Rücklastschriften
Zusatzschichten für Kassierer

Ascheberg -

Konto aufgelöst oder im Minus, umgezogen, Lastschrift widerrufen – Vereine, besonders ihre Kassierer, haben mit dem Einziehen der Mitgliedsbeiträge immer mehr Probleme.

Donnerstag, 05.12.2019, 19:00 Uhr
Stark fürs Punktesammeln beim Scrabble, schlecht für den Alltag von Schatzmeistern und Vereinen: Rücklastschriften verursachen Gebühren, sorgen für Ärger und Arbeit. Foto: hbm

Die Zeiten, in denen Vereine ihre Beiträge - Körnchen inklusive - durch Hauskassierer eingesammelt haben, sind lange vorbei. Das Lastschriftverfahren ist zum Stand der Dinge geworden. Früher war es schwer, dem Geldsammler des Vereins die Tür vor der Nase zuzuschlagen. Heute gehört es dagegen zum Alltag, dass Vereine über Rücklastschriften klagen. Wenn Mitglieder klamm sind, verweigert das Geldinstitut den Vorgang. Haben die Menschen keine Lust mehr auf den Verein, widerrufen sie den Vorgang. Das verursacht nicht nur Arbeit für ehrenamtliche Vereinskassierer und Mitgliederverwalter. Es kostet dem Verein auch Geld.

Das Beispiel: Der Ascheberger Verein hat ein Mitglied mit einem Konto bei der Volksbank Ascheberg-Herbern. Ihm liegt das Recht, 13 Euro Jahresbeitrag vom Konto abzubuchen, vor. Als die Schatzmeisterin nachsieht, ob das Geld eingetrudelt ist, erlebt sie eine Überraschung. Die 13 Euro sind zwar auf dem Konto, wurden aber sechs Tage später zurückgebucht, Gebühren inklusive. Macht bei der Volksbank drei Euro. Der Verein macht also ein Minus. Ist das Mitglied bei der Sparkasse Westmünsterland, werden 2,97 Euro fällig, wie Pressesprecher Robert Klein informiert: „Die entstehenden Kosten geben wir an den Einreicher der Lastschrift weiter. Die Höhe legt das Kreditinstitut fest, bei dem das Mitglied sein Konto führt.“

Und dann beginnen wir, den Beiträgen hinterher zu rennen.

Kathrin Mühlenbäumer

Hartmut Schlegel von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Postbank hat ganz andere Zahlen parat: „Wenn ein Verein sein Vereinskonto bei der Postbank hat, berechnen wir jede geplatzte Lastschrift 5,50 Euro bei Vereinsmitgliedern, die ein Konto bei uns oder der Deutschen Bank haben.“ Habe das Vereinsmitglied sein Konto bei einem anderen Institut käme das Interbankenentgelt hinzu. Das sei das Entgelt, das die Fremdbank für die Abwicklung nehme. Es werde unverändert dem Vereinskonto weiterbelastet. Eine Sprecherin der Deutschen Bank verlangt vom Verein 5,11 Euro für eine Rücklastschrift. Die Commerzbank nennt 1,90 Euro als Gebühr.

Hohe Fluktuation steigert das Problem

Das Problem in den Vereinen ist ganz unterschiedlich. „Ein, zwei Rücklastschriften haben wir im Jahr“, berichtet Wilhelm Henrichmann vom Heimatverein Davensberg. Dahinter stehen treue Mitglieder, eher ältere Menschen. Die volle Bandbreite erlebt Markus Klaverkamp als Kassierer der Ascheberger Bürgerschützen: „In jeder Runde sind das 15 bis 25 Rücklastschriften bei etwa 550 Mitgliedern.“ Deutlich spürbar sei, dass mit dem Ansteigen der Gebühren Mitglieder häufiger die Bank wechseln als früher. Wenn dann dem Verein die neue Kontoverbindung nicht mitgeteilt werde, laufe die Lastschrift ins Leere. Klaverkamp macht sich die Mühe, bis zu drei Mal nachzufragen. Gravierender ist das Problem bei Vereinen mit kurzlebigeren Mitgliedschaften, etwa Fördervereinen aus dem Schulumfeld. Sie arbeiten mit geringen Beiträgen, die oft bei fremden Banken einzuziehen sind. „Bei uns sind das jedes Jahr 5000 bis 7000 Euro“, beziffert Schriftführerin Kathrin Mühlenbäumer das Problem für den TuS Ascheberg. Oft seien fehlende Informationen über Umzüge oder Bankenwechsel der Grund. „Und dann beginnen wir, den Beiträgen hinterher zu rennen“, klagt Mühlenbäumer. Denn die Gelder sind in den Haushaltsplänen enthalten und an die Abteilungen ausgezahlt. Mehrere Vorstandsmitglieder seien mit dem Aufarbeiten beschäftigt. Mühlenbäumer will künftig nicht resigniert zusehen: „Die Leute haben einen Vertrag unterschrieben, an den sie sich halten müssen. Ich werde künftig ins Mahnverfahren gehen.“ Beim Nacharbeiten fordert der Verein auch Gebühren zurück. Und: Die Abteilungen haben mit ihren Extra-Beiträgen ähnliche Probleme. Deswegen die Bitte der TuS-Schriftführerin: „Wenn sich Bankdaten ändern, bitte sofort melden. Das erspart uns Zeit und Ärger.“

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