Versuchte Mordanschläge
Anklage beantragt zehn und 25 Jahre Haft

Almelo/Gronau -

Die Staatsanwaltschaft hat am Montag zehn Jahre und sieben Monate Haft gegen den 25-jährigen Maurits R. beantragt. Er soll mehrere Anschläge verübt haben, darunter auch den in Gronau im Mai 2017. „Man kann von einem Wunder sprechen, dass es keine Toten gegeben hat“, so die beiden Staatsanwälte am Montag während des Prozesses vor dem Gericht in Almelo.

Dienstag, 12.11.2019, 09:00 Uhr aktualisiert: 12.11.2019, 09:17 Uhr
Der Tatort an der Eper Straße in der Nacht zum 24. Mai 2017. Wegen des Attentats auf einen 48-Jährigen muss sich Maurits R. vor dem Gericht in Almelo verantworten. Er soll Schüsse auf den Mann abgefeuert und ihn dadurch schwer verletzt haben. Foto: Martin Borck

R. übernahm 2017 offenbar eine Liste mit Mordaufträgen von seinem Bruder Henri W. (38). Der war in Zusammenhang mit früheren Anschlägen festgenommen worden. Gegen W. wurden 25 Jahre Haft beantragt. Derzeit sitzt er schon Strafen wegen vorheriger Verurteilungen ab.

Auch Maurits R. ist bereits wegen mehrerer Brandanschläge in Almelo zu 16 Jahren Haft verurteilt worden. Deshalb fällt das gegen ihn beantragte Strafmaß niedriger aus als das von seinem älteren Bruder. Die Brandanschläge waren aus dem Gesamtverfahren herausgelöst und gesondert behandelt worden. Wäre das „Gesamtpaket“ zur Anklage gekommen, hätte der Staatsanwalt die Höchststrafe von 26 Jahren gefordert – ein Strafmaß, das bei einer erneuten Verurteilung R.s erreicht würde.

Mann in Enschede angezündet

Der 38-jährige Henri W. ist wegen des Anzündens eines Mannes in Enschede angeklagt, außerdem wegen eines Liquidierungsversuchs. Außerdem soll er einen Anschlag auf eine Gaststätte vorbereitet haben.

Sein jüngerer Bruder soll nicht nur auf den Mann in Gronau geschossen haben. Er hat zudem laut Staatsanwaltschaft Schüsse auf drei Wohnungen in Enschede und Almelo sowie auf ein Clubgebäude abgefeuert. In den Wohnungen hielten sich Menschen auf.

Die Liste von Simo D.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass hinter den Anschlägen ein derzeit in Deutschland inhaftierter Mann steckt, Simo D. Ein Hintergrund ist offenbar ein Bandenkrieg um die Vorherrschaft auf dem regionalen Drogenmarkt. Der Bande von Simo D. kommt eine konkurrierende Gruppe um zwei weitere Mordverdächtige in die Quere; außerdem mischen Mitglieder der Outlaw-Motorradgang Satudarah mit. Ein weiterer Grund für einige der Anschläge ist offenbar Rache: Simo D. verdächtigt einen Nebenbuhler, Sex mit seiner Frau gehabt zu haben.

Laut Staatsanwältin Sandra Leusink hat Simo D. eine Liste erstellt. Darauf stehen die Namen von Menschen, die er aus dem Weg geräumt haben oder denen er eine ernste Warnung zukommen lassen wollte.

Angeklagter bestreitet

Leusink ist davon überzegt, dass R. es war, der die Wohnhäuser und den Club mit einem Maschinengewehr unter Feuer genommen hat. Auch für den Anschlag in Gronau soll er verantwortlich. Bei dem Mann, der dabei durch Schüsse schwer verletzt wurde, handelt es sich um den Bruder des Mannes, der mit D.‘s Frau Sex gehabt haben soll. Leusink wertete alle Taten (bis auf den Beschuss des Clubs, in dem sich niemand aufhielt) als Mordversuch.

Die Staatsanwälte sagten, die Anschläge hätten Unruhe und Angst verursacht. Die zunehmende exzessive Gewalt durch kriminelle Banden sei besorgniserregend. Die Opfer hätten ihr ganzes Leben an den Folgen zu tragen.

R. bestreitet nach wie vor, geschossen zu haben. Der Prozess wird fortgesetzt.

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