„Landeier“ von Frederik Holtkamp im Boulevard Münster
Mit viel Herz und Schnauze

Münster -

„Landeier“ von Frederik Holtkamp hat Herz und Schnauze auf dem rechten Fleck. Und die Inszenierung im Boulevard Münster unter bewährter Regie von Roland Heitz punktet mit trockenem Wortwitz.

Sonntag, 15.12.2019, 15:54 Uhr
„Auf jedes Töpfchen passt ein Deckelchen“: Jan Jensen (Stefan Nászay, rechts) macht die Probe. Die Kneipen-Clique ist amüsiert: (v.l.) Miriam Hornik, Angelika Ober, Patrick Bredow, Eric Haug und Marc Zabinski. Foto: Peter Pittermann

Als am Ende die „Chippendales von Gimbte“ einen zünftigen Striptease zwischen Bratpfannen und Bügeleisen auf die Bühne brachten, klatschte der Saal frenetisch mit. Doch bis die drei titelgebenden „Landeier“ ihre überbordende Männlichkeit auf dies Niveau gehievt hatten, mussten viele Peinlichkeiten bewältigt, viele Schnäpse gekippt und viele Sprüche geklopft werden. Da flossen die Lachtränen bei der Premiere so reichlich wie der Alkohol auf der Bühne. Prost!

„Landeier“ von Frederik Holtkamp hat Herz und Schnauze auf dem rechten Fleck. Und die Inszenierung unter bewährter Regie von Roland Heitz punktet mit trockenem Wortwitz. Da das Stück nicht (wie sonst meistens im Boulevard Münster) in den schicken Wohnzimmern der Bourgeoisie spielt, sondern in einer Kneipe auf dem platten Land, dürfen die Witze ruhig ein bisschen tiefer gelegt sein. Hauptsache, der „Sound“ stimmt, und die Darsteller geben dem rustikalen Affen schön viel Zucker.

Und mitreißender als Stefan Nászay und Patrick Bredow kann man die zwei Tollpatsche Jan Jensen und Jens Jansen nicht spielen. Die haben es satt, dass außer Schafen und Schweinen, Skat und Glotze diesseits von Gimbte nix läuft. „Bauer sucht Frau“ heißt also das Motto. Und da die Kunde vom Internet sogar bis in die Kneipe von Wirt Heinz (Eric Haug) vorgedrungen ist, will man die eigenen Vorzüge nun online präsentieren. Da hilft Kumpel Richard (Marc Zabinski) mit seiner Videokamera gern.

Der ist auch Bauer, allerdings sportlicher, attraktiver und nicht ganz so verpeilt wie Jan und Jens. Kein Wunder, dass er der properen Lavinia (Miriam Hornik) ins Auge fällt, so dass die Studentin auf der Durchreise sich verguckt und bei Wirt Heinz einmietet. Das bringt sofort die drei Männerherzen in Wallung.

Apropos Wallung: Angelika Ober reizt ihre Rolle als weiblicher „Postillon d’amour“ weidlich aus. Und zwar wörtlich: Als kantige Postbotin mit Witz sorgt sie dafür, dass die Kerle in die Hufe kommen und ihre Stripper-Ambitionen von der Weide in die Kneipe verlegen. Dort hat Elke Ober (Bühnenbild) wieder liebevolle Details drapiert, die das sehr norddeutsche Stück im Münsterland verorten. Alles in allem bekommt der Boulevard-Freund eine deftige Lach-Mahlzeit – wie ein westfälischer Schinken mit Schluck und Bier. Jau!

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