  • Schon am Telefon sollten Kunden den Preis und die Anfahrtskosten absprechen und sich idealerweise per Mail zuschicken lassen.
  • Seriöse Firmen verlangen kein Bargeld, sondern stellen eine Rechnung. Spätestens, wenn die Betrüger drohen, weil ihre Kunden nicht bar bezahlen wollen, sollte klar sein, dass ihre Interessen nicht lauter sind. Dann ist auch ein Anruf bei der Polizei sinnvoll.
  • Verbraucher sollten sich die Webseiten der Handwerker-Notdienste genau anschauen. Fehlt das Impressum oder ist dort nur der Name und eine Handynummer angegeben, sollten Verbraucher den Anbieter nicht kontaktieren. Das Impressum verrät auch, den Sitz eines Anbieters.
  • Seriöse Firmen kommen nicht von Tür zu Tür. „Ein Großteil der reisenden Täter führt nichts Gutes im Schilde,“ sagt Polizeisprecher Andreas Bode.
  • Handwerker, die unaufgefordert auftauchen, sollten nicht in die Wohnung gelassen werden. „Manchmal kundschaften die die Wohnung für einen späteren Einbruch aus oder lassen Wertgegenstände mitgehen“, sagt Bode.
...
Nachrichten-Ticker