Ethikforum der Ärztekammer zum Thema Gentest
Mediziner in der Pflicht

Münster -

Der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, hat zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit vorgeburtlichen Gentests aufgerufen. Bei allem Segen, den der medizinische Fortschritt böte, müsse die Gesellschaft Antworten auf die Frage finden, wie „wir zukünftig mit Krankheit und Behinderung umgehen“.

Donnerstag, 07.11.2019, 07:20 Uhr
Dr. Theodor Windhorst Foto: Gunnar A. Pier

Mediziner in Deutschland müssen verantwortungsvoller mit den medizinischen Möglichkeiten von pränatalen Gentests umgehen. Das hat der Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, Dr. Theodor Windhorst, am Mittwoch im Vorfeld des diesjährigen Ethikforums der Kammer gefordert.

Das Forum befasste sich in diesem Jahr mit dem Thema „Nichtinvasive Untersuchungsmethoden zur Feststellung von Trisomie 21“. „Wir Ärzte tendieren immer mehr zu einer Knopfdruck-Therapie“, sagte Windhorst, der sich bei den Kammerwahlen Ende November nicht mehr zur Wiederwahl stellt. „Die Begleitung in existenziellen Fragen kommt zu kurz.“

Neun von zehn Embryonen abgetrieben

Der medizinische Fortschritt lasse sich weder aufhalten noch geheim halten noch verbieten. Wenn die immer weiter voranschreitende Gendiagnostik sehr genaue Aussagen über den Gesundheitszustand von Neugeborenen ermöglicht, werden diese auch zunehmend in Anspruch genommen, sagte Dr. Bernd Hanswille, der Vorsitzende des Arbeitskreises Ethik-Rat der Ärztekammer Westfalen-Lippe.

„Die Gesellschaft, Betroffene und Ärzte müssen sich mit den Ergebnissen auseinandersetzen.“ Bei einer Trisomie-21-Diagnose, werden gegenwärtig in Deutschland neun von zehn Embryonen abgetrieben.

Hohes Maß an ethischem Bewusstsein

Windhorst bezeichnete es als eine gesamtgesellschaftliche Frage, „wie wir künftig mit Krankheit und Behinderung umgehen“ und warnte vor einem Automatismus von vorgeburtlicher Prognose einer Behinderung und Schwangerschaftsabbruch. In Deutschland werden derzeit neun von zehn Embryonen abgetrieben, wenn die vorgeburtliche Diagnose Trisomie 21 lautet.

Es dürfe nicht sein, dass Kinder mit einer Behinderung „in der Gesellschaft als vermeidbares Übel angesehen werden“. Hier bräuchten gerade Ärzte ein hohes Maß an ethischem Bewusstsein. Ihre Aufgabe sei es, „ergebnisoffen darüber zu informieren, was eine Behinderung bedeutet“.

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