Er fährt und fährt und fährt
Karl Schabhüser (93) hat seinen Lkw-Führerschein verlängern lassen

Warendorf -

Heute wird Karl Schabhüser 93 Jahre alt, und für seine Familie hat er eine Überraschung in der Hand: Der Warendorfer hat sich durchchecken lassen, „die Ärzte haben nix gefunden“. Und weil er auch alle Schulungen nachweisen konnte, hat er seinen Lkw-Führerschein verlängert. So kann er weiter in der Spedition seiner Tochter aushelfen. Denn hinterm Steuer der 40-Tonner – da ist er frei.

Samstag, 26.10.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 27.10.2019, 11:29 Uhr
Karl Schabhüser und ein 40-Tonner: Der Warendorfer sitzt auch mit 93 Jahren noch hinterm Steuer.

Seinen Führerschein hat „Schabbi“, wie ihn in Warendorf alle nennen, 1951 gemacht. Alle drei Klassen in einem Rutsch: Motorrad, Auto, Lkw. Ein Motorrad hat er sich auch gleich gekauft und ist regelmäßig mit seinen Freunden über den Nürburgring geflitzt. In einer Wohnzimmer-Vitrine zeugt ein Schwarz-Weiß-Foto von diesen Touren durch die „Grüne Hölle“.

Beruflich verschlug es den gebürtigen Milter nach dem Krieg zunächst in eine Fa­brik. Auch seine Frau arbeitete dort, der Verdienst war eh gut und dann noch doppelt: „Wir haben gelebt wie die Fürsten.“ Doch der junge Karl wollte raus. „Ich hatte keinen Bock mehr, eingesperrt zu sein“, erinnert er sich heute. Also bewarb er sich als Fahrer bei einer Spedition. „Da steht nicht der Alte hinter dir mit einem Knüppel in der Hand“, erklärt er seine Liebe zum Trucker-Job. „Wenn du eingestiegen bist, bist du frei, dann hat der Boss nichts mehr zu sagen.“

Mit 28 Jahren kletterte er auf den Bock. Das war 1954. Bis heute ist er nicht wieder runtergestiegen.

Mit 65 Jahren in Rente - zunächst jedenfalls

Dabei ist Karl Schabhüser mit 65 Jahre zunächst in Rente gegangen, also vor 28 Jahren. „Aber das habe ich nicht lange ausgehalten.“ Der Rentner fuhr wieder los, flüssige Lebensmittel quer durch Europa. „Ich war oft wochenlang unterwegs.“ Allein, aber eben frei. Fast 20 Jahre ging das so, dann trat Schabhüser mit Mitte 80 kürzer. Nicht, weil er nicht mehr gewollt oder gekonnt hätte. Nein: „Ich musste zu viele Steuern bezahlen.“ Und sein Gehalt wurde auf die Rente angerechnet.

Dafür fand sich eine Lösung: der steuerfreie Minijob. Karl Schabhüser fuhr weiter, aber eben nur noch gelegentlich, etwa wenn am Montagmorgen die anderen Lkw-Fahrer nicht losdurften, weil ihre vorgeschriebene Ruhezeit noch nicht lang genug war.

Besuch bei Saxofon-Schüler Karl Schabhüser (91)

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  • 171019-21

    Zusammen mit Musiklehrerin Eva Karger übt Karl Schabhüser jeden Donnerstag.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die Puste geht ihm auch mit 91 Jahren nicht aus.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Eins seiner Lieblingsstücke: "California Blue".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Zuhause im Wohnzimmer steht auch ein Keyboard.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier

„Ab und an, wenn ich Lust habe, fahre ich noch“

Heute hilft der 93-Jährige gelegentlich in der Spedition seiner Tochter in Ennigerloh aus. „Ab und an, wenn ich Lust habe, fahre ich noch“, erklärt Schabhüser. Er macht Besorgungen oder bringt Sattelschlepper in die Werkstatt. „Ich fahre noch genau so gut wie früher“, ist er sicher. „Ich springe in den Sattelzug wie ein junger Kerl.“

Fahrerlaubnis für weitere fünf Jahre

Das zu glauben, reicht freilich nicht, um mit 400 PS und 40 Tonnen über die Straßen zu donnern. Schabhüsers Führerschein war bis zu seinem 93. Geburtstag befristet. Aber der rüstige Rentner, der mit knapp 90 Jahren noch mit dem Saxofonspielen angefangen hat, wollte es noch einmal wissen. Augenarzt, Ohrenarzt, Knochenarzt, Hausarzt – „die Ärzte haben nichts gefunden, ich bin kerngesund.“ Und weil er auch mit den Schulungsmodulen wie Ladungssicherung, Fahrsicherheit und Erste Hilfe auf dem Stand war, reichte er seine Unterlagen noch einmal ein – und bekam für weitere fünf Jahre die Fahrerlaubnis für Lastkraftwagen. Dann ist er 98.

Dass das mancher, vorsichtig formuliert, kritisch sieht, ist dem Warendorfer bewusst. Aber für ihn ist klar: „Wenn ich merke, dass ich das nicht mehr so gut kann, dann lasse ich es sein!“ Vielleicht geht er dann in den Ruhestand, mit 95 oder so.

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