Prozess am Landgericht
Angeklagte zeigen sich geständig

Lüdinghausen/Münster -

Ein 22-jähriger Lüdinghauser sowie ein junger Mann aus Olfen müssen sich seit Montag vor dem Landgericht Münster wegen Betäubungsmittelbesitz und -handel verantworten. Am zweiten Tag des Prozesses räumten beide die ihnen zur Last gelegten Taten ein. Die Erfahrung in der Untersuchungshaft hat sie dazu bewogen.

Samstag, 02.11.2019, 16:00 Uhr aktualisiert: 04.11.2019, 15:18 Uhr
(Symbolbild)  Foto: dpa

Zwei junge Männer aus Lüdinghausen und Olfen, die sich seit Montag – wie berichtet – wegen Betäubungsmittelbesitz und -handel vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Münster verantworten müssen, haben am zweiten Prozesstag vollumfänglich ihre Taten eingeräumt. Die Bereitschaft, vor Gericht die Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen, ist laut Aussagen von beiden Angeklagten auf die Erfahrung in der Untersuchungshaft zurückzuführen, die „etwas bewirkt“ habe und ihnen „eine Lehre“ sei.

Gemäß der Anklageschrift gestanden die jungen Männer fünf Taten. Sie hatten zwischen 200 und bis zu 1500 Gramm Marihuana angekauft und mit einem Aufschlag von einem Euro pro Gramm weiterverkauft.

Der Konsum wirkt sich wie eine Stopptaste im Leben vieler Jugendlicher aus.

Die Sachverständige zum Marihuana-Konsum

Den Einstieg in den Drogenhandel begründete der 22-Jährige mit der Finanzierung seines eigenen Konsums. Der Suchtdruck des Berufsschülers, der vor seiner Inhaftierung noch täglich fünf bis sieben Gramm Marihuana konsumierte, sei dabei so hoch gewesen, dass sich sein Leben völlig auf die Verfügbarkeit von Betäubungsmitteln eingeengt hatte. Das Marihuana stammte dabei von albanischen Drogenhändlern aus Gelsenkirchen oder von einem Havixbecker Dealer. Letzterer hatte, nachdem er im März dieses Jahres überfallen worden war, in seinem eigenen Prozess umfangreich ausgesagt, wodurch die Strafverfolgungsbehörden überhaupt auf die Aktivitäten der nun Angeklagten aufmerksam geworden waren. „Das ist ein ziemlich großer Komplex. Da hängt viel dran“, erklärte der Vorsitzende Richter während der Verhandlung.

Für den 22-Jährigen aus Lüdinghausen wird es im Folgenden noch darum gehen, ob bei seinen Taten Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht angewendet wird. Diesbezüglich stimmten der Vertreter der Jugendgerichtshilfe und die psychologische Gutachterin darin überein, dass bei dem Angeklagten eine Entwicklungsverzögerung aufgrund seines hohen Marihuana-Konsums anzunehmen ist. „Der Konsum wirkt sich wie eine Stopptaste im Leben vieler Jugendlicher aus“, erklärte die Sachverständige. Diese schloss – anders als die Jugendgerichtshilfe – die Angemessenheit des Erwachsenenstrafrechts jedoch nicht aus.

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