Anlieger vom Vosskotten protestieren im Rat gegen Fahrradstraße
„Mit dem Kinderwagen springen“

Greven -

Die Straße am Max-Clemens-Kanal soll Fahrradstraße werden. Es gibt aber einige Anlieger, die gute Gründe dagegen vortragen.

Samstag, 07.12.2019, 07:42 Uhr aktualisiert: 07.12.2019, 07:50 Uhr
Die Straße am Max-Clemens-Kanal ist bereits wegen Straßenschäden auf 30 km/h reduziert worden. Foto: Oliver Hengst

„Ich muss da schon heute mit meinem Kinderwagen in die Bankette springen.“ Caroline Noll, Anwohnerin der Straße Am Vosskotten sorgt sich um das Wohl der Kinder. Seit der Plan der Verwaltung bekannt ist, das Grevener Teilstück der Straße Am Max-Clemens-Kanals zur Fahrradstraße zu machen, formiert sich Widerstand in der Nachbarschaft. Eine große Delegation trug den Bürger-Missmut im Ausschuss für Stadtplanung und Umwelt vor.

Worum geht‘s? Straßenplaner André Kintrup erklärte den Vorschlag seines Fachdienstes: Die Straße Am Max-Clemens-Kanal soll zur Fahrradstraße werden. Folge: Für alle anderen Fahrzeuge wäre sie dann gesperrt. Ausnahme: Anlieger, Busse und Landwirtschaft. Nach einer gewissen Beobachtungszeit könne man die Straße dann wie einen Wirtschaftsweg ausbauen.

Die Bürger fürchten die Konsequenzen. Heute nutzen rund 1000 Fahrzeuge täglich die Abkürzung am Max-Clemens-Kanal, um in Richtung Münster Nord zu fahren. Wer aus Nordwalde kommt, biegt hier ab und fährt schnurstracks bis Kinderhaus. Sollte die Straße gesperrt sein, fürchten die Anlieger, würde der Nordwalder erst über die Altenberger Straße fahren, dann in den Wirtschaftsweg Am Vosskotten abbiegen, um auf den Max-Clemens-Kanal zu stoßen. „Seit die 30-Kilometer-Zone eingerichtet ist“, meint Caroline Noll, „haben wir schon mehr Verkehr.“

André Kintrup vertritt zwei andere Theorien: Erstens, der Nordwalder würde bis zur Hanseller Straße fahren – auf qualifizierten Wegen. Zweitens, er könnte Richtung Altenberge und dort auf die B54 abbiegen.

Widersprüche, die den Praxistest bräuchten. Peter Borggreve von den Grünen schlug ihn vor: „Wir sind für die Fahrradstraße, aber man könnte doch am Vosskotten ein Verkehrsdisplay hinstellen.“ Das warnt nicht nur Pkw-Fahrer, wenn sie zu schnell sind, sondern es zählt auch das Verkehrsaufkommen. Eine Lösung, der auch André Kintrup zustimmen konnte, zumal so ein Display geringe Kosten verursacht.

Für Dr. Christian Krieges­kotte von der SPD zeigte die Diskussion, dass die Bürgerbeteiligung in der Verwaltung vernachlässigt werde. Die SPD fordert seit einiger Zeit, frühzeitige Befragung Betroffener bei Baumaßnahmen. Hier allerdings, meinte Kintrup, habe man die Anlieger am Max-Clemens-Kanal schon befragt: „Es sind nur drei.“ Nicht eingeschlossen wurden die Anlieger vom Vosskotten.

Irritation gab es auch, weil unter anderem Anlieger Ewald Borgmeier darauf hinwies, dass schon vor Jahren am Max-Clemens-Kanal ein Radweg aufgeschottert worden sei. Sichtbar ist davon ein kleiner, schlaglochreicher Streifen. Dazu André Kintrup: Heute brauche man 2,50 Meter breite Radwege, 1,70 Meter Abstand zur Straße, plus Platz für den Ablaufgraben. Die Straße selbst sei so schmal, dass nicht mal Bus und Pkw sich begegnen könnten. „Wenn wir das bauen“, so Kintrup, „müssen alle Straßenbäume geschlagen werden.“

Den vorläufigen Schlusspunkt der Debatte zog Bürgermeister Peter Vennemeyer: „Wir ziehen die Vorlage zurück.“ Jetzt soll erst das Gespräch mit den Anliegern gesucht werden.

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