Prozess: Zwei Kaufleute vor Gericht
Schaden von knapp 450.000 Euro

Rheine/Altenberge/Nottuln -

Es kommt einiges zusammen: Zwei Kaufleute aus Altenberge und Nottuln sollen 33 Kunden um knapp 450 000 Euro betrogen haben. Das Schöffengericht am Amtsgericht Rheine verhandelt die Vorwürfe.

Montag, 14.10.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 14.10.2019, 19:23 Uhr
(Symbolbild).  Foto: Peter Steffen/dpa

Zwei Kaufleute aus Altenberge und Nottuln im Alter von 48 und 56 Jahren müssen sich wegen des Vorwurfes des Betruges seit Freitag vor dem Schöffengericht in Rheine verantworten. Laut Anklage sollen sie zwischen Dezember 2014 und dem 1. Juni 2016 einen schwunghaften Handel mit wertvollen Bertelsmann-Büchern, zum Teil mit Faksimile, betrieben und dabei 33 Kunden um knapp 450.000 Euro betrogen haben.

Der 48-Jährige Geschäftsführer eines Investitions-Unternehmens aus Altenberge fiel bei der Stadtsparkasse Steinfurt wegen der Kontoverdichtung mit Eingängen zwischen 200.000 und 300.000 Euro innerhalb kurzer Zeit und Rückforderungen hoher Beträge von seinem Konto auf. Die Sparkasse schaltete die Polizei ein.

Bevor das Gericht in die Beweisaufnahme einstieg, beantragten die Verteidiger ein Rechtsgespräch, bei dem ein Strafmaß zur Bewährung ausgehandelt werden sollte. Dieses Gespräch verlief jedoch ergebnislos.

Das Betrugs-Schema:

Die einzelnen Taten bei diversen Bertelsmann-Kunden – hauptsächlich im Ruhrgebiet, eine in Nottuln – verliefen laut Anklage alle nach einem Schema: Die Angeklagten sollen mal gemeinsam, aber auch allein, unangemeldet an den Häusern geklingelt und sich als Bertelsmann-Mitarbeiter oder freie Handelsvertreter ausgegeben haben. Das öffnete ihnen die Tür. Im Anschluss boten sie den Besitzern von Enzyklopädien an, ihre Bücher zu verkaufen. Zugleich drangen sie auf den Kauf weiterer Bücher, die sie dann verkaufen wollten, wobei sie den Betroffenen hohe Gewinnbeträge in Aussicht stellten.

Der polizeiliche Ermittler sagte am Freitag als Zeuge vor Gericht: „Die Geschädigten wohnen fast alle außerhalb. Sie wollten ihre Bücher verkaufen und hatten eigentlich kein Interesse an Neukäufen. Der Angeklagte aus Altenberge ist sehr redegewandt und hat das Gespräch geschickt auf weitere Geschäfte gelenkt.“

Hohe Kredite aufgeschwatzt

Er habe die Bücher, die zum Teil noch original-verpackt gewesen seien, mitgenommen und den Kunden hohe Kredite zwischen 10.000 und 15.000 Euro für weitere Geschäfte aufgeschwatzt. Im Anschluss legte er ihnen einen Kaufvertrag vor, den die Kunden unterschrieben. Damit waren sie verpflichtet, was der Kaufmann als Druckmittel genutzt haben soll. Die Kreditbeträge wurden auf sein Konto überwiesen. Der Mitangeklagte aus Nottuln stellte Provisionsrechnungen von insgesamt 96.000 Euro aus, so die Anklage.

Um die Kunden bei Laune zu halten und ihre eigene Seriosität glaubhaft zu machen, überwies der Geschäftsmann aus Altenberge in vielen Fällen 1500 Euro aus dem angeblichen Erlös des Verkaufes. Tatsächlich sollen die Angeklagten aber Bücher und Geld behalten und nie die Absicht gehabt haben, die versprochenen Geschäfte abzuwickeln.

► Die Vorsitzende des Schöffengerichts legte insgesamt acht Fortsetzungstermine fest. Das Urteil soll danach am 20. Dezember dieses Jahres verkündet werden. Nächster Verhandlungstermin ist der 18. Oktober, dann mit Zeugen.

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