57-Jähriger prüft Flugschüler
Thomas Schelenz ist der Herr der Lüfte

Münster -

Thomas Schelenz hebt regelmäßig ab – sowohl als Privatpilot in seiner Freizeit als auch beruflich. Der Mitarbeiter der Bezirksregierung Münster nimmt Flug-Prüfungen ab. Im Cockpit behält er stets einen kühlen Kopf. Durch seine gelassene Art macht er „seinen“ Schülern Mut.

Sonntag, 03.11.2019, 16:18 Uhr aktualisiert: 03.11.2019, 17:50 Uhr
Fluglehrer Thomas Schelenz liebt es, als Pilot unterwegs zu sein. Foto: privat

Mit flinken, aber dennoch bedachten Bewegungen drückt Thomas Schelenz eine Vielzahl bunter Knöpfe im Cockpit. Dann legt er in der Arrow II einen Schalter um, ehe er an diversen Rädchen dreht. Dabei nuschelt er englische Begriffe in das Mikrofon an seinem Kopfhörer. Piloten-Jargon. Der 57-Jährige arbeitet eine Checkliste ab. Ganz routiniert. Und mit einer Engelsgeduld. So wie vor jedem Start. Doch heute hebt er für ein besonderes Treffen ab: Mit Burkhard und Tim Specht wollen Vater und Sohn ihre Privatpilotenlizenz erwerben. Und Thomas Schelenz wird sie prüfen.

Es ist ein sonniger, windstiller Herbstmorgen. „Perfektes Prüfungswetter“, erklärt der Mitarbeiter der Bezirksregierung Münster, während wir vom Flugplatz Borkenberge in Richtung Bielefeld fliegen. Dort gelandet, warten bereits Burkhard und Tim Specht. Mit einem kräftigen Händedruck begrüßt Thomas Schelenz jeden seiner Prüflinge. Ob sie nervös sind? „Heute Morgen war ich aufgeregter“, winkt der 19-Jährige ab. Papa Burkhard (53) lacht derweil verschmitzt.

Ein Jahr lang gepaukt

Ein Jahr lang haben die Spechts gepaukt – Luftrecht, Meteorologie, Navigation und vieles mehr. Zusätzlich standen Flugstunden auf dem Plan. Ihre Theorieprüfungen haben die beiden Hobby-Piloten im Frühjahr mit Bravour ge­meistert. Nun müssen sie beweisen, dass sie im Cockpit die Nerven bewahren und ein Flugzeug sicher durch die Luft manövrieren können.

Thomas Schelenz prüft Flugschüler

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    Burkhard Specht macht die Piper Archer III startklar für seinen Prüfungsflug.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Burkhard Specht macht die Piper Archer III startklar für seinen Prüfungsflug.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Thomas Schelenz lässt sich von Prüfling Tim Specht erklären, welche Route die zwei gleioch fliegen werden. Vater Burkhard hört aufmerksam zu. Schließlich ist er als nächstes dran.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Foto: Annika Wienhölter
  • Rund-um-Check vorm Abheben: Thomas Schelenz kontrolliert mit Prüfling  Tim Specht, ob die 152er Cessna abflugbereit ist. Vater Burkhard beobachtet das Treiben.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Rund-um-Check vorm Abheben: Thomas Schelenz kontrolliert mit Prüfling  Tim Specht, ob die 152er Cessna abflugbereit ist. Vater Burkhard beobachtet das Treiben.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Rund-um-Check vorm Abheben: Thomas Schelenz kontrolliert mit Prüfling  Tim Specht, ob die 152er Cessna abflugbereit ist. Vater Burkhard beobachtet das Treiben.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Rund-um-Check vorm Abheben: Thomas Schelenz kontrolliert mit Prüfling  Tim Specht, ob die 152er Cessna abflugbereit ist. Vater Burkhard beobachtet das Treiben.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Rund-um-Check vorm Abheben: Thomas Schelenz kontrolliert mit Prüfling  Tim Specht, ob die 152er Cessna abflugbereit ist. Vater Burkhard beobachtet das Treiben.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Rund-um-Check vorm Abheben: Thomas Schelenz kontrolliert mit Prüfling  Tim Specht, ob die 152er Cessna abflugbereit ist. Vater Burkhard beobachtet das Treiben.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Rund-um-Check vorm Abheben: Thomas Schelenz kontrolliert mit Prüfling  Tim Specht, ob die 152er Cessna abflugbereit ist. Vater Burkhard beobachtet das Treiben.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Vorbereitungen im Cockpit der 152er Cessna: Prüfer Thomas Schelenz (l.) und Flugschüler Tim Specht führen letzte Checks vorm Abheben durch.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Vorbereitungen im Cockpit der 152er Cessna: Prüfer Thomas Schelenz (l.) und Flugschüler Tim Specht führen letzte Checks vorm Abheben durch.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Da steigt sie gen Himmel: die 152er Cessna mit Tim Specht und Prüfer Thomas Schelenz.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Burkhard Specht macht die Piper Archer III startklar für seinen Prüfungsflug.

    Foto: Annika Wienhölter
  • Burkhard Specht macht die Piper Archer III startklar für seinen Prüfungsflug.

    Foto: Annika Wienhölter

Doch zunächst schlendert das Trio ins Gebäude des Luftsportvereins (LSV) Bielefeld-Gütersloh gleich neben dem Tower. Dort lässt sich Thomas Schelenz von Tim erklären, welche Route die beiden gleich mit der 152er Cessna zurücklegen werden. Souverän erläutert der Abiturient die Wetterprognose und allerhand Zahlen aus diversen Tabellen. Er spricht über Flughöhen, Geschwindigkeiten und den errechneten Kraftstoffverbrauch. Es geht um Starts, Steil­kurven und Landungen. Thomas Schelenz hört aufmerksam zu. Durch seine Lesebrille verfolgt er mit den Augen Tims Finger, mit denen er hin und wieder über eine der Karten fährt, die vor den Männern ausgebreitet auf dem Tisch liegen. Der 57-Jährige nickt mehrfach zustimmend: „Da bin ich ganz bei Ihnen.“

Wenn ich meine Kinder guten Gewissens mit ihm mitfliegen lassen würde, dann hat er bestanden.

Thomas Schelenz

Die Devise des Oer-Erkenschwickers: „Ich möchte den Prüflingen die Nervosität nehmen“, hat Thomas Schelenz bereits vor dem Treffen mit den Spechts verraten. Folgerichtig sagt er jetzt mit ruhiger, aber bestimmter Stimme zu Tim: „Ich prüfe niemanden tot. Keine Sorge. Wir fliegen gemeinsam, wir beackern den Luftraum zusammen.“ Worauf Thomas Schelenz achtet? „Ich bewerte stets das Gesamtverhalten des Piloten“, bringt es der Mitarbeiter der Bezirksregierung auf den Punkt. Sein wichtigstes Kriterium: „Wenn ich meine Kinder guten Gewissens mit ihm mitfliegen lassen würde, dann hat er bestanden.“ Ohnehin müsse er „nur ganz selten“ eine Prüfung abbrechen, berichtet der erfahrene Pilot und nennt zur Einordnung eine Quote von „maximal vier Prozent“. Tim wirkt nun noch entspannter als zuvor.

Nächste Aufgabe: ein Check der 152er Cessna, die draußen neben der Tanksäule parkt. Funktionieren alle Lichter? Ist genug Sprit drauf? Wie sieht’s mit Hydraulikflüssigkeit und Öl aus? Auspuff, Bremsen, Triebwerke, Tragflächen, Fahrwerk und Co. – alles in Schuss? Der 19-Jährige kann keine Mängel feststellen. Thomas Schelenz gibt ihm mit einem Kopfnicken recht. Und so sitzen die beiden wenig später in dem motorisierten Zweisitzer. Nach weiteren Kontrollen lässt Tim die Maschine auf die Startbahn rollen – und gen Himmel steigen. Es dauert nicht lange, bis der Flieger am Horizont verschwindet.

Schon als Kind am Flugplatz

Thomas Schelenz selbst ist von seiner ältesten Tochter dazu ermutigt worden, seine Privatpilotenlizenz zu erwerben. „Eigentlich wollte ich 2001 einen Motorradführerschein ­machen. Sie fand das zu gefährlich und meinte, ich sollte lieber fliegen“, erinnert sich der vierfache Familienvater und schmunzelt. Das war naheliegend: Schon als Dreijähriger hat er voller Begeisterung am Flugplatz in Marl am Zaun gestanden, um das Treiben am Boden und am Himmel zu verfolgen. Später widmete er sich Modellflugzeugen und ist somit – wie er es ausdrückt – „im Kleinen gestartet“.

Heute möchte er das Gefühl des Fliegens nicht mehr missen. Was ihn daran fasziniert, frage ich ihn, als wir durch die Luft ­rauschen, über uns die Wolken, unter uns Häuser, Felder,Straßen, Wälder und Seen? „Schauen Sie raus! Der Blick nach draußen – Wahnsinn“, schwärmt er, während er dievielen Rädchen, Schalter und Anzeigen beobachtet und nebenbei über seinen Kopfhörer den Funk mithört. Und auch das begeistert den studierten Elektrotechniker: „Man muss zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Knopf drücken, immer alles im Blick und im Griff haben. Da ist Präzision gefragt.“

Traum von Südafrika

Gegen Abend ist klar: Sowohl Tim als auch Burkhard, der seinen Prüfungsflug am Nachmittag in einer Piper Archer III absolviert hat, haben im Cockpit alles im Blick und im Griff. Thomas Schelenz gratuliert ihnen zu den bestandenen Prüfungen. Die Spechts freuen sich riesig, wissen aber auch: „Wir müssen am Ball bleiben.“ Deshalb sind Tim und Burkhard längst Mitglieder im Luftsportverein (LSV) Bielefeld-Gütersloh, der Junior betreut sogar die Homepage. Ihr Plan: Wenn der 19-Jährige im Oktober sein Zahnmedizin-Studium in Hannover beginnt, wollen seine Eltern ihn regel­mäßig mit dem Flugzeug besuchen. Außerdem hegt das Duo einen Traum: „Einmal in Südafrika fliegen“, berichtet Burkhard mit einem freudigen Funkeln in den Augen.

Doch nicht nur die frisch gebackenen Privatpiloten haben Ziele. Auch Thomas Schelenz, der bereits allerhand Lizenzen besitzt und so manche außergewöhnliche Maschine durch die Luft gesteuert hat, möchte sich im kommenden Jahr einen Herzenswunsch erfüllen: Am Comer See wird er ein Wasserflugzeug abheben lassen – und sicher wieder landen. „Das schiebe ich schon so lange vor mir her, jetzt muss ich das einfach endlich machen.“ Während der 57-Jährige das sagt, huscht ein Lächeln über sein Gesicht, ehe er sich wieder voll und ganz auf die Cockpit-Technik konzentriert. Kein Zweifel: Für Thomas Schelenz ist Fliegen das Schönste.

Thomas Schelenz hebt regelmäßig ab –sowohl als Privatpilot in seiner Freizeit alsauch beruflich. Der Mitarbeiter der Bezirksregierung Münster nimmt Flug-Prüfungen ab. Im Cockpit behält er stets einen kühlen Kopf. Durch seine gelassene Art macht er „seinen“ Schülern Mut.

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