Neue Form der Betreuung
Demenz betrifft auch junge Menschen

Warendorf -

Demenz ist keine Erkrankung nur für die Menschen ab 80 Jahren. Im Gegenteil erkranken immer mehr schon ab 40 daran. Gängige Betreuungsangebote passen da nicht. Ein Verein will das in Warendorf ändern. „Liebenswert – Lebenswert“ heißt er.

Montag, 11.11.2019, 16:34 Uhr aktualisiert: 11.11.2019, 16:40 Uhr
2. Vorsitzende Petra Fehmer, Vorsitzende Marie-Theres Kastner und Kassenwartin Angela Bruhne (v.l.) wollen jüngere demenziell erkrankte Menschen betreuen. Foto: Jörg Pastoor

Für viele ist Demenz vor allem eine Alte-Leute-Krankheit. Für die Vergessenden ist der Rückgriff auf jahrzehntealte Erinnerungen wichtig – da kann schon ein gemeinsam gesungenes Volkslied aus Kindertagen vor sich hin dämmernde Senioren zum Lächeln bringen. Und was, wenn ein Mittvierziger das gar nicht kennt, aber ebenfalls dement ist?

Tendenziell fallen immer mehr Erkrankte zwischen 40 und 75 Jahren durch die Maschen des Betreuungsnetzes, weil das meist eben für Ältere ausgelegt ist. Die Gründerinnen eines neuen Warendorfer Vereins wollen diese Maschen enger machen. „Liebenswert – Lebenswert“ ist gerade ein paar Tage alt.

Wir sind keine Konkurrenz zu anderen Angeboten.

Sonja Schoppmann

Das Problem liegt auf der Hand, spielt in der gesellschaftlichen Diskussionen aber kaum eine Rolle. Auch weil Partner und Verwandte es aus Scham nicht thematisieren oder verdrängen. Wenn eine Betreuung zu Hause die Kraft übersteigt, wäre der Weg ins Heim naheliegend. Aber es gebe kaum altersgerechte Angebote, sagen Vorsitzende Marie-Theres Kastner und ihre Mit-Initiatorinnen, von denen Vize-Vorsitzende Petra Fehmer, Kassenwartin Angela Bruhne und Fachfrau Sonja Schoppmann Montag im Hotel Im Engel die Öffentlichkeit suchten. Die Folge:  „Diese Patienten leben überdurchschnittlich lange zu Hause“, sagt Marie-Theres Kastner. Dort wird es dann schwierig. Eine Facette der Erkrankung kann Aggressivität sein, oder „unangepasstes Verhalten“. Das kann darin bestehen, dass ein Mensch spontan Lust hat, sich in einem Café auszuziehen. Oder Möbel aus dem Fenster werfen muss. Oft ziehen sich betroffene Partner und Familien zurück; die Isolation macht alles nicht besser.

Etablierte Betreuung eher auf ältere Menschen zugeschnitten

Der „Liebenswert – Lebenswert e.V.“ will nun zunächst samstags ein professionell betreutes Angebot machen. Ziel ist die stundenweise Entlastung für pflegende Angehörige, die so auch Kontakt und Austausch zu anderen bekommen. Die Erkrankten sollen individuell betreut werden. Es geht um mehr Lebensqualität. „Wir sind keine Konkurrenz zu anderen Angeboten“, betont Schoppmann.

Die Diplom-Pflegewirtin und ihr Team sind überzeugt von der Idee, die es so hier kaum gebe. Ein Beispiel haben sie sich in München angeschaut. In Gesprächen im Fachministerium, beim Kreis und der Stadt habe es durchweg positive Rückmeldungen gegeben. Damit ist auch ein Teil der Kosten klar; einen Teil tragen die Angehörigen.

Fehlt nur noch eine Bleibe für den Start, doch erste Angebote von Immobilienbesitzern prüft der Vorstand. Mittelfristig soll dann eine ambulant betreute Wohngemeinschaft demenziell Betroffener entstehen.

Bis dahin ist unter anderem eine offene Diskussion über das Thema auf der Tagesordnung. Die erste Informationsversammlung ist Dienstag, 19. November, von 19.30 Uhr an im Hotel Im Engel.

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