Dr. Ulrich Flotmann ist Ehrenamtlicher
Freizeit-Forscher unterstützen das Naturkundemuseum

Münster -

Die normalen Besucher lockt das Naturkundemuseum in Münster mit Dino-Skeletten, Sonderschauen und präparierten Tieren. Doch ein Großteil der Arbeit geschieht hinter den Kulissen. Hunderte Ehrenamtliche forschen – Dr. Ulrich Flotmann ist einer von ihnen.

Mittwoch, 04.12.2019, 08:00 Uhr aktualisiert: 04.12.2019, 08:06 Uhr
Der Blick ins Mikroskop kann Ulrich Flotmann begeistern: Der ehemalige Chefarzt engagiert sich als ehrenamtlicher Foto: Gunnar A. Pier

Auf der Glasscheibe unter dem Mikroskop liegt feinster Staub, aber Dr. Ulrich Flotmann (70) ist ganz begeistert. Denn wenn er durch die beiden Röhren des Vergrößerungsgeräts schaut, erkennt er winzige Teile von Schnecken, Insekten, Pflanzen. Die zu finden und zu bestimmen, ist das Ziel. Und sein größtes Hobby: Der Mediziner im Ruhestand engagiert sich als Ehrenamtlicher im LWL-Museum für Naturkunde.

Das Museum neben dem Zoo in Münster ist ein Publikumsmagnet, es lockt mit Dino-Skeletten, Sonderschauen und präparierten Tieren in der Dauerausstellung „Vom Kommen und Gehen – Westfälische Artenvielfalt im Wandel“. Doch der Kern der Arbeit, die hier geleistet wird, bleibt den meisten Besuchern in der Regel verborgen. Hier wird die Entwicklung der Tier- und Pflanzenwelt in Westfalen dokumentiert. 2,2 Millionen Exponate schlummern im klimatisierten Magazin – von kleinsten Käfern bis hin zu Wolf und Eisbär. Und es wird weiter gesammelt, archiviert, kartiert.

Diese Arbeit ist die DNA des Museums – sieben Wissenschaftler sind fest angestellt, darunter Museumsleiter Dr. Jan Ole Kriegs. Sie arbeiten zusammen mit mehreren Hundert ehrenamtlichen Freizeitforschern, die sie bei verschiedenen Forschungsprojekten unterstützen.

Interesse entstand im Familienurlaub

Das sind Neugierige wie Dr. Ulrich Flotmann. Der kam ganz zufällig zur paläontologischen Bodendenkmalpflege, für die er heute so viel Zeit investiert: Im Familienurlaub an der Ostsee fand er irgendwann ein Fossil am Strand. Er kaufte sich ein Buch dazu und fand heraus: Das ist einEchinocorys, ein versteinerter Seeigel. Fortan suchte Flotmann in der Freizeit gezielt nach Fossilien. Er stapfte über Äcker bei Bayreuth und hielt am Strand die Augen auf. „Man muss einen Blick dafür entwickeln“, sagt er. Dann findet man Dinge, die Millionen Jahre alt sind und noch niemand aufgehoben hat.

Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster

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    Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt unter anderem die Dauerausttellung "Vom Kommen und Gehen - Westfälische Artenvielfalt im Wandel".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Entree in die Ausstellung "Vom Kommen und Gehen - Westfälische Artenvielfalt im Wandel". Allen voran geht hier der Wasserbüffel.

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  • Modell eines Allosaurus

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Täuschend echt: ein Neandertaler.

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  • Deinonychus antirrhopus

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  • Bär

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  • Eisvogel

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  • Biber

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  • Ein etwa zweijähriger Wolf, der am 3. April 2017 nahe Petershagen angefahren wurde.

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  • Museumsmalerin Beatrix Clement malt die erstellt die Dioramen, die im LWL-Naturkundemuseum in Münster die Ausstellungen zieren.

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  • Das Museum befindet sich neben dem Allwetterzoo

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  • Das Entree in die Ausstellung "Vom Kommen und Gehen - Westfälische Artenvielfalt im Wandel". Allen voran geht hier der Wasserbüffel.

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  • Wolf

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  • Elch, lebte einst ebenfalls in Westfalen

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  • Das Entree in die Ausstellung "Vom Kommen und Gehen - Westfälische Artenvielfalt im Wandel". Allen voran geht hier der Wasserbüffel.

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  • Wollhaariges Mammut

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  • Ein Wolf

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  • Der seinerzeit letzte Wolf - geschossen am 19. Januar 1835 bei Ascheberg-Herbern.

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  • Ein etwa zweijähriger Wolf, der am 3. April 2017 nahe Petershagen angefahren wurde.

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  • Ein großer Bereich widmet sich Dinosauriern

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  • Allosaurus fragilis

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  • Deinonychus antirrhopus

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  • Tyrannosaurus rex

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  • Skelett eines etwa 20-jährigen Pottwal-Männchens

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  • Protorosaurus speneri

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  • Ambulocetus

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  • Longisquama insignis

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  • Modell eines Allosaurus

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  • Modell eines Allosaurus

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  • Anchirnis huxleyi

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  • Schneehase und Polarfuchs

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  • Fennek

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  • Museumsmalerin Beatrix Clement malt die erstellt die Dioramen, die im LWL-Naturkundemuseum in Münster die Ausstellungen zieren.

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  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier

Mediziner wollte etwas ganz Neues lernen

Als der Mediziner, der zuletzt Chefarzt der Klinik für Neonatologie und Kinderintensivmedizin am Franziskus-Hospital war, 2013 in den Ruhestand wechselte, machte er einen bewussten Schnitt und begann etwas ganz Neues: Er heuerte beim Museum als ehrenamtlicher Mitarbeiter an.

Fleißiger Forscher

Das erste Forschungsprojekt fand er, als das Haus Kump am Ende des münsterischen Aaasees umgebaut wurde. Da kamen schichtweise Aa-Sedimente zum Vorschein. Flotmann widmete sich Schicht fünf und suchte im Sand ein bis drei Millimeter kleine Fischknochen und Reste von Insekten. Sie geben Aufschluss darüber, was 300 vor Christus hier an und in der Aa lebte.

Die Sammlung des Naturkundemuseums zieht um

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    Ein Eisbär im Aufzug: So geht's runter in die Kühlkammer, in der das Exponat vorbereitet wird auf den Umzug.

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  • Löwe und Gnu friedlich nebeneinander - sowas gibt's nur im Museum.

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  • Rund 500.000 Schmetterlinge gibt es in der Sammlung - sie werden in Kisten verpackt.

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  • In eher schmucklosen Regalen lagern die Objekte.

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  • Dr. Jan Ole Kriegs ist Direktor des LWL-Museums für Naturkunde.

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  • Kistenweise werden die Objekte nach und nach abtransportiert.

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  • Der Eisbär macht sich auf den Weg.

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  • Anne Kutscheidt katalogisiert Farne

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Erstmal büffeln

All das Wissen, das er dazu braucht, musste sich Flotmann erstmal draufschaffen. „Aber genau das wollte ich ja: Dinge dazulernen“, sagt er. „Man muss nicht nur körperlich beweglich bleiben, sondern auch im Kopf.“ Und so ist er sicher: Wenn die Paläontologie sein Beruf gewesen wäre, hätte er sich für seinen persönlichen Unruhestand ein ganz anderes Thema gesucht.

Ehrenamtsforum im Naturkundemuseum

Um die ehrenamtlichen Helfer zu würdigen und auf ihre wichtige Arbeit aufmerksam zu machen, lädt der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) zum zweiten Naturkundlichen Ehrenamtsforum in das LWL-Museum für Naturkunde in Münster ein. Am Samstag, 7. Dezember, zeigen die Wissenschaftler, darunter auch Vereinean zahlreichen Infoständen von 13 Uhr bis 18 Uhr ihre Arbeit. Der Tag richtet sich nicht nur an erwachsene Naturfreunde, sondern ist auch explizit für die jüngeren  Besucher gedacht. Der Eintritt ist an diesem Tag für alle frei.

www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de

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Marmor aus dem Sauerland

Aktuell ist der Münsteraner Marmor aus dem Sauerland auf der Spur. „Kalkstein aus dem Devon – sieht toll aus!“, schwärmt er und sucht in ganz Deutschland nach Stellen, an denen der verbaut wurde. Dann fährt er hin, nimmt Proben und kartiert. Stück für Stück wird so der Bestand an Wissen in den Hinterstuben des Naturkundemuseums immer größer.

Und die Besucher? Sie kommen wohl trotzdem wegen der Dino-Skelette ins Museum.

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